0:5-Klatsche stoppt die Siegesserie des VfR Aalen 

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Fans des VfR Aalen zünden Bengalos.
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Schwarzer Tag auf schneebedecktem Rasen: Der VfR Aalen kassiert bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz die höchste Saisonniederlage. Ali Odabas sieht nach einer Notbremse Rot.

Fulda

Polonaise, Jubelgesänge und freie Oberkörper. Die knapp 100 mitgereisten Fans feierten ausgelassen trotz eisiger Kälte. Aber was? Sicher nicht das Geschehen auf dem Platz. Denn der VfR Aalen lieferte die bislang schwächste Saisonleistung ab und kassierte beim Aufsteiger SG Barockstadt Fulda-Lehnerz eine klare 0:5 (0:3)-Niederlage. Kapitän Alessandro Abruscia spricht von „Kollektivversagen“.

Ali Odabas nennt es einen „bodenlosen Untergang“. Sascha Korb „Landesliganiveau - wenn überhaupt“. Und Trainer Tobias Cramer kündigt an, „nicht mehr hier herzufahren“. Schon einst als Trainer von Hessen Kassel kassierte er sechs Gegentreffer, und auch beim erneuten Gastspiel in der Barockstadt geht Cramer mit einem Debakel nach Hause. „Wir sind nach dem 0:1 unruhig geworden, hatten keine klaren Gedanken mehr und dann den Zugriff verloren. Und wenn die Barockstadt einmal Zugriff bekommt, dann kann es schnell gehen, dass man das dritte, vierte und leider auch fünfte Tor bekommt“, ärgert sich der Trainer.

Ärgerlich ist das vor allem, wenn man die erste zehn Minuten der Partie sieht. Die nämlich gehörten bei eisiger Kälte und auf dem schneebedeckten Rasen ganz klar den Aalenern, die mit dem Selbstvertrauen von drei Siegen in Folge stark begannen und das Spiel an sich rissen. Umso unverständlicher ist dann das, was in den verbleibenden 80 Minuten passiert ist. Statt wie von Cramer angeordnet lange, klare Bälle zu spielen, begannen die VfR-Profis fußballerisch zu glänzen. Und das ging auf dem tiefen Untergrund mächtig schief. Nachdem Kevin Hillmann die erste Großchance vergab (11.), ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Oder: Es folgte die Moritz-Reinhard-Show:⋌24. Minute: Marius Löbig setzt sich auf der rechten Außenbahn durch, den Pass muss Reinhard nur über die Linie drücken - 1:0.⋌30. Minute: Löbig lässt Eduard Heckmann und Ali Odabas schlecht aussehen, Reinhard steht erneut im Zentrum frei - 2:0.⋌40. Minute: VfR-Keeper Michel Witte lässt einen 16-Meter-Schuss von Jan Lüdke abklatschen, der Rest ist bekannt: Löbig vernascht Heckmann, und in der Mitte steht - wer wohl - Reinhard völlig frei - 3:0.

Als ob der VfR Aalen nicht genug bestraft wäre, leistete sich Leon Volz einen folgenschweren Fehlpass, Reinhard nimmt Tempo auf, und Odabas kommt als letzter Mann einen Tick zu spät. Logische Konsequenz: Rote Karte für den VfR-Innenverteidiger (42.). Cramer reagierte in der Pause, brachte mit Mehmet Bagci einen neuen Abwehrspieler, an der Dominanz der SG Barockstadt änderte das wenig.

Im zweiten Durchgang waren gerade einmal sieben Minuten gespielt, als der Drei-Tore-Vorbereiter Löbig selbst zuschlug und das 4:0 erzielte (52.). Auch wenn sie die Aalener im gesamten zweiten Durchgang keine einzige klare Möglichkeit erspielten, muss man ihnen eines zugute halten: Sie haben sich nie aufgegeben und bis zum Schluss gekämpft. Was aber nichts daran änderte, dass der Aufsteiger klar spielbestimmend blieb. Keeper Witte parierte zunächst gegen Lüdke (65.), dann gegen Kevin Hillmann, wobei der den Nachschuss zum 5:0 über die Linie drückte (81.). Das 6:0 durch Jonas Pfalz wurde wegen Abseits aberkannt (88.).

Im letzten Spiel des Jahres muss der VfR Aalen ausgerechnet zum Angstgegner TSG Balingen. „Vielleicht muss das noch mehr Ansporn sein“, sagt Alessandro Abruscia. Der Frust nach der 0:5-Klatsche in Fulda dürfte jedenfalls groß genug sein.

Spielstenogramm: 

Aalen: Witte - Volz, Schmidt, Odabas, Heckmann - Korb - Wächter (65: Just), Abruscia, Cesen (46. Bagci) - Maiella (81. Schaupp), Seitz (46. Arcalean)

Fulda: Zapico Lopez - Gaudermann, Grösch (88. Ziga), Frey, Hillmann (85. Garic) - Schaaf, Tavares, Pomnitz - Löbig (88. Fabinski), Reinhard (85. Rummel), Lüdke (75. Pfalz)

Tore: 1:0 Reinhard (24.), 2:0 Reinhard (30.), 3:0 Reinhard (40.), 4:0 Löbig (52.), 5:0 Hillmann (81.)

Gelbe Karten: Grösch - Cesen, Korb, Just

Rote Karte: Odabas (42./ Notbremse)

Schiedsrichter: Lukas Heim

Zuschauer: 1165

Stimmen zum Spiel: „Das war nicht der VfR Aalen“

Alessandro Abruscia, VfR-Kapitän: „Mir fällt es schwer, die richtigen Worte zu finden. Letztendlich war es ein Kollektivversagen von allen. Die Einzigen, die ihre Leistung gebracht haben, waren die Fans. Alles andere war unterirdisch. Wir waren in den ersten zehn Minuten gut drin, was dann passiert ist ... ohne Worte. Jetzt müssen wir Charakter zeigen, in Balingen müssen wir ein anderes Gesicht zeigen. Das war nicht der VfR Aalen.“

Sedat Gören, SG-Trainer: „Wir hatten 10, 15 Minuten Probleme, Aalen war griffiger. Dann machen wir das 1:0, und das 2:0 hat uns dann Sicherheit gegeben. In der zweiten Halbzeit haben wir das souverän runtergefahren.“

Sascha Korb, VfR-Mittelfeldspieler: „Wir sind gut ins Spiel gekommen, und dann muss man ganz klar sagen, dass unsere Umschaltbewegung in die Defensive Landesliganiveau war - wenn überhaupt. Klar war es schwer auf dem schneebedeckten Platz, aber der Gegner hat auch darauf gespielt, er hat mutig gespielt und ist in die Zweikämpfe gekommen. Genau das hat bei uns heute gefehlt.“⋌alex

Nach dem 0:5 des VfR Aalen in Fulda: Pressekonferenz mit Tobias Cramer (rechts) und Sedat Gören (links).
Platz in Fulda: teils geschippt, teils nicht.
Am Freitag wurde erst entschieden, ob das Spiel auf dem schneebedeckten Rasen stattfindet.
Marius Grösch im Zweikampf mit Paolo Maiella.
Hatte jede Menge Arbeit: VfR-Keeper Michel Witte.
Der VfR Aalen hat das Auswärtsspiel bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz mit 0:5 verloren.
Ali Odabas sieht Rot.
Jonas Arcalean jagt dem Ball hinterher.
Fanblock des VfR Aalen.
Tobias Cramer

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