Sascha Korb zur Situation beim VfR Aalen: "Die Insolvenz macht etwas mit einem"

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Stark in der Hinrunde: Mittelfeldspieler Sascha Korb gehört in einem schwierigen Halbjahr zu den Gewinnern beim VfR Aalen. Der 29-Jährige sagt aber auch, dass die Insolvenz „immer im Hinterkopf ist“.
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Der Mittelfeldspieler des Fußball-Regionalligisten nutzt die Winterpause, um den Kopf frei zu bekommen. Dabei spricht über den Abstiegskampf und die ungewisse Zukunft des Vereins.

Aalen

Insolvenz, Neun-Punkte-Abzug und zur Winterpause auf einem Abstiegsplatz: Der VfR Aalen hat ein schwieriges Halbjahr hinter sich, und der Traditionsverein steht vor einer ungewissen Zukunft. Einer ist trotzdem herausgestochen: Sascha Korb. Der Defensivspieler, der in seiner ersten Saison wegen eines Adduktorensehnenabrisses fast ein dreiviertel Jahr ausgefallen ist, geht jetzt als Führungsspieler voran. Im Interview spricht der 29-Jährige über seinen Gesundheitszustand, das fehlende Geld und Urlaub.

Herr Korb, sind Sie über Weihnachten dem nasskalten Wetter in Deutschland entflohen?

Korb: Nein, ich bin nach Hause zu meiner Familie und zu meiner Freundin nach Offenbach gefahren. Ich möchte dort meinen Kopf frei bekommen.

Frei vom Fußball oder der gesamten Situation beim VfR Aalen?

Von allem. Ich habe in Offenbach als junger Spieler schon einmal eine Insolvenz mitgemacht. Das macht etwas mit einem, du kannst von Heute auf Morgen arbeitslos sein. Aber wir haben es als Mannschaft sehr gut aufgefangen, das haben die drei Siege in Folge gezeigt.

Können Sie die Insolvenz als erfahrener Profi besser verarbeiten?

Ganz abschalten kann ich auch jetzt nicht. Das Thema ist immer im Hinterkopf, weil aktuell niemand weiß, wie es weitergeht. Es ist schön, dass am 16. Januar 2023 Trainingsstart ist, und es sieht danach aus, als könnten wir die Rückrunde zu Ende spielen. Aber eine hundertprozentige Sicherheit haben wir nicht.

Sportlich ist die Situation ebenso ungewiss. Machen Sie sich Sorgen um den Klassenerhalt?

Ich muss ja nur auf die Tabelle schauen, da stehen wir aktuell unter dem Strich. Wir hatten uns als Ziel gesetzt, vor der Winterpause die Abstiegsplätze zu verlassen - das haben wir nicht ganz geschafft. Aber 9 Punkte aus den letzten fünf Spielen ist auch nicht schlecht. Wir sind auf Schlagdistanz zum rettenden Ufer.

Genau genommen waren es 9 Punkte aus drei Spielen - und dann folgten zum Schluss ein 0:5 in Fulda und ein 2:4 in Balingen.

Wir wissen natürlich, dass die letzten beiden Spiele gar nicht gingen. Aber ich sage auch ganz klar: Wir haben mehr Qualität als es der Tabellenplatz im Moment aussagt. Ich habe vollstes Vertrauen in dieses Team.

Woran fehlt es der Mannschaft?

Unsere Mannschaft ist sehr jung, sie muss an Reife gewinnen. Wir haben in keinem einzigen Spiel unser volles Potenzial auf den Platz gebracht, wir hätten noch mehr rausholen können.

Gefehlt hat es dem VfR Aalen auch an Personal. Immer wieder sind Leistungsträger ausgefallen, Steffen Kienle und Benjamin Kindsvater haben in der Saison noch kein einziges Spiel gemacht.

Wenn Steffen und Benjamin nach der Winterpause wieder einsteigen, tut uns das gut. Sie sind zwei Persönlichkeiten, die jedem Spieler das gewisse Etwas mit auf den Weg geben können. In der Offensive sind das zwei absolute Hausnummern in der Regionalliga.

Was würden Sie tun, wenn in der Winterpause ein anderer Verein Interesse bekunden würde?

Ich wüsste nicht, dass das so ist. Und ganz ehrlich: Mit so etwas beschäftige ich mich auch nicht.

Haben Sie selbst damit gerechnet, dass sie nach der langen Verletzungspause so zurückkommen?

Nein, ich hätte nie gedacht, dass ich die Hinrunde so durchziehen kann. Und natürlich bin ich sehr zufrieden, wie es bislang läuft.

Fehlt zu Ihrem ganzen Glück nur noch die Kapitänsbinde?

Nein, sicher nicht. Es ist zwar eine Ehre, die Kapitänsbinde des VfR zu tragen, aber Alessandro Abruscia ist unser Kapitän - und er macht es überragend.

Info: Sascha Korb hat in der laufenden Saison 19 der 20 Spiele absolviert, 18 davon über 90 Minuten. Nur in Balingen fehlte der 29-Jährige wegen einer Gelbsperre. Der Vertrag von Korb läuft im Sommer 2023 aus.

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