Die gescholtenen Aalener schlagen in Ulm zurück

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Faustdicke Überraschung: Der VfR Aalen feiert den Treffer von Kai Merk (rechts) und gewinnt das Spiel beim Aufstiegsaspiranten SSV Ulm 1846 am Ende verdient mit 2:0 (2:0). Zuvor hatte der Ex-Ulmer Alessandro Abruscia die Ostälbler in Führung geschossen.
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Mit Leidenschaft und Aggressivität: Der VfR Aalen gewinnt beim SSV Ulm 1846 überraschend und verdient mit 2:0 (2:0). Alessandro Abruscia und Kai Merk treffen.

Als Felix Higl den Ball in der zweiten Minute der Nachspielzeit übers Tor drosch, sagte VfR-Masseur Achim Hägele: "Das war's!" Roland Seitz gefiel das gar nicht, und der Trainer stellte hinterher klar: "In unserer Phase glaubst du erst dran, wenn der Schiedsrichter abpfeift."

Nach 94 Minuten erfolgte schließlich dieser erlösende Pfiff, und der VfR Aalen hatte das geschafft, womit niemand gerechnet hatte: Nach zuvor drei Niederlagen in Folge siegten die scharf kritisierten Ostälbler beim Aufstiegsfavoriten SSV Ulm 1846 mit 2:0 (2:0). "Wir haben einen guten Torwart gehabt, wir haben das Glück gehabt, wir wollten es auch gewinnen, und durch den großen Fight haben wir es auch verdient gewonnen", sagte ein glücklicher Seitz. Auch der Trainer selbst hatte großen Anteil am Erfolg.

Nach dem schwachen Auftritt gegen Alzenau (1:2) nahm er sowohl taktische als auch personelle Veränderungen vor. Statt im gewohnten 4-3-3- spielte der VfR am Freitagabend erstmals im 4-4-2-System.

Neu in der Startelf standen insgesamt vier Profis: Tim Grupp, Gino Windmüller, Kai Merk und Debütant Kristjan Arh Cesen. "Ich habe gesagt, wir spielen dasselbe System wie Ulm, und das ist sensationell aufgegangen", so der Coach.

Aalen war nach den vergangenen Auftritten kaum wiederzuerkennen. Aggressiv, lauf-und zweikampfstark präsentierte sich der Außenseiter - und belohnte sich früh. Toni Vastic stellte gegen den Ex-Aalener Thomas Geyer clever das Bein raus. Elfmeter. Alessandro Abruscia verwandelte an alter Wirkungsstätte sicher zur überraschenden Führung (8.). Und die Aalener hätten sofort nachlegen können. 11. Minute: Kai Merk legt quer auf Vastic, der Torjäger scheitert aber frei an Keeper Niclas Heimann. 13. Minute: Nach einem Eckball von Abruscia kommt Cesen aus kurzer Distanz völlig frei zum Kopfball, der Ball verfehlt das Tor nur knapp. 14. Minute: Wieder ist es der aufgerückte Cesen, der aus 16 Metern abzieht. Wieder fehlt nicht viel zum 2:0. Aalen ließ nicht locker. Vor allem der starke Tim Grupp gewann im Mittelfeld entscheidende Bälle. Und doch waren die Ulmer mit zunehmender Spieldauer optisch überlegen, ohne zunächst zwingend zu werden. Erst nach einer guten halben Stunde brannte es im VfR-Strafraum lichterloh, Oliver Oschkenat rettete in höchster Not gegen Adrian Beck (32.).

Wir wollten es auch gewinnen...

Roland Seitz Trainer des VfR Aalen

Was folgte war ein Angriff aus dem Lehrbuch – vom VfR: Kevin Hoffmann passt rechts raus zu Vastic, dieser direkt weiter auf Merk, der 22-jährige Neuzugang umkurvt Keeper Heimann und schiebt locker zum 2:0 ein (34.).

So einfach kann Fußball sein. Ulm hatte vor der Pause noch eine gute Möglichkeit. Nach einem Eckball kam Johannes Reichert frei zum Kopfball, zum Anschlusstreffer fehlte aber viel (44.). Wie würde der Favorit auf diese unerwartete erste Halbzeit reagieren? Mit viel Aufwand und einer Angriffslawine aufs gegnerische Tor. Den Anfang machte Tobias Rühle, der aus kurzer Distanz frei zum Abschluss kam, aber am herausragend reagierenden Keeper Daniel Bernhardt scheiterte (56.).

Auch in der Folgezeit stand der Kapitän mehrfach im Mittelpunkt. Bernhardt parierte den Flatterball von Higl (63.) ebenso wie den 16-Meter-Kracher von Robin Heußer (75.). Als Tim Grupp eine Viertelstunde vor Schluss mit Gelb-Rot vom Platz musste, folgten SSV-Chancen im Minutentakt. Nicolas Jann (81.), Higl (83./ 87.), Gökalp Kilic (85.), Tobias Rühle (88.) und noch einmal Higl (90.+2) hatten den Anschlusstreffer auf dem Fuß, doch der VfR Aalen stemmte sich in Unterzahl mit vereinten Kräften dagegen. Und er konnte sich einmal mehr auf seinen Torwart verlassen. "Wir könnten jetzt noch Fußball spielen und würden kein Tor erzielen", sagte SSV-Trainer Holger Bachthaler. Und gab zu, dass "uns auch die Kaltschnäuzigkeit fehlte".

Daniel Bernhardt dagegen reagierte nach dem Abpfiff genauso cool wie auf dem Platz: "Ich wusste, dass die Jungs kicken können. Sie müssen es nur abrufen."

Nicht zu überwinden: Keeper Daniel Bernhardt reagierte mehrfach glänzend und hielt den Sieg des VfR Aalen fest.

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