Das habe ich nicht verdient

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Fühlt sich ungerecht behandelt: Niko Dobros kann nicht verstehen, dass er beim VfR Aalen ein schlechtes Image hatte. "Es ist ein Mannschaftssport, und ich kann nur so gut sein wie das gesamte Team", sagt der 27-Jährige.
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Nach dem Ende beim VfR Aalen: Niko Dobros (27) wehrt sich gegen das Image des "Schönspielers" und beklagt fehlende Wertschätzung. "Ich sehe mich als Sündenbock."

Er wurde öffentlich als "Diva" abgestempelt. Ihm wurde mangelnde Einstellung vorgeworfen. Und im Herbst 2019 wurde er von den Verantwortlichen des eigenen Vereins angezählt. Niko Dobros war in der vergangenen Saison der wohl umstrittenste Profi beim VfR Aalen – trotz seiner fußballerischen Klasse. Nachdem sein Vertrag nun nicht verlängert wurde, meldet sich der 27-Jährige zu Wort. Und wehrt sich gegen sein Negativ-Image.

Am Anfang hätte es besser nicht laufen können. Zwei Tore vorbereitet beim Saisonauftakt in Hoffenheim (2:1), dann zwei eigene Treffer im zweiten Spiel gegen den Bahlinger SC (4:4) – Niko Dobros war beim VfR Aalen auf Anhieb die erhoffte Verstärkung. Und ein Teil des hoch gelobten VfR-Angriffstrios mit Toni Vastic, Dijon Ramaj und eben ihm. Dobros' Bilanz nach neun Spielen: vier Treffer und vier Assists.

Und dazwischen ein Auswärtsspiel, das er nie vergessen wird. Der 27-Jährige war mit der Mannschaft bereits nach Steinbach Haiger gereist, als er abends die Nachricht erhielt, dass die Geburt seines Kindes ansteht. Dobros ist sofort losgefahren, um zu seinem neugeborenen Kind zu kommen. Früh morgens hat er sich zurück nach Haiger fahren lassen, um dann – mit nur einer Stunde Schlaf – auf dem Platz zu stehen. "Ich wollte der Mannschaft unbedingt helfen, was bei der Geburt des Erstgeborenen sicher nicht selbstverständlich ist", sagt er. 76 Minuten lang hielt er bei hochsommerlichen Temperaturen durch, ehe er ausgewechselt wurde.

Es war aber auch die Zeit, in der sich der Offensivspieler beim VfR Aalen nicht mehr genug wertgeschätzt fühlte. "Ich bin 800 Kilometer hin- und hergefahren. Das würde nicht jeder machen. Aber vom Verein kam nichts, nicht einmal eine kleine Geste. Das war schon eine Enttäuschung für mich."

Es folgten neun Spiele bis zur Winterpause, in denen Dobros weder einen Treffer noch einen Assist für sich verbuchen konnte. "Das ist natürlich nicht mein Anspruch", sagt er rückblickend. Die Kritik an ihm wurde lauter. Und er war plötzlich nicht mehr erste Wahl. Vor dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim II gab es dann eine klare Ansage von den Verantwortlichen: Es ging um Dobros' angeblich mangelnde Einstellung. "Michael Weißkopf (Präsidiumsmitglied, Anmerkung der Redaktion) hat sich hinterher dafür entschuldigt", sagt der Offensivspieler – wohl wissend, "dass ich angezählt war". Denn: "Unser Trainer Roland Seitz hat mir damals gesagt, dass ich Tore schießen und vorbereiten muss, sonst werde sich der Verein nach einem anderen Spieler umschauen." Was ihn bis heute ärgert: "Der Trainer hatte mich als Schuldigen ausgemacht." Dobros sagt deshalb klipp und klar: "Ja, ich sehe mich als Sündenbock!"

Der 27-Jährige kann das nicht nachvollziehen. "Ich habe mich ganz sicher nicht wie eine Diva verhalten", sagt er. "Das zeigt allein die Tatsache, dass ich jeden Tag über 200 Kilometer von Vaihingen/Enz zum Training gefahren bin." Auch sportlich fühlt sich der Offensivspieler ungerecht behandelt. "Nachdem Toni Vastic, Dijon Ramaj und auch Kevin Hoffmann verletzt waren, war ich vorne das alleinige Zugpferd. Es ist aber ein Mannschaftssport, und ich kann nur so gut sein wie das gesamte Team."

Ich habe mich nicht wie eine Diva verhalten.

Niko Dobros Ex-Spieler des VfR Aalen

Noch kein passendes Angebot

Es hätten in dieser Zeit Spieler um ihn herum gefehlt, die mal den tödlichen Pass spielen können. "Es ist etwas anderes, ob ich mit Toni und Dijon spiele oder mit Spielern aus der zweiten Reihe ..." Dobros ist bewusst, dass die Kaderzusammenstellung dem Budget geschuldet war. "Aber das hat für die Regionalliga einfach nicht mehr ausgereicht. Es fehlte in der Breite."

Schade findet Dobros, dass er seit Beginn der Corona-Pandemie keinen Kontakt mehr zu Roland Seitz hatte. Zu dem Trainer, "der mich unbedingt haben wollte". Auch die Nachricht, dass sein Vertrag nicht verlängert wird, habe ihm Michael Weißkopf überbracht. "Ich habe es nicht verdient, dass so mit mir umgegangen wird", sagt er abschließend.

Inzwischen ist der VfR Aalen Vergangenheit, und Dobros plant seine Zukunft: "Ich habe mein Fachabitur gemacht und eine kaufmännische Ausbildung." Erste Job-Gespräche habe es bereits gegeben. Wobei Niko Dobros auch klar sagt, dass er gerne seiner großen Leidenschaft nachgehen würde: "Natürlich kann ich mir vorstellen, weiter Fußballer zu sein."

Was noch fehlt, ist das passende Angebot.

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