Eine rote Karte und viele Baustellen

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Die Szene, die laut Trainer Roland Seitz das Testspiel beim TSV Essingen "komplett kaputt gemacht hat": Der Schiedsrichter fühlte sich von Tim Grupp (3. von links) beleidigt und zeigte dem Mittelfeldspieler des VfR Aalen die rote Karte.
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Der frühe Platzverweis ärgert nicht nur Roland Seitz. Trotzdem zeigt der TSV Essingen beim 4:2 (1:1) gegen den VfR Aalen, dass dem Regionalligist noch viel Arbeit bevorsteht.

Es war ein Pfiff, auf den alle gerne verzichtet hätten. Beim Testspiel zwischen dem TSV Essingen und VfR Aalen waren noch keine 30 Minuten gespielt, als Tim Grupp nach einer weiteren fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung ein "Leck mich am A..." rausrutschte.

Obwohl der VfR-Profi beteuert, damit nicht den Unparteiischen gemeint zu haben, fühlte sich der offenbar angesprochen – und zückte glatt Rot (25.). Damit war klar: Über eine Stunde lang hieß es Zehn gegen Elf, und das bei hochsommerlichen Temperaturen. "Dieser Platzverweis hat alles komplett kaputt gemacht", ärgerte sich Roland Seitz. "Nicht nur für uns, sondern auch für Essingen. Normalerweise hätte wir danach aufhören können." Der Trainer des VfR Aalen vermisste dabei nicht nur das Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters, er ärgerte sich auch über die Aktion seines Führungsspielers. "Da muss er sich einfach im Griff haben."

Über weite Strecken im Griff hatte bis zu diesem Zeitpunkt auch der TSV Essingen die Partie. "Wir waren fußballerisch klar besser", sagt TSV-Trainer Beniamino Molinari, der allerdings klarstellt: "Wir wissen das gesamte Spiel richtig einzuordnen, und wenn es nötig sein sollte, werde ich die Jungs schon wieder auf den Boden holen."

Molinari ist klar, dass der Gegner nach nur einer Woche Training und mit seinem unvollständigen Kader "noch kein gestandener Regionalligist war". Dennoch: Vor der dreitäglichen Trainingspause war Molinari mit dem Auftritt seiner Mannschaft hochzufrieden. "Wir haben alles umgesetzt, was wir bislang trainiert haben." Dass seine Spieler in der Offensive "mutig nach vorne gespielt haben", freut ihn besonders. "Lediglich bei der Chancenverwertung waren wir zu leichtsinnig." So scheiterte Niklas Weissenberger mit einem Elfmeter an Keeper Daniel Bernhardt, Benjamin Schiele traf nur den Pfosten (51.) und Yamoussa Camara (75.) und Niklas Groiß (77.) ließen zwei weitere Möglichkeiten liegen. Dass Erman Kilic dann noch eine Großchance ausließ, weil er es mit der Hacke versuchte, sorgt bei Molinari für Unverständnis: "Das macht man nicht, das hat etwas mit Respekt zu tun. Vor allem bei einem 19-Jährigen. Ich werde das sehr deutlich ansprechen."

Immerhin viermal haben die Essinger gegen die Profis getroffen. Viel zu einfach, wie Roland Seitz befindet. Was dem VfR-Trainer dabei überhaupt nicht gefallen hat: dass die Essinger auch nach zwei Standards (1:1, 4:2) zu Toren gekommen sind. "Vergangene Saison war das unsere Stärke, und jetzt wehren wir uns nicht einmal. Das war keine gute Abwehrarbeit." Seitz war mit der gesamten Defensivarbeit nicht einverstanden. Was fehlte, war die Robustheit und Gegenwehr seiner Kicker. "So geht's nicht", stellt der Trainer klar.

Die jungen Spieler waren mehrfach überfordert. Und den gestandenen Profis wirft Seitz vor, dass sie die Jungen "teilweise allein gelassen haben".

Doch auch da zeigt er zumindest ein bisschen Verständnis: "Man hat uns extrem angemerkt, dass wir fast fünf Monate nicht Fußball gespielt haben und erst seit einer Woche wieder im Training sind. Da waren uns die Essinger, die ja kein normaler Verbandsligist sind, um einiges voraus."

Normalerweise hätten wir aufhören können ...

Roland Seitz Trainer des VfR Aalen

Téo Herr stürmt für den VfR

Bleibt noch der Blick auf den einzigen Probespieler beim VfR Aalen: Téo Herr vom 1. FC Saarbrücken stürmte 45 Minuten lang an der Seite von Neuzugang Kai Merk. Der 19-Jährige hatte allerdings kaum gelungene Aktionen. "Er ist ein junger Bursche, der richtig gut trainiert hat. Aber ein Spiel ist eben etwas anderes. Das war nicht optimal", sagt Roland Seitz.

Während sich die Essinger mit einem guten Gefühl in die kurze Pause verabschiedet haben, bleibt dem VfR Aalen die Erkenntnis, dass sowohl auf als auch abseits des Platzes noch viel zu tun ist. Und was das Ergebnis vom Samstag betrifft: In der dritten Runde des WFV-Pokals könnte es zu einer Neuauflage des Spiels kommen.

"Da müssen wir anders auftreten, wenn wir nicht ausscheiden wollen ...", sagt Roland Seitz.

TSV Essingen – VfR Aalen 4:2 (1:1) TSV: Weisheit – Ruth (70. Kilic), Auracher (70. Feisthammel), Feisthammel (46. Camara), Knecht (46. Dayan) – Funk (65. Biebl), Biebl (46. Coban) – Kilic (46. Nierichlo), Weissenberger (70. Groiß), Wiedmann (46. Schiele) –Groiß (46. Eckl) VfR: Bernhardt (46. Layer) – Sakai (65. Ehret), Arslan (46. Appiah), Windmüller (65. Arslan), Rimmele (65. Merk) – Grupp, Ehret (46. Knipfer) – Volz (65. Senger), Senger (46. Bux) – Merk (46. Vastic), Herr (46. Müller) Tore: 0:1 Senger (31), 1:1 Wiedmann (36.), 2:1 Eckl (52.), 3:1 Eckl (58.), 3:2 Vastic (72.), 4:2 Groiß (79.) Bes. Vorkommnis: Bernhardt (27.) hält Foulelfmeter von Weissenberger Rote Karte: Grupp (25.) wegen Schiedsrichterbeleidigung

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