Nach der Insolvenz: Wo ist die Aufbruchstimmung beim VfR Aalen?

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Kurz nach der Insolvenz 2017: Geschäftsführer Markus Thiele (links) mit Mannschaftsarzt Andreas Heintzen und Trainer Peter Vollmann (rechts).
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Ex-Geschäftsführer Markus Thiele und Ex-Kapitän Daniel Bernhardt haben 2017 die Insolvenz beim VfR Aalen miterlebt. Die beiden sprechen über die erneute Zahlungsunfähigkeit ihres Ex-Vereins.

Aalen.

Sie waren einst die Aushängeschilder des VfR Aalen, die Gesichter des Vereins: Ex-Geschäftsführer Markus Thiele und Ex-Kapitän Daniel Bernhardt. Thiele ist heute beim SSV Ulm 1846, Bernhardt bei den Würzburger Kickers. Beide hat die Nachricht über die erneute Insolvenz ihres langjährigen Vereins völlig überrascht. Und auch ein Stück weit geschockt.

„Ich war ehrlich gesagt entsetzt. Ja, sogar geschockt“, sagt Daniel Bernhardt, der 13 Jahre lang als Torwart und Führungsspieler beim VfR Aalen voranging. Vor allem zu diesem Zeitpunkt habe er nicht mit so etwas gerechnet. „Mir tut das sehr leid für den VfR, ganz besonders für meine ehemaligen Mitspieler.“ Bernhardt hat sich sofort wieder ans Jahr 2017 erinnert, als der Verein im Februar auch insolvent gegangen ist. „Das war eine brutal schwierige Zeit für uns. Wir mussten bereit sein, alles für den Verein zu geben, obwohl niemand wusste, wie es weitergeht.“ Aber: „Wir wussten, dass die Hälfte der Saison vorbei war und wir in der Lage waren, den Klassenerhalt zu schaffen. Das hat als Team zusammengeschweißt.“ In der Tat: In der englischen Woche nach der Planinsolvenz hat der damalige Drittligist alle drei Partien gewonnen und innerhalb von acht Tagen den Neun-Punkte-Abzug wieder reingeholt. Am Ende belegten die Schwarz-Weißen trotz des Punktabzugs den elften Tabellenplatz.

Daran erinnert sich auch Markus Thiele noch genau. „Die Mannschaft hat abgeliefert. Und uns ist es zudem gelungen, während der Insolvenz mit allen Stammspielern die Verträge zu verlängern. Das hat uns alle noch enger zusammengebracht.“ Der 40-Jährige, der gerade auf dem besten Weg ist, den SSV Ulm 1846 in die 3. Liga zu führen, ist „zu weit weg, um die Insolvenzen miteinander zu vergleichen“. Im Jahr 2017 aber sei der Verein gut vorbereitet gewesen auf die Zahlungsunfähigkeit. „Unser Plan war es, die Altlasten aus der 2. Bundesliga abzustoßen.“ Die „Fortführungsprognosen“ des Vereins seien damals sehr gut gewesen. „Mit dem Weg, den VfR Aalen 2021 zurück in die 2. Bundesliga zu führen. Dadurch konnten wir mit unserem Hauptsponsor verlängern, und auch sonst ist es uns in der Insolvenz gelungen, das Sponsorenvolumen sogar zu erhöhen“, sagt Thiele. Und fügt hinzu: „Diese Aufbruchstimmung sehe ich beim VfR Aalen gerade nicht.“

Das Geld ist knapp

Und wie hat der heutige Ulmer Geschäftsführer Markus Thiele die Nachricht von der erneuten am Mittwochnachmittag aufgenommen? „Ich war natürlich total überrascht. Klar wusste man, dass das Geld knapp ist. Das haben ja die Zahlen bei der Mitgliederversammlung gezeigt. Aber ich hätte nie gedacht, dass der Verein in die Insolvenz gehen muss.“

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Spiel eins nach der Insolvenz 2017: Der VfR Aalen mit Keeper Daniel Bernhardt gewinnt das Auswärtsspiel beim Chemnitzer FC mit 1:0. Es folgen in der englischen Wochen zwei weitere Siege - der Neun-Punkt-Abzug wurde innerhalb einer Woche wieder reingeholt.

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