Langes Zittern trotz klarer Dominanz

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Der erlösende Moment im Flutlichtspiel: Daniel Stanese jubelt, nachdem er das Tor zum entscheidenden 1:0 erzielt hat. Der VfR Aalen sicherte sich damit einen knappen Erfolg gegen den Tabellenvorletzten FC Gießen mit dem Ex-Aalener Kamil Tyminski (2. von rechts).
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Die Erleichterung ist groß: Der VfR Aalen gewinnt gegen den FC Gießen hochverdient mit 1:0 (1:0), muss aber bis zum Schluss bangen, weil beste Chancen nicht genutzt werden.

Als nach 94 Minuten der Schlusspfiff ertönte, hielt auch Stadionsprecher Michael "Flex" Flechsler seine Emotionen nicht mehr zurück: "Puh! Steig mir in die Tasch' ...", stöhnte er ins Mikrofon. Trotz klarer Dominanz und allerbester Chancen rettete der VfR Aalen gerade noch einen 1:0 (1:0)-Zittersieg über die Zeit. "Mit Glück und Geschick", wie hinterher auch Trainer Roland Seitz sagte.

Es lief die 88. Minute, als der eingewechselte Marcel Mansfeld im Strafraum hochstieg und den Ball mit Wucht an die Latte köpfte. Nicht auszudenken, was in der Ostalb-Arena los gewesen wäre, wenn dem Gießener das 1:1 gelungen wäre. So aber erfüllte der VfR Aalen seine Pflicht gegen den Tabellenvorletzten und kletterte in der Tabelle hoch vom 17. auf den 12. Platz. "Auch wenn man erstmal die letzten 10, 15 Minuten im Kopf hat, bin ich insgesamt sehr zufrieden", sagte Roland Seitz. Wohl wissend, dass seine Elf die Partie unnötig spannend gemacht hat – und am Ende beinahe bestraft wurde.

Zufrieden durfte der Trainer vor allem deshalb sein, weil die deutlichen Worte nach der 1:6-Klatsche gefruchtet haben. Zumindest was den Einsatz und das Engagement angingen. Denn da konnte dem VfR Aalen im Flutlichtspiel am Dienstagabend niemand einen Vorwurf machen. Was allerdings völlig fehlte: die Entschlossenheit und Effektivität vor dem gegnerischen Tor. Denn die Ostälbler verballerten eine Großchance nach der anderen, und so wurde ein eigentlich einseitiges Spiel unnötig zur Zitterpartie.

Die Ostälbler diktierten von Anfang an das Geschehen. Was freilich auch am Gegner lag. Denn dem FC Gießen, bei dem der Ex-Aalener Kamil Tyminski im zentralen Mittelfeld agierte, fehlten schlicht die fußballerischen Mittel, um den Ostälblern auf Augenhöhe zu begegnen. Und so kontrollierte die Seitz-Elf nicht nur die Partie, sondern erspielte sich nach verhaltenem Beginn auch zunehmend Chancen. Die Aalener versuchten es immer wieder über die rechte Seite. Dort durfte nach langer Zeit wieder Dijon Ramaj ran. Der viel gescholtene Angreifer scheint nach und nach zu alter Schnelligkeit zurückzufinden. Ein Vorstoß über Ramaj brachte auch die erste Großchance ein, die Jordan Brown in der Mitte nicht verwertete (16.).

Daniel Stanese trifft zum 1:0

Ich bin insgesamt sehr zufrieden.

Roland Seitz Trainer des VfR Aalen

Der längst fällige Führungstreffer fiel dann aber über links: Kevin Hoffmann setzte sich glänzend durch, seinen Rückpass musste Stanese nur noch einschieben – 1:0 (24.). Es folgten Chancen im Minutentakt. Der umtriebige Brown wurde aus kürzester Distanz geblockt (26.), Hoffmann scheiterte aus spitzem Winkel freistehend an Keeper Frederic Löhe (28.), und erneut Hoffmann blieb stehen, als Sascha Heil als letztem Mann ein grober Fehler unterlief (31.). Die größte Möglichkeit vergab Jordan Brown. Der Mittelstürmer lief alleine auf Löhe zu – und blieb am Keeper hängen. Einziges Manko nach 45 Minuten aus Aalener Sicht: die Chancenverwertung.

Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete: mit einem dominanten VfR Aalen. Goson Sakai (52.) und Ramaj (54./59.) ließen die ersten Möglichkeiten aus, ehe Alessandro Abruscia die nächste Großchance versiebte, weil er freistehend zögerte (65.). Ein Tor machen müssen hätte auch Tim Grupp, doch auch er zeigte allein vor Löhe Nerven (68.). Es folgten weitere Fehlschüsse von Hoffmann (69.) und Ramaj (83.), ehe Gießen zum Schlussspurt ansetzte. Zuerst parierte Keeper Daniel Bernhardt den 20-Meter-Schuss von Mansfeld, ehe derselbe Spieler besagten Kopfball wenige Zentimeter zu hoch platzierte.

Dann war Schluss in der Ostalb-Arena. Und der VfR Aalen hatte die dringend nötigen drei Punkte auf seinem Konto. Nach dem Wie fragt hinterher niemand mehr.

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