Die Coronakrise bringt auch den VfR Aalen in die Bredouille

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Noch ist nicht klar, wann Spieler und Trainer wieder auf dem Feld stehen, geschweige denn sich in die Arme fallen dürfen. Trotz vieler Fragezeichen arbeitet der VfR Aalen bereits an der neuen Fußballsaison. Archivfoto: Eibner
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Keine Zuschauer bedeuten rund 80 000 Euro weniger – Lizenzantrag für die Regionalliga wird eingereicht.

Mit dem Derbykracher gegen den SSV Ulm wäre am Samstag für den VfR Aalen eines der heiß begehrtesten Spiele dieser Saison in der Regionalliga Südwest angestanden. Eine Woche später der Saisonschluss vor eigenem Publikum gegen die Bundesligareserve des SC Freiburg. Dann Urlaub. Doch seit dem Anfang März hängt VfR-Chefcoach Roland Seitz mit seinen Spielern im Ungewissen. Mehr noch. Die Corona-Pandemie bringt nicht nur zahlreiche Unternehmen in die Krise. Auch die Sportvereine - vor allem jene im Profisektor - kommen finanziell gehörig in die Bredouille.

Der Fußball-Regionalligist VfR Aalen, der vor wenigen Tagen seine Nöte in einem offenen Brief bekundete, könnte nach der Insolvenz im Frühjahr 2017 ein zweites Mal innerhalb von gerade einmal drei Jahren in die finanzielle Klemme geraten. Ligakonkurrent FK Pirmasens hat schon mitte April eine Spendenaktion gestartet. Rot-Weiß Oberhausen (Regionalliga West) verkauft Geisterspiel-Tickets wie die Fans des VfR Aalen auch. Sie sind bei weitem nicht die Einzigen.

Gerade die Regionalligen trifft diese Krise eminent hart. Sie können nicht wie die Klubs der Ligen 1 bis 3 bei einer Fortsetzung der Saison ohne Zuschauer drauf vertrauen, dass wenigstens die Fernsehgelder als ein maßgebliches Standbein der Fußballprofivereine überwiesen werden. Solche gibt für die Regionalliga nur in sehr geringem Maße.

Noch ist nicht entschieden, wie es mit der Saison weitergeht, in der der VfR Aalen am Montag, 2. März zuhause gegen den FC Homburg sein bislang letztes Spiel (1:3) bestritten hat. Nur wenige Tage später waren die Stadiontore per Verordnung geschlossen. Und sie sind es noch immer. Seit Mitte März sind bis auf Geschäftsführer Lepore alle anderen 29 hauptamtlich Angestellten des Vereins in Kurzarbeit. Das betrifft den kompletten Profikader inklusive Trainer- und Betreuerstab, die Geschäftsstellenmitarbeiter und auch den Jugendbereich. Der Verein hat die Bezüge seiner Angestellten, die sie momentan als Kurzarbeitergeld (60 bzw. 67 Prozent) von der Bundesagentur für Arbeit erhalten, auf 80 Prozent aufgestockt. Die Ausgabe dafür inklusive der Lohnnebenkosten sowie den Bezügen für die Mitarbeiter in Nebenbeschäftigung beziffert Lepore auf rund 30 000 bis 35 000 Euro pro Monat. Eineinhalb Monate sind bisher vergangen und schlagen bereits zu Buche.

"Falls wir unsere sieben noch ausstehenden Heimspiele nicht mehr mit unseren Fans in der Ostalb-Arena austragen dürfen - und davon muss man derzeit wahrscheinlich ausgehen - brechen uns rund 80 000 Euro an Einnahmen weg", sagt Aalens Geschäftsführer Giuseppe Lepore. Es sind ausbleibende Einnahmen aus dem Ticketing, dem Catering und des Fan-Artikelverkaufs am Spieltag. Die Ausgabenersparnis fällt demgegenüber nur gering ins Gewicht.

Wir brauchen jetzt endlich Entscheidungen, um zu wissen, wie es weitergehen soll.

Giuseppe Lepore Geschäftsführer des VfR Aalen

Dass der VfR Aalen auch nach der Insolvenz nicht auf Rosen gebettet ist, sahen seine Mitglieder bei der Hauptversammlung im vergangenen Herbst schwarz auf weiß. Der Schuldenstand im Juni 2019 lag bei knapp 679 000 Euro. Der Gesamtetat für die laufende Saison 2019/20 liegt bei 2,8 Mio. Euro. "Damit wären wir klar gekommen", sagt Giuseppe Lepore. Und fügt hinzu: "Wenn die Saison normal gelaufen wäre." Und wenn es tatsächlich eine Möglichkeit gäbe, diese Saison noch bis zum 30. Juni komplett zu schultern, dann ist das nicht das Problem. Bis 30. Juni laufen in der Regel die Verträge. Jene der Spieler und jene der Sponsoren und der betreffenden anderen Wirtschaftsbereiche.

Sorge bereitet dem Geschäftsführer des VfR Aalen in diesem Tagen viel mehr der Blick in die Zukunft. Sprich in die nächste Saison. "Wir werden die Lizenzierungsunterlagen dafür in der kommenden Woche einreichen", sagt Lepore. Kostenpunkt: 35 000 Euro. Der ausgewiesene Gesamtetat sieht voraussichtlich 2,4 Mio. Euro vor und liegt damit deutlich unter dem dieser Saison. Weitere Kostensenkungen sind dafür vorgesehen.

Das Problem: "Stand jetzt", sagt der 46-Jährige, "wissen wir noch nicht, ob diese Saison fortgesetzt oder abgebrochen wird. Und wir wissen vor allem nicht, wann und wie die neue wieder gestartet wird, da Großveranstaltungen bis zum 31. August 2020 untersagt sind." Dabei müssten jetzt die Sponsorenverträge für die kommende Saison geschlossen werden. Die Gespräche laufen. Aber: "Ohne konkrete Entscheidungen des Fußball-Verbands werden wir Alternativ-Angebote unterbreiten müssen, sofern in der neuen Saison zeitweise Geisterspiele stattfinden werden. Stand heute ist es nicht möglich, zu allen Fragestellungen konkrete Aussagen für die neue Saison zu treffen." Und außerdem: "Viele Partner hat die Coronakrise sehr hart getroffen." Giuseppe Lepore: "Das ist ein ganz wichtiger Faktor, den wir dabei nicht außer Acht lassen dürfen."

Deshalb sagt der VfR-Geschäftsführer auch: "Wir brauchen jetzt endlich Entscheidungen, um zu wissen, wie es weitergehen soll. Die Situation ist für alle Beteiligten ohnehin schwierig genug."

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