Insolvent! VfR Aalen zieht Notbremse

+
Leere Ränge in der Ostalb-Arena: Der enorme Zuschauerrückgang trifft den VfR Aalen finanziell erheblich - und ist mit ein Grund, weshalb der Verein erneut in die Insolvenz gehen muss.
  • schließen

Hiobsbotschaft abseits des Platzes: Der Verein ist erneut zahlungsunfähig und stellt beim Amtsgericht Aalen Insolvenzantrag. Spielbetrieb soll mit neun Punkten Abzug weitergehen.

Aalen

Es ist ein Schock für die Fußballfans auf der Ostalb: Der VfR Aalen ist erneut insolvent. Am Mittwoch hat der Verein einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht gestellt. Die Präsidiumsmitglieder Michael Weißkopf und Walter Höffner waren für eine weitere Stellungnahme nicht zu erreichen, auch Geschäftsführer Giuseppe Lepore nicht. Als Grund werden Corona, der Ukrainekrieg und die Energiekrise genannt.

Die große Frage, die bislang unbeantwortet ist: Wie geht's jetzt weiter? Sportlich will der VfR Aalen den Spielbetrieb in der Regionalliga planmäßig fortsetzen. Die Profis wurden von den Verantwortlichen entsprechend informiert. Mit den zu erwartenden neun Punkten Abzug würde die Elf von Trainer Tobias Cramer allerdings auf den letzten Tabellenplatz abstürzen. Ob die Spielergehälter pünktlich bezahlt werden können, ist nicht bekannt.

Wie aber konnte es erneut soweit kommen? Die Präsidiumsmitglieder Charlotte Helzle, Michael Weißkopf und Walter Höffner erklären in der Pressemitteilung, die am Mittwoch kurz nach 17 Uhr an die Öffentlichkeit ging, dass der Verein bei der Planung Anfang 2022 gehofft habe, „dass die Effekte von Corona auslaufen und somit eine Rückkehr zum normalen Geschäft mit Einnahmen auf 'Vor-Corona-Niveau' möglich ist“. Diese seien für den Profifußball nötig. Aber: „Die Entwicklung im Zuge von Ukrainekrieg, Energieverteuerung und Inflation hat leider gegen uns gearbeitet“, schreiben die drei Präsidiumsmitglieder. Die Zuschauerzahlen seien von einst rund 2300 Besuchern auf durchschnittlich 1200 gesunken. Diese fix einkalkulierten Einnahmen fehlen dem VfR Aalen.

Damit nicht genug: Auch das Sponsorenaufkommen habe sich während Corona „stark verringert“. „Wir haben umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um neue Partner zu gewinnen. Dabei mussten wir jedoch erfahren, dass auch mögliche neue Unterstützer aus wirtschaftlichen Erwägungen extrem zurückhaltend reagieren.“ Angesichts dieser sinkenden Einnahmen seien die Ausgaben innerhalb des Vereins aufs „unbedingt Notwendige“ reduziert worden.

Als dritten Punkt nennen die Verantwortlichen die Altlasten aus der Insolvenz vor fünf Jahren. Auch diese hätten zu dem jetzigen Schritt geführt.

Die „Zahlen des Grauens“

„In der Regionalliga war es unter den äußeren Umständen der letzten drei Jahre nicht möglich, neben den laufenden Kosten auch noch einen mittleren sechsstelligen Betrag auszugleichen.“

Schon bei der Hauptversammlung im März sagte Helzle: „Sie bekommen von mir die Zahlen des Grauens serviert!“ Damit meinte das Präsidiumsmitglied konkret die Summe des negativen Eigenkapitals des Vereins zum Geschäftsjahr 2019/2020 mit -833 507,98 Euro. Doch die Zahlen des darauffolgenden Geschäftsjahres sorgten für noch mehr Schrecken: So wurde zum 30. Juni 2021 ein Betrag in Höhe von -1 159 692,99 Euro seitens des Vereins erwirtschaftet. „Die Zahlen sind wie sie sind“, sagte Helzle damals. Allerdings: Damals strahlte Michael Weißkopf dennoch Zuversicht aus: „Wir wollen nicht jammern. Ziel ist, Schritt für Schritt wieder nach oben zu kommen.“ Und er prognostizierte, dass man in „drei bis vier Jahren wieder oben angreifen kann“. Sieben Monate später klingt plötzlich alles anders: „Für einen Verein in der Regionalliga wird eine wesentlich größere Basis an Unterstützung benötigt. Wir haben viele mögliche Firmen und Personen dazu angesprochen und Verbesserungen erreicht, deren Umfang jedoch den Bedarf nicht abdeckt.“

VfR in ruhiges Fahrwasser führen

Das Trio zeigt sich trotz allem kämpferisch: „Wir sind nach wie vor fest überzeugt, dass es für den VfR einen Platz in der Region gibt und er eine wichtige Funktion für unseren Standort erfüllen kann.“ Die Jugendarbeit leiste dabei „unschätzbare Dienste für die Jugendförderung“ Und: Charlotte Helzle, Michael Weißkopf und Walter Höffner versichern, dass sie „gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter alles versuchen werden, einen Insolvenzplan auszuarbeiten, umzusetzen und den VfR Aalen in ein finanziell und sportlich ruhiges Fahrwasser zu führen“.

Wie das gelingen soll, will das Präsidium an diesem Donnerstag erklären.

Lesen Sie auch:

Kommentar: Der VfR Aalen hat kein Gesicht

Ein Blick zurück: Der VfR Aalen stellt 2017 schon einmal Insolvenzantrag

Für den VfR Aalen ist die Insolvenz nichts Neues. Bereits in der Drittliga-Saison 2016/2017 ist der Verein insolvent gegangen.

Die Schuldenaltlasten und deren Folgewirkungen aus früheren Zeiten sollten damals so geregelt werden. In Summe plagten den Verein vor fünf Jahren ein negatives Eigenkapital von 3,6 Millionen Euro. Neben diesen Schulden in den Büchern des VfR Aalen war eine Haupteinnahmequelle des VfR Aalen – die Rechte am Stadionnamen – an deren Tilgung gebunden und standen dem Verein nicht zur Verfügung.

Hinzu kamen eine Steuerrückzahlung im mittleren sechsstelligen Bereich, die aus der Zeit von 2008 bis 2012 herrührte. „Diese drohende Steuerrückzahlung bringt das Fass zum Überlaufen“, sagte damals Roland Vogt, Sprecher des Präsidiums. Letztlich könne sich der VfR Aalen aus eigener Kraft aus dieser Schuldenlast nicht mehr befreien. Mit der Planinsolvenz hat sich der VfR nicht nur von diesen Altlasten befreit, sondern sich auch die Namensrechte am Stadion zurückgeholt.

Sportlich bekamen die Ostälbler 2017 die Höchststrafe aufgebrummt: neun Punkte Abzug im laufenden Spielbetrieb. Der Verein ging mehrfach in Berufung, blitzte aber jedesmal ab.

Immerhin: Die Fußballer gaben die Antwort auf dem Platz und schafften trotzdem den Klassenerhalt - als Tabellenelfter. Auch abseits des Platz lief alles nach Plan: Das Amtsgericht hat das Insolvenzverfahren zum 1. Juli 2017 aufgehoben. Somit wurde die Plansanierung des VfR Aalen in nur rund vier Monaten abgeschlossen.

VfR Hauptversammlung 2022
VfR Hauptversammlung 2022
Verantwortliche des VfR Aalen: Präsidiumsmitglied Michael Weißkopf (links) und Geschäftsführer Giuseppe Lepore.

Zurück zur Übersicht: VfR Aalen

Kommentare