Markus Thiele vor dem Derby: „Der VfR Aalen ist eine Wundertüte“

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Es läuft: Der SSV Ulm 1846 ist seit 11 Spielen ungeschlagen. Trotzdem warnt Geschäftsführer Markus Thiele vor dem kommenden Gegner VfR Aalen, den er bestens kennt.
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Vor dem Duell gegen seinen Ex-Verein: Geschäftsführer Markus Thiele vom SSV Ulm 1846 spricht über das Derby, den Titelkampf und einen der besten Neuzugänge.

Ulm

Der SSV Ulm 1846 lässt sich derzeit von niemand stoppen. Elf Spiele in Folge ist der Titelaspirant ungeschlagen, und auch der VfR Aalen soll am Samstag nicht zum Stolperstein werden. „Wir wären enttäuscht, wenn es am Ende nicht reicht“, sagt Geschäftsführer Markus Thiele vor dem Spiel gegen den Verein, der ihn einst in den Profifußball gebracht hat.

Herr Thiele, wissen Sie, was am 12. Dezember 2021 war?

Thiele: Was genau meinen Sie?

An diesem Tag hat der SSV Ulm 1846 zuletzt verloren.

Stimmt. Mit 0:1 bei der SV Elversberg.

Die beeindruckende Bilanz seitdem: 11 Spiele ungeschlagen und zuletzt 6 Siege in Folge ...

... und sieben Mal zu Null.

Woher kommt plötzlich diese Konstanz?

Wir haben ja schon in der Vorrunde fünf Spiele in Folge gewonnen. Aber es stimmt schon, jetzt sind wir noch stabiler.

Wie erklären Sie sich das?

Ein entscheidender Baustein ist, dass wir in der Wintervorbereitung Zeit hatten, inhaltlich auf dem Platz zu arbeiten. Im Sommer hatten wir einen neuen Trainer, neue Spieler, viele Pokalspiele - da blieb kaum Zeit, in Ruhe zu arbeiten.

Sie sagten im Herbst, dass der Aufstieg kein Muss ist. Hat sich die Zielsetzung geändert?

Nein, es bleibt dabei: Wir wollen, müssen aber nicht.

Aber die Enttäuschung wäre groß, wenn's nicht reicht, oder?

Klar, wir haben uns als Tabellenzweiter in eine Position gebracht, in der wir sagen können, dass wir jetzt definitiv zu den Kandidaten dazugehören. Dementsprechend wäre natürlich eine Enttäuschung da, wenn's am Ende nicht reichen sollte. Aber ...

Ja?

... es würde nichts an unserem Weg ändern. Wir haben einen Drei-Jahresplan. Ich bin nach einem Jahr dazugekommen. Wir wollen spätestens im Sommer 2023 in der 3. Liga sein. Wobei auch das nicht planbar ist. Elversberg, Offenbach und Homburg haben auch künftig einen höheren Etat als wir. Wir müssen uns trotzdem so weiterentwickeln, dass wir angreifen können.

Sehen Sie bei Ihrer Mannschaft noch Defizite?

Nein. Wir sind von der Truppe absolut überzeugt, auch durch unsere Transfertätigkeit im Winter, als wir Simon Klostermann verpflichtet haben. Wir können mit diesem Team unsere Ziele erreichen.

Auf diesem Weg sollte der VfR Aalen am Karsamstag kein Stolperstein sein.

Wir sind nicht so arrogant und sagen, dass wir diese Mannschaft einfach so schlagen. Der VfR Aalen ist eine Wundertüte. Wenn wir da nur ein bisschen nachlassen, wird es schwer, gegen den VfR zu gewinnen.

Haben Sie die Befürchtung, dass Ihre Mannschaft nach der beeindruckenden Serie gegen einen Außenseiter wie Aalen einen Tick nachlässt?

Nein. Diese Mannschaft ist charakterlich so stark. Das habe ich zuvor selten erlebt. Ich vergleiche sie immer mit der des VfR Aalen, die damals die Insolvenz durchgezogen und die Liga gehalten hat.

Was zeichnet den VfR heute aus?

Aalen tritt als Mannschaft sehr geschlossen auf. Hinzu kommt, dass gerade die jungen Spieler alles reinhauen, um sich im Profifußball zu etablieren. Und das machen sie wirklich sehr gut.

Wie haben Sie den Trainerwechsel beim VfR Aalen miterlebt?

In den Medien wurden genügend Gründe genannt, die diesen Schritt nachvollziehbar machen. Eines muss man aber auch sagen: Die Mannschaft ist Trainer Uwe Wolf gefolgt, er hat die sportlichen Ziele erreicht und war mit dem VfR auf dem richtigen Weg. Deshalb habe ich großen Respekt vor den Verantwortlichen: So eine Entscheidung zu treffen ist sicherlich nicht einfach.

Wie sehen Sie die Entwicklung unter Wolf-Nachfolger Christian Demirtas?

Christian habe ich als guten, fachlich starken Co-Trainer erlebt. Er tut dem VfR Aalen gut.

Wie erleben Sie als ehemaliger VfR-Geschäftsführer das Derby?

Natürlich verfolge ich das Geschehen beim VfR Aalen immer noch intensiv mit, und ohne den VfR hätte ich es nicht in den Profifußball geschafft. Aber ich bin auch schon seit 2017 weg, und deshalb ist die emotionale Bindung nicht mehr so da.

Einen anderen Ex-Aalener haben Sie nach Ulm geholt: Teammanager Bastian Noth.

Ja, weil er weiß, wie ich ticke. Weil er weiß, wie Fußball funktioniert. Unser Spieler Tobias Rühle sagte kürzlich, dass Bastian Noth einer unserer wichtigsten Neuzugänge ist. Damit ist alles über Bastian gesagt.

Halten Sie es für realistisch, dass den SSV Ulm 1846 und den VfR Aalen in der kommenden Saison zwei Ligen trennen?

Zwei? Da müsste schon viel passieren. Mir reicht eine Liga, und zwar zwischen der 3. Liga und Regionalliga. Ich glaube auch, dass der VfR Aalen den Klassenerhalt schaffen wird.

Info: Der SSV Ulm 1846 und der VfR Aalen stehen sich am Karsamstag gegenüber. Anpfiff im Donaustadion: 14 Uhr. Die Ulmer erwarten 3000 bis 4000 Zuschauer. Bisherige Bilanz aus Aalener Sicht in vier Regionalligaduellen: ein Sieg, ein Unentschieden, zwei Niederlagen. Das Hinspiel endete 1:2.

Wir wollen, müssen aber nicht ...“

Markus Thiele, Geschäftsführer des SSV Ulm 1846

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