Schwarz-weißes Herz schlägt weiter

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Einer der kuriosen Momente: Im Heimspiel gegen die SV Elversberg sieht Bastian Noth (links) von Schiedsrichter Timo Wlodarczak die gelbe Karte. "Ich weiß gar nicht mehr, was ich gesagt habe ...", sagt der bisherige Teammanager des VfR Aalen.
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Eines der letzten "Gesichter" des Vereins geht: Nach über elf Jahren verlässt Bastian Noth den VfR Aalen. Der Teammanager spricht über nasse Trikots und eine Nacht im Mannschaftsbus.

Spieler, Trainer, Funktionäre – viele sind gekommen. Und wieder verschwunden. Und nur wenige wurden hinterher vermisst. Bei Bastian Noth wird das anders sein: Der Weggang des Teammanagers hinterlässt eine große Lücke im Verein. "Wer den VfR Aalen kennt, kennt auch Bastian Noth", sagte Präsidiumsmitglied Michael Weißkopf kürzlich. Diese Identifikationsfigur gibt es jetzt nicht mehr.

Für viele Fans ist es unverständlich. Warum Bastian Noth? Wie kann der Verein ausgerechnet sein "Gesicht" ziehen lassen? Es passt zu Noth, dass er selbst seinen Abschied nach über einem Jahrzehnt emotionsloser sieht. Dass er sich auch zum Schluss nicht wichtig nimmt. Der 39-Jährige war immer einer, der hinter den Kulissen gearbeitet hat. "Nein, das Rampenlicht habe ich nie gebraucht. Es ist viel wichtiger, dass im Hintergrund alles läuft", sagt er in all seiner Bescheidenheit.

Dank "Basti" Noth ist es gelaufen. Der gebürtige Aalener war für fast alles rund ums Spiel verantwortlich. Trikots, Bälle, An- und Abreisen, ja, sogar die Sorgen der Profis hat sich der Teammanager angehört. Und Ratschläge gegeben. Über diese Themen will er aber nicht reden.

Bastian Noth ist ein ruhiger Typ. Ein Macher. Er war "Mädchen für alles". Tag und Nacht. Sogar den Mannschaftsbus hat er tausende Kilometer durch Deutschland gesteuert. "Irgendwann hast du die nötige Erfahrung, das macht alles einfacher", sagt er. Wobei der Teammanager Dinge erlebt hat, bei denen all die Routine nicht half. Beispielsweise im Trainingslager in der Türkei, als vor dem Heimflug ein Testspiel bei strömendem Regen stattfand und die Gepäckkisten mit den nassen Trikots eigentlich viel zu schwer fürs Flugzeug waren. "Ich weiß gar nicht, wie viel Liter Wasser wir nach Hause befördert haben ..." Oder das Trainingslager in Spanien, als Noth mit einem Kleinbus die Trainingsutensilien nach La Manga gefahren hat, um Geld für den Transport zu sparen. "Die 2000 Kilometer einfach waren brutal. Das würde ich heute nicht mehr machen ..."

Unvergessen bleibt für ihn die Rückfahrt vom Auswärtsspiel in Emden. Als ob die 2:5-Niederlage unter Weltmeister Jürgen Kohler nicht schlimm genug gewesen wäre, blieb der Bus mitten in der Nacht mit einer defekten Benzinleitung auf der Autobahn stehen. "Die Spieler wurden mit einem Ersatzbus abgeholt, ich musste in Bielefeld bleiben und allein im kaputten Mannschaftsbus schlafen ...", erzählt Noth.

Ja, das schwarz-weiße Teamfahrzeug hat ihm oft unerwartete Erlebnisse beschert. "Bei vielen Auswärtsspielen musste ich den Bus an einen von der Polizei gesicherten Parkplatz bringen, damit gegnerische Fans nichts zerstören können", sagt der 39-Jährige und fügt hinzu: "Es ist aber nie etwas kaputt gegangen."

Sportlich ist in Noths Zeit beim VfR Aalen dagegen viel kaputt gegangen. Schon zu Beginn seiner Karriere im Jahr 2009 ist der VfR völlig unerwartet abgestiegen. Das war aber nicht der schlimmste Absturz für ihn. "Von den drei Abstiegen war der im Jahr 2019 der bitterste. Wir hätten nie absteigen dürfen. Das hat mir extrem weh getan."

Es gab auch andere Zeiten. Zeiten, in denen Basti Noth mit dem der VfR Aalen äußerst erfolgreich war. Bei zwei Aufstiegen (2010, 2012) und einem Pokalsieg (2010) war er dabei. Jeder Titel sei "einmalig" gewesen, wobei "der Aufstieg in die 2. Bundesliga im Jahr 2012 etwas ganz Besonderes war". Besonders deshalb, weil "der VfR genau dort immer hinwollte".

Kein Trainer hat den Zampano rausgehängt ...

Bastian Noth Ex-Teammanager des VfR Aalen

Mit Weltmeister Jürgen Kohler

Von Weltmeister Jürgen Kohler über Rainer Scharinger, Ralph Hasenhüttl, Peter Vollmann und Argirios Giannikis – neun Trainer hat Noth miterlebt. Und welcher war der Beste? Der Teammanager bleibt gewohnt loyal und will keinen nennen, alle seien enorm umgänglich gewesen. "Hier hat keiner den großen Zampano rausgehängt."

Ähnlich war es mit den Profis. "Ich bin mit allen sehr gut ausgekommen." Sein Erfolgsrezept: "Ich habe immer die nötige Distanz gewahrt", sagt Noth und fügt mit einem Lächeln hinzu: "Wenn ich tagsüber acht Stunden mit den Spielern zusammen war, muste ich abends nicht auch noch mit ihnen weggehen ..."

Auch wenn Noth kaum Trikots ehemaliger Spieler daheim hat ("Das muss ich nicht haben"), so ist er trotzdem stolz, welch namhafte Profis einst beim VfR Aalen waren. Kevin Kampl, Benjamin Hübner, Dominick Drexler oder Sebastian Vasiliadis, der den Sprung aus der eigenen Jugend nach oben geschafft hat. "Aber auch Daniel Bernhardt, der dem VfR bis heute treu geblieben ist, verdient höchste Anerkennung."

Der Teammanager sucht jetzt eine neue berufliche Herausforderung – wohin die Reise geht, ist unklar. Er geht aber mit einem weinenden Augen, weil "ich eine tolle Zeit beim VfR hatte". Und deshalb ist für ihn klar, dass er auch künftig seinem Verein die Daumen drücken und möglichst oft zu den Heimspielen kommen wird. "Ich wünsche der Mannschaft und dem Trainerteam alles Gute und viel Erfolg für die neue Saison." Eines ist dem 39-Jährigen dann noch wichtig: "Ich möchte Betreuer Günther Hammer für seine große Mithilfe danke sagen."

Bastian Noth hat den VfR Aalen verlassen. Sein schwarz-weißes Herz schlägt aber weiter.

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