Die schwierige Suche nach Stabilität

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Starker Auftritt: Nicolas Sessa (links) war im Derby bei der SG Sonnenhof Großaspach der beste Feldspieler des VfR Aalen. Der Neuzugang kurbelte das Offensivspiel unermüdlich an, er bereitete das Tor zum 1:1 vor und traf kurz vor Schluss mit einer artistischen Direktabnahme noch die Latte.
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Der VfR Aalen korrigiert beim 1:1 (0:1) in Großaspach zweimal das System. Das Team ist zunächst stark verunsichert, zeigt nach der Halbzeitpause aber eine tolle Reaktion.

Sascha Hildmann hätte sich die Erfahrung gewünscht, die der VfR Aalen am Montagabend auf dem Platz hatte. "Wir spielen mit einem 19- und einem 20-jährigen Stürmer", sagte der Trainer des SG Sonnenhof Großaspach und verwies auf die Abgeklärtheit eines Matthias Morys.

Während Makana Baku (20) und Jonas Meiser (19) gleich dreimal im Eins-gegen-Eins an VfR-Kapitän Daniel Bernhardt scheiterten, zeigte der 31-jährige Torjäger des VfR Aalen, wie es geht: Morys schob den Ball flach an Keeper Kevin Broll vorbei zum 1:1-Endstand (54.). Dass die Ostälbler da überhaupt noch einmal zurückkommen, war nach den ersten 45 Minuten keineswegs zu erwarten. Denn diese erste Halbzeit zeigte deutlich, dass Trainer Argirios Giannikis noch viele Baustellen hat.

Nach der 1:4-Klatsche gegen die Münchner Löwen veränderte Giannikis sein System im Derby, er wechselte ins 3-5-2. Mart Ristl spielte auf der Sechs, davor Neuzugang Nicolas Sessa und Patrick Funk, und auf den Außenbahnen Yannis Letard und Patrick Schorr. Es war eine Anordnung, die nicht funktionierte. Und nach nur 20 Minuten nahm der VfR-Coach die erste Korrektur vor, er wechselte auf die gewohnte Doppelsechs (Ristl/Funk). "Da waren wir gleich stabiler", sagt Giannikis.

Stabiler ja, aber längst nicht stabil genug. Denn Großaspach hatte weiterhin (Konter-)Chancen. Auch das Offensivspiel der Aalener lahmte weiter. Über die beiden Außenbahnen kam so gut wie nichts, und Funk und Ristl schoben die Verantwortung von sich weg. Stattdessen versuchten sie, mit Sicherheitsbällen und Rückpässen möglichst keine Fehler zu machen. Einzig Sessa war schon in Durchgang eins ein Lichtblick.

Giannikis korrigiert erneut

Die Folge: Giannikis wechselte in der Halbzeitpause erneut das System: zur Viererkette im 4-2-3-1. Und er brachte zwei neue Kräfte: Die Einwechslungen von Marvin Büyüksarkaya und Marcel Bär zahlten sich schnell aus, weil über deren rechte Seite und natürlich weiterhin über den starken Nicolas Sessa das Angriffsspiel ins Rollen kam. "Wir waren plötzlich viel mutiger", sagt Giannikis und erklärt, dass "sich die Mannschaft in der Viererkette gerade offensichtlich wohler fühlt". Das allerdings sei keineswegs eine Absage an die zuvor praktizierte Dreierkette. Denn: "Vor vier Wochen wurden wir dafür noch gefeiert. Es kann ja jetzt nicht alles schlecht sein ..."

Wir waren plötzlich viel mutiger.

Argirios Giannikis Trainer des VfR Aalen

Der schwache und verunsicherte Auftritt in den ersten 45 Minuten habe andere Gründe gehabt. Zum einen könne sein Team derzeit nicht mit dem Widerstand der Gegner umgehen. "Die Gegner versuchen, unser Spiel zu zerstören, und wir lassen es zu." Zum anderen hätten das Tempo und die Laufarbeit gefehlt. Und damit eben das, was den VfR Aalen in dieser Saison so stark machen soll. "Wir konnten uns so vom Druck des Gegners nicht mehr befreien."

Keineswegs selbstverständlich

Doch bei aller Kritik, Giannikis sieht auch das, was seine Elf in den zweiten 45 Minuten auf den Platz gebracht hat. "Die Reaktion war keineswegs selbstverständlich nach all den Rückschlägen zuvor." Seine Mannschaft sei plötzlich dominant aufgetreten, habe die Spielkontrolle gehabt. Und sie habe sich gegen die zweitbeste Abwehr der Liga mehrfach gute Chancen herausgespielt. Eine davon nutzte Morys zum 1:1-Endstand, den "wir uns aufgrund der zweiten Halbzeit absolut verdient hatten".

Und es wäre sogar noch mehr drin gewesen: Luca Schnellbacher und vor allem Marcel Bär und Nicolas Sessa hatten das 2:1 auf dem Fuß. "Ich hätte das gerne mitgenommen ...", sagt Argirios Giannikis und lächelt.

Das allerdings wäre mehr als glücklich gewesen. Zu schwach war dafür der Auftritt in den ersten 45 Minuten.

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