Fünf Spiele ohne Sieg: Der VfR Aalen hat vorne und hinten Baustellen

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Der nächste Schock: Paolo Maiella hat sich im Auswärtsspiel beim TSV Steinbach Haiger (0:4) einen Nasenbein- und Jochbeinbruch zugezogen. Der 24-Jährige wird wohl länger ausfallen.
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Der Fußball-Regionalligist steckt schon wieder im Abstiegskampf: Schuld daran ist nicht nur die dramatische Personalsituation. Die Elf von Tobias Cramer ist ungefährlich und viel zu fehlerhaft.

Aalen

Die Entwicklung ist besorgniserregend. Seit fünf Spielen wartet der VfR Aalen auf einen Sieg, hat nur 2 von 15 möglichen Punkten geholt und ist nur noch zwei Zähler von einem möglichen Abstiegsplatz entfernt. So wird es wieder nichts mit einer sorgenfreien Saison. Der Ausfall mehrerer Leistungsträger ist sicherlich ein Grund für das Tief - aber allein daran liegt es nicht. Vielmehr hat die Mannschaft von Trainer Tobias Cramer in vielen Bereichen viel Luft nach oben.

Die Zahlen: Der VfR Aalen rangiert nach 10 Spieltagen mit 11 Punkten und 14:18 Toren auf dem zwölften Tabellenplatz. Macht einen Punkteschnitt von 1,1 Punkten pro Spiel. Hochgerechnet auf 34 Spieltage würde das 37 Punkte ergeben. Für den Klassenerhalt waren in der vergangenen Saison 39 Zähler nötig - bei vier Absteigern. Ein Blick zurück: In der Saison 2021/2022 hatte der VfR Aalen nach 10 Spielen 15 Punkte und 14:14 Tore.

Die Personallage: Die Situation im Kader ist dramatisch. Tim Schmidt, Ali Odabas, Leon Volz, Benjamin Kindsvater, Steffen Kienle, Levin Kundruweit, Stefan Wächter und Paolo Maiella - acht Profis haben zuletzt verletzungs- oder krankheitsbedingt gefehlt - abgesehen von Kundruweit sind alle potenzielle Stammkräfte.

Die personellen Prognosen: Maiella hat sich in Steinbach Haiger einen Nasen- und Jochbeinbruch zugezogen, er wurde am Mittwoch in Siegen operiert. Trainer Tobias Cramer hofft, dass der 24-Jährige „in drei, vier Wochen mit einer Maske wieder einsteigen kann“. Kienle fällt sicher bis zur Winterpause aus, auch bei Kindsvater und Odabas ist fraglich, ob sie vorher noch hundertprozentig fit werden. Das soll bei Schmidt auf jeden Fall zu schaffen sein. Es gibt aber auch Lichtblicke: Levin Kundruweit und Stefan Wächter trainieren wieder mit der Mannschaft. Auch Leon Volz macht große Fortschritte und wird in Kürze zurückerwartet.

Die Schwachstellen: Defizite hat der VfR Aalen aktuell sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Abgesehen von Sean Seitz (4 Saisontore) und Alessandro Abruscia (2) hat Tobias Cramer derzeit kaum torgefährliche Spieler an Bord. Wobei den Ostälblern nicht nur ein Vollstrecker wie Steffen Kienle fehlt. Nach vorne geht generell zu wenig, in Steinbach Haiger hat sich der VfR kaum eine klare Chance erspielt. Defensiv leisten sich die Aalener zu viele individuelle Fehler, die regelmäßig bestraft werden. Beim 0:4 in Haiger führten kapitale Böcke von Mehmet Bagci und Kristjan Arh Cesen zu Gegentoren. Wobei die jungen (Aushilfs-)Innenverteidiger Bagci (20) und Michael Schaupp (20) ihre Sache sonst sehr ordentlich machen. Das Problem liegt davor. „Die Übergangsreihe ist gerade nicht in der Lage, die Bälle zu halten“, sagt der Trainer, der sich stattdessen längere Ballstafetten wünscht. Und gerade im Zentrum hat der VfR Aalen genügend erfahrene Profis, die dazu in der Lage sind: Alessandro Abruscia, Sascha Korb oder Vico Meien. Wobei vor allem der drittligaerfahrene Meien viel zu fehlerhaft ist. Der 24-Jährige hat gegen Stuttgart (1:3) und Ulm (1:1) jeweils einen Elfmeter verursacht und strahlt keine Ruhe aus.

Die Stärken: Gibt es die aktuell angesichts der fünf sieglosen Spiele in Serie? Ja, die gibt es. Im Tor beispielsweise. Michel Witte (23) ist in bestechender Form und hat den VfR in den vergangenen Partien mehrfach im Spiel gehalten oder einen höheren Rückstand verhindert. Ein Gewinn ist - ungeachtet der Kritik - auch Sascha Korb auf der Sechs. Der 29-jährige Routinier strahlt viel Ruhe aus und geht als Führungsspieler voran. Der lange verletzte und dann danach noch rotgesperrte Jan Just hat - abgesehen vom Spiel in Steinbach Haiger - gezeigt, dass er die Lücke als Rechtsverteidiger schließen kann. Und: Die Mannschaft hat gegen den Tabellenführer SSV Ulm 1846 (1:1) bewiesen, dass sie als Team funktioniert. In diesem Spiel war jeder für jeden da, die Lauf- und Einsatzbereitschaft hat gepasst - und am Ende auch das Resultat.

Die Alternativen: Viele gibt's davon gerade nicht: Mit den wiedergenesenen Wächter und Kundruweit stehen am Sonntag 16 Feldspieler zur Verfügung - acht davon sind 20 Jahre alt oder jünger - und dementsprechend unerfahren. Mario Szabo und Loris Portella haben in der vergangenen Runde sogar noch in der U19 gespielt. „Das wird eine Herausforderung“, sagt Cramer.

Das Programm:  Nach dem SSV Ulm 1846 (1:1) und dem TSV Steinbach Haiger (0:4) wartet am Sonntag (Anpfiff: 14 Uhr) die nächste Spitzenmannschaft auf den VfR Aalen: Der Tabellenfünfte FSV Mainz 05 II kommt in die Ostalb-Arena. Danach geht's gegen den Bahlinger SC (9.), Eintracht Trier (13.) und Wormatia Worms (16.). Das sind alles Mannschaften, die auf Augenhöhe mit dem VfR Aalen sind. Und spätestens da muss die Elf von Tobias Cramer liefern. Sonst steht ein äußerst ungemütlicher Herbst bevor.

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