Langer Stau und erneute Pleite: VfR Aalen vergrault seine Fans auf und abseits des Platzes

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Obwohl seine Zukunft ab Sommer ungewiss ist: Der verletzte Keeper Daniel Bernhardt setzt sich nach der neuerlichen Pleite für seinen VfR Aalen ein und stellt sich den wütenden Fans.
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Beim VfR Aalen schrillen die Alarmglocken: Nach der neuerlichen Pleite ist die Abstiegsangst größer denn je. Auch am Spielfeldrand gibt der Verein kein gutes Bild ab.

Aalen

Sportlich ist der VfR Aalen an einem neuen Tiefpunkt angelangt. Nach der 1:2-Niederlage gegen den VfB Stuttgart II trennen die Ostälbler nur noch zwei Punkte vom ersten Abstiegsplatz. Nicht weniger ärgerlich: Die gut gemeinte Freikartenaktion sorgt im Nachhinein für massive Kritik: weil die Verpflegung schlecht organisiert war und Hunderte Kinder nach dem Schlusspfiff auf den Platz stürmen konnten.

Das Spiel war noch nicht einmal abgepfiffen, da ging die Kritik in den Sozialen Medien bereits los: „1000 Freikarten, aber wie immer nur eine Essensbude mit zwei Kassierern. Mega Stau.“ Einer der eingeladenen Betreuer klagt: „In der Halbzeit sind die Würste ausgegangen, die hätten heute viel Geld verdienen können.“ Wartezeiten von über einer halben Stunde mussten die hungrigen Zuschauer an der Würstchenbude einplanen. Angeblich soll der Sicherheitsdienst die wenigen Gästefans  sogar mit Bier versorgt haben.

Damit nicht genug: Nach dem Schlusspfiff stürmten Hunderte Kinder und Jugendliche den Platz, um Autogramme zu sammeln und Selfies mit den namhaften VfB-Spielern zu machen. „Verstehe das nicht, nächste Woche fallen beide Mannschaften wegen Corona aus“, schreibt VfR-Fan Tobias Stürmer auf Facebook. Immerhin: Die Stuttgarter um ihre Bundesligaprofis Daniel Didavi und Roberto Massimo nahmen sich viel Zeit für die Zuschauer - was vermutlich auch am Ergebnis lag.

Das war an diesem Freitagabend von allem das Schlimmste für den VfR Aalen. Das 1:2 gegen den direkten Konkurrenten war bereits das achte sieglose Spiel in Folge. Zuletzt siegten die Ostälbler am 27. November mit 4:3 gegen den damaligen Tabellenführer FSV Mainz 05 II und rangierten auf Tabellenplatz acht.

Auch Daniel Bernhardt greift ein

Dieser Glanz ist längst Vergangenheit. Inzwischen sind die Schwarz-Weißen Tabellen-13. und schweben akut in Abstiegsgefahr. Und: Mit der Geduld der Fans ist es jetzt auch vorbei. Minutenlang diskutierten die VfR-Profis nach dem Abpfiff mit den Eingefleischten, die der Mannschaft schwere Vorwürfe machten. Selbst der verletzte Ex-Kapitän Daniel Bernhardt - die letzte Vereinsikone im Team und ab Sommer mit ungewisser VfR-Zukunft - ging an den Zaun und stellte sich schützend vor seine jungen Kollegen. „Ich kann den Frust und Ärger der Fans verstehen“, sagt Bernhardt. Und Trainer Christian Demirtas fügt hinzu: „Nach der Niederlage in Großaspach haben sie uns gefeiert, jetzt wollten sie ihren Ärger los werden.“ Nur eines hat weder Demirtas noch Kapitän Alessandro Abruscia gefallen: dass der Mannschaft fehlende Leidenschaft vorgeworfen wurde. „Von der Einstellung und Laufbereitschaft kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Anders als in Großaspach hat sie diesmal ein tolles Spiel abgeliefert“, sagt der Trainer. Und fügt hinzu: „Sie wurde nur nicht belohnt.“

Genau das hat sich der VfR Aalen selbst zuzuschreiben: dass er erneut leer ausging. Trotz optischer Überlegenheit gegen einen mit Bundesligaspielern bestückten Gegner und trotz weniger klarer Chancen steht unterm Strich die dritte Niederlage in Folge, weil sich die Ostälbler wieder individuelle Fehler erlaubt haben. „Die werden gerade gnadenlos bestraft“, sagt Demirtas. Gegen den VfB waren es wieder einmal die Standardsituationen, die dem VfR zum Verhängnis geworden sind. Zwei Ecken, zwei Gegentore, und zweimal hat Daniel Elfadli gepennt. „Da muss man einfach konsequent verteidigen, aber wir waren zu schläfrig“, sagt der Trainer und kündigt an, dass „wir das knallhart aufarbeiten und klarstellen, dass so etwas nicht passieren darf“.

Ein Versprechen an die Anhänger

Am kommenden Samstag muss der VfR Aalen zum FSV Frankfurt, und der rangiert nach dem 2:0-Sieg in Balingen nur noch einen Platz hinter dem VfR Aalen. „Natürlich ist das ein Schlüsselspiel“, sagt Demirtas klipp und klar. „Entweder wir können uns absetzen oder wir stecken vollends komplett hinten drin.“ Was der Trainer auch weiß: dass danach mit dem FC 08 Homburg (6.), der SV Elversberg (1.), den Offenbacher Kickers (2.) und dem SSV Ulm 1846 (4.) vier Spitzenmannschaften auf die Ostälbler warten. Der Trainer ist bemüht, einen klaren Kopf zu bewahren. „Wir dürfen uns jetzt nicht verrückt machen, denn wir haben es selbst in der Hand.“ Und dann gibt's noch eine klare Botschaft an die enttäuschten Fans: „Ich verspreche, dass wir alles dafür tun, dass wir die Klasse halten. Und ich bin überzeugt, dass wir das schaffen!“

Und was sagt Giuseppe Lepore? Der Geschäftsführer wollte nach dem Spiel „erst eine Nacht drüber schlafen“. Bislang war er nicht zu erreichen.

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