Daniel Bernhardt blickt auf 13 VfR-Jahre zurück: Als drei gehaltene Elfer nicht reichten

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Von den Fans mit Sprechchören verabschiedet: Daniel Bernhardt in Bielefeld.
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Zwei Aufstiege, ein Pokalsieg und ein Duell gegen Manuel Neuer: Publikumsliebling Daniel Bernhardt verlässt nach 13 Jahren den VfR Aalen. Der Keeper ist ein Teil der Erfolgsgeschichte.

Aalen

Seinen Abschied hat er sich anders vorgestellt. Am liebsten in seiner Ostalb-Arena. Stattdessen beendete das WFV-Pokalspiel beim unterklassigen SC Geislingen die aktive Laufbahn von Daniel Bernhardt beim VfR Aalen. Mit einer Schulterverletzung, an der er bis heute laboriert. So bitter das Ende des Torwarts, Kapitäns und Publikumslieblings ist, so erfolgreich waren die 13 Jahre im schwarz-weißen Trikot.

Die Fans haben ihn zum Abschied frenetisch gefeiert. Und ihm selbst ist der Abgang sichtlich schwer gefallen. Von 2009 bis 2022 stand Daniel Bernhardt im Tor des VfR Aalen - und er war Teil des größten Erfolgs in der Vereinsgeschichte.

Der Keeper hat seine Karriere bei der TSG Hoffenheim begonnen. „Mein damaliger Mitspieler Andreas 'Bobo' Mayer hatte ein AA-Kennzeichen, das war das erste Mal, dass ich Aalen wahrgenommen habe“, sagt der 36-Jährige. Als der VfR dann 2009 in die Regionalliga abgestürzt ist, hat Trainer Rainer Scharinger den Keeper auf die Ostalb gelockt, gemeinsam mit seinen Teamkollegen Marcel Klefenz, Aytac Sulu und Andreas Schön. „Ich wusste, dass wir eine super Mannschaft haben werden, deshalb musste ich nicht lange überlegen“, sagt „Bernes“.

Und schon im ersten Jahr begann die schwarz-weiße Erfolgsstory: Meister in der Regionalliga. Und WFV-Pokalsieger. Es war die Zeit, als es steil nach oben ging mit dem VfR Aalen. Nur zwei Jahre später schaffte der Verein das, wovon der damalige Präsident und Mäzen Berndt-Ulrich Scholz immer geträumt hatte: den Aufstieg in die 2. Bundesliga. „Wir waren nicht die beste Mannschaft, aber wir waren als Team so gefestigt“, sagt Bernhardt. Und: „Wir hatten den besten Trainer, der jemals beim VfR war.“ Gemeint ist Ralph Hasenhüttl. „Egal, was er gesagt hat, ihm hat man alles geglaubt.“ Dank eines 2:2 am vorletzten Spieltag beim VfB Stuttgart II war das „Wunder“ geschafft. „Das war so krass, auf dem Aalener Marktplatz haben uns hinterher tausende Fans gefeiert.“ Die Gegner hießen plötzlich Hertha BSC, St. Pauli, Union Berlin oder 1860 München. „Diese Gegner, diese Stadien, so etwas vergisst du nie“, sagt Bernhardt und erinnert sich an den Sieg bei St. Pauli: „Da haben uns hinterher sogar die gegnerischen Fans gefeiert. Das gibt's sonst nirgendwo anders in Deutschland.“

Mit Kampl, Hübner, Lechleiter

Ebenso unvergessen: das Auswärtsspiel beim 1. FC Köln am 14. April 2013 vor über 50 000 Zuschauern. „Ich habe 90 Minuten alles gehalten, und in der Nachspielzeit trifft Kasper Przbylko zum entscheidenden 1:0 für Köln.“ Besondere Erlebnisse waren nicht nur die drei Jahre im Fußball-Unterhaus, in denen sich Bernhardt einen Zweikampf mit Ex-Nationaltorhüter Jasmin Fejzic um den Platz im VfR-Tor geliefert hat. Auch im DFB-Pokal erlebte der Keeper große Spiele. Gegen Schalke 04 beispielsweise, als der Bundesligist mit Nationalkeeper Manuel Neuer im Tor nur knapp mit 2:1 gewann. Oder der Einzug ins Achtelfinale durch einen Erfolg über Hannover 96. Seinen ganz großen Auftritt hatte Bernhardt gegen den 1. FC Nürnberg. Der VfR Aalen zwang den „Club“ an diesem DFB-Pokalabend in der ausverkauften Ostalb-Arena ins Elfmeterschießen. Der Keeper parierte drei Elfmeter - und schied trotzdem aus. „Das war brutal.“

Nach drei Jahren endete 2015 das Kapitel 2. Bundesliga. Und die Zeit der großen Namen. „Kevin Kampl, Robert Lechleiter, Benjamin Hübner, Enrico Valentini, Joel Pohjanpalo, Dominick Drexler, Tim Kister, Martin Dausch oder Andreas Hofmann - beim VfR Aalen waren Fußballer, mit denen man in der 1. Bundesliga hätte spielen können“, sagt Bernhardt über seine ehemaligen Kollegen.

Stattdessen gab's einen Neuanfang in der 3. Liga. Mit Trainer Peter Vollmann. Und Daniel Bernhardt. Der Torwart stand in dieser schwierigen Zeit zu seinem Verein, er meisterte alle Tiefen, besonders die Insolvenz im Jahr 2017. Selbst nach dem erneuten Absturz in die Viertklassigkeit blieb der Publikumsliebling den Schwarz-Weißen treu.

Nur ein einziges Mal hat Bernhardt in 13 Jahren um seine Freigabe gebeten: im Januar 2020, als der Zweitligist Jahn Regensburg ihm ein verlockendes Angebot unterbreitete. „Ich hätte einen letzten großen Vertrag unterschreiben können“, sagt er und gibt zu, dass ihn das bis heute ärgert. Denn: Der VfR Aalen verweigerte seinem Kapitän die Freigabe. Es spricht für den Charakter des Torhüters, dass er auch danach als Führungsspieler voranging und bis zum Schluss Topleistungen abgeliefert hat.

Daniel Bernhardt sagt nach 13 Jahren auf der Ostalb, dass „Aalen meine Heimat ist“. Hier sind seine Kinder Raphael und Lena geboren. Hier hat er ein Haus gebaut. Und sein Auto hat längst ein AA-Kennzeichen.

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