Der Gescholtene trifft aus 25 Metern

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Der Kritisierte kann auch anders: Kevin Hoffmann hat den VfR Aalen im Derby gegen den VfB Stuttgart II mit einem sehenswerten 25-Meter-Kracher zum 1:0-Sieg geschossen. Die Ostälbler haben jetzt wieder vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge.
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Endlich ein Heimsieg: Der VfR Aalen schlägt den VfB Stuttgart II überraschend mit 1:0 (0:0), weil Kevin Hoffmann ein Sonntagsschuss gelingt und Daniel Bernhardt alles hält.

Kevin Hoffmann hatte es zuletzt nicht leicht. Der 25-Jährige musste ständig Kritik einstecken, weil er viel zu selten sein Potenzial abruft. Im Derby gegen den VfB Stuttgart II war es aber ausgerechnet der Gescholtene, der mit einem Sonntagsschuss aus 25 Metern das entscheidende Tor zum 1:0 (0:0)-Sieg erzielte und dem VfR Aalen den lang ersehnten Heimdreier bescherte.

"Dass Kevin so ein schönes Tor schießt und dass das auch noch das Siegtor ist, tut das uns allen gut", sagt Roland Seitz. Nicht nur beim Trainer war die Erleichterung groß, dass der VfR Aalen erstmals seit dem 30. Januar wieder ein Spiel in der Ostalb-Arena gewonnen hat. Wobei der eigentliche Matchwinner ein anderer ist: Daniel Bernhardt zeigte wieder einmal, warum er trotz seiner 35 Jahre einer der besten Keeper in der Liga ist. Gleich mehrfach bewahrte der Kapitän sein Team mit glänzenden Paraden vor einem Rückstand. "Ja, Daniel hat uns im Spiel gehalten", sagt auch Seitz.

Der Coach überraschte zunächst mit einer unerwartet offensive Startelf gegen diesen spielstarken Gegner. Steffen Kienle war im Derby kein Alleinunterhalter, Toni Vastic stürmte an der Seite des Elchingers. Und die erste halbe Stunde gehörte bei frostigen Temperaturen ganz klar den Schwarz-Weißen. Aalen begann sehr mutig, attackierte früh und kam zu unerwartet vielen Torchancen. Alessandro Abruscia scheiterte aus spitzem Winkel an VfB-Keeper Sebastian Hornung (10.), Nikita Marusenko zielte aus der zweiten Reihe zu hoch (11.), und Toni Vastic hatte plötzlich freie Bahn, doch der Torjäger ließ sich im letzten Moment abdrängen (24.). Seitz ärgerte sich über diese vergebene Großchance – weil danach die Stuttgarter das Kommando übernahmen. Und ebenso zu besten Möglichkeiten kamen. Es folgte die Viertelstunde von Bernhardt. 28. Minute: Marco Pasalic, mit dem Andreas Knipfer größte Probleme hatte, kommt frei zum Schuss, Bernhardt wirft sich dazwischen und klärt. 34. Minute: Wieder gewinnt Pasalic das Duell gegen Knipfer, wieder in der VfR-Keeper zur Stelle. 41. Minute: Ferdinand Marco Wolf wird im Strafraum nicht angegriffen, Bernhardt reagiert im Eins-gegen-eins stark. 42. Minute: Pasalic hat aus 16 Metern freie Schussbahn, Bernhardt geht blitzschnell zu Boden und pariert auch diesen Ball.

Roland Seitz reagierte in der Halbzeitpause, nahm den angeschlagenen Knipfer vom Feld und brachte den flinkeren Leon Volz. Jetzt waren es wieder die Aalener, die gefährlich vors gegnerische Tor kamen. Doch wieder verzog Vastic in aussichtsreicher Position (47.). Als sich das Spiel verstärkt im Mittelfeld abspielte, kam der große Auftritt von Kevin Hoffmann. Niemand fühlte sich für den Mittelfeldspieler zuständig, der blickte kurz auf, lief ein, zwei Schritte und hämmerte den Ball aus 25 Metern aufs Tor – 1:0 (60.).

Direkt nach Wiederanpfiff hätte es beinahe auf der anderen Seite eingeschlagen, doch auch der gebürtige Aalener Eric Hottmann scheiterte an Bernhardt (61.). Stuttgart schaltete nun einen Gang höher, die besseren Möglichkeiten hatte aber zunächst Aalen.

Das tut uns allen gut.

Roland Seitz Trainer des VfR Aalen

Klare Chancen zum 2:0

Mohamed Morabet (75.) und Hoffmann (79.) ließen aber zwei klare Chancen aus – was Seitz in Rage brachte. Denn mit dem Ein-Tore-Vorsprung war in der Schlussphase zittern angesagt. Daniel Bernhardt kratzte zuerst einen Kopfball von Matej Maglica von der Linie (82.), dann lenkte der Torwart eine tückische Flanke übers Tor (90.+1). Als Hottmann die letzte Gelegenheit ungenutzt ließ, war Schluss. Jubel und Erleichterung beim VfR Aalen, der den Vorsprung auf die Abstiegsränge wieder auf vier Zähler vergrößert hat. "Ganz nebenbei haben wir den Fans noch einen Dreier zum 100-Jährigen geschenkt", sagt Roland Seitz.

Das schönste Geschenk aber hat sich Kevin Hoffmann selbst gemacht.

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