Ich möchte den VfR Aalen zurück in die 3. Liga führen

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Daniel Bernhardt geht im Sommer in seine 12. Saison mit den Ostälblern. Der Kapitän und Keeper spricht über seine Ziele, falsche Vorstellungen und ein leidiges Thema.

Kurzurlaub statt Auswärtsspiel. Karlsruhe statt Haiger. Daniel Bernhardt (35) hat sein freies Wochenende für einen Heimatbesuch genutzt. Und er hat im Interview deutliche Worte gefunden: "Wir müssen mannschaftlicher denken", sagt der Kapitän des VfR Aalen.

Herr Bernhardt, Ihr Vertrag hat sich um ein Jahr verlängert. Das heißt auch: ein weiteres Jahr Regionalliga.

Bernhardt: Ich hätte so einen Vertrag nicht gemacht, wenn ich mich hier nicht hundertprozentig wohl fühlen würde.

Was genau schätzen Sie als gebürtiger Badener an Aalen?

Ich habe hier ein Haus gebaut, meine Kinder sind hier geboren. Es gab keinen Grund, eine neue Herausforderung zu suchen. Mein Ziel ist es, den VfR Aalen zurück in die 3. Liga zu führen. Ich war Teil des Abstiegs, und jetzt möchte ich meinen Teil dazu beitragen dass wir wieder hoch kommen.

Sie hätten vor einem Jahr die Chance gehabt, zu Jahn Regensburg in die 2. Bundesliga zu wechseln.

Ich habe schon öfter Angebote ausgeschlagen, in diesem Fall ist es an der Ablöse gescheitert.

Haben Sie es dem VfR Aalen nie übel genommen, dass Ihnen diese Chance verbaut wurde?

Das entspricht nicht meinem Naturell. Ich hatte ein offenes Gespräch mit Trainer Roland Seitz und dem Verein, sie haben mir ihre Sicht dargelegt. Klar wäre es schön gewesen in die 2. Liga zu wechseln, aber die Ablöse hat nicht gepasst.

Der VfR Aalen tritt tabellarisch auf der Stelle und kann sich nicht von den Abstiegsrängen distanzieren.

Mit den Spielen gegen Pirmasens (1:1), Mainz II (1:2) und Balingen (0:2) haben wir uns keinen Gefallen getan. Mit Siegen hätten wir uns Luft im Abstiegskampf verschafft. So weiß jeder, dass wir bei ein, zwei weiteren Niederlagen unten reinrutschen. Wir brauchen die 50 Punkte, erst dann kehrt Ruhe ein.

Ist der VfR Aalen nicht viel zu gut besetzt, um überhaupt in Abstiegsgefahr zu geraten?

Nein, wir stehen zurecht da. Jeder weiß, dass der Verein jeden Cent umdrehen muss. Wir haben seit eineinhalb Jahren diese ständigen Hochs und Tiefs. Da muss sich jeder hinterfragen, warum wir eine Woche so gut und in der nächsten wieder nicht so gut sind.

Was denken Sie, woran das liegt?

Wir müssen mannschaftlicher denken. Sehen Sie, wir haben Spieler mit Einjahresverträgen. Einige meinen, sie müssen für sich gut aussehen, dadurch sieht am Ende die ganze Mannschaft schlecht aus. Diese Jungs haben alle Träume, sie wollen in die 3. Liga. Aber dazu müssen sie erst einmal jede Woche konstante Leistungen bringen.

Das hat mit der Realität nichts zu tun.

Daniel Bernhardt Kapitän des VfR Aalen

Spielt das Team am Maximum?

Wie gesagt, uns fehlt dazu die Konstanz. Die Jungs müssen lernen, dass es nicht unter der Woche zählt, sondern sie dann ihre Leistung abrufen müssen, wenn der Schiedsrichter in die Pfeife bläst. Dann müssen die Egoismen hinten angestellt werden, dann muss jeder funktionieren – fürs Team.

Ex-Trainer Rainer Scharinger hat gesagt, dass die Mannschaft das Potenzial für Platz 3 bis 8 habe.

Das hat mich geärgert. Da wird von außen etwas verkauft, das nicht stimmt. Man darf eines nicht vergessen: Die ersten fünf Mannschaften haben einen Etat von 2,5 bis 3 Millionen Euro. Dann kommen die U23-Mannschaften, bei denen das Geld auch keine Rolle spielt. Damit sind die ersten 9, 10 Plätze schon vergeben. Rainer Scharinger hat das sicherlich nett gemeint, aber es hat mit der Realität nichts zu tun. Unser Etat beträgt knapp 1 Million, ich wäre deshalb mit einem Platz um 10 zufrieden.

Sie haben zum Ende der Winter-Transferperiode lautstark offensive Neuzugänge gefordert. Sind Sie mit Steffen Kienle und Mohamed Morabet zufrieden?

Wenn niemand gekommen wäre, hätte ich Bedenken gehabt. Man darf nicht vergessen, dass uns Toni Vastic seit einem Jahr verletzungsbedingt fehlt. Und er war als Stammspieler eingeplant. Steffen Kienle ist ein Mentalitätsspieler, er gibt immer alles. Allerdings können die Neuen nur funktionieren, wenn sie von den anderen in Szene gesetzt werden.

Dijon Ramaj ist auch ein potenzieller Stammspieler, wird aber seit Wochen kaum berücksichtigt.

Das ist die Entscheidung des Trainerteams. Wobei Dijon weiß, dass er die Coronazeit nicht gut überstanden hat. Es ist keine Frage, dass er auf der Außenbahn uns gut tun würde, wenn er die entsprechende Einstellung auf den Platz bringt und Vollgas gibt. Ich weiß aber nicht, woran es liegt, dass er mit dem Kopf nicht bei der Sache ist.

Der Ligakonkurrent Kickers Offenbach hat von der Stadt eine erhebliche Corona-Finanzspritze erhalten. Fehlt Ihnen hier eine solche Unterstützung?

Ach, das ist ein leidiges Thema. Natürlich würde ich mir das hier auch wünschen. In Aalen kann man immer noch nicht die Vergangenheit ruhen lassen. Viele verstehen nicht, dass der VfR das Aushängeschild der Stadt ist. Viele haben heute noch falsche Vorstellungen. Zu Saisonbeginn wurden wir zu unrecht kritisiert. So etwas belastet die Mannschaft, und niemand sieht, dass wir auf Prämien und Grundgehälter verzichtet haben. Dass wir unseren Teammanager Bastian Noth verloren und auch keinen hauptamtlichen Physiotherapeuten mehr haben.

Sie sind jetzt 35 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch spielen?

Ich habe immer noch viel Spaß und fühle mich körperlich sehr gut. Solange das so bleibt, will ich kicken. Und die jungen Spieler motivieren – indem sie sehen, dass der "alte Mann" immer noch Gas gibt.

Und was wünschen Sie sich fürs Jubiläumsjahr 2021?

Zuerst einmal beglückwünsche ich den Verein zum 100-jährigen Bestehen. Dann wünsche ich mir, dass diese Arbeit von der Bevölkerung anerkannt wird, dass die Leute ins Stadion kommen und die Wirtschaftskraft in Aalen mehr eingebracht wird.

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