Seit elf Wochen nicht auf dem Platz

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Die Luft ist raus aus der Regionalliga Südwest, die Saison zu Ende. Auch VfR-Keeper und Kapitän Daniel Bernhardt kann nach der Hängepartie der vergangenen Wochen durchatmen und nach vorne blicken.
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VfR Aalens Keeper und Kaptiän Daniel Bernhardt sieht in dem Saisonabbruch die richtige Entscheidung. Die neue Saison startet nicht vor dem 1. September.

Seinen Abschiedsgruß an die Teamkollegen, von denen er weiß, dass sie den Verein verlassen werden, hat Daniel Bernhardt nach Bekanntwerden des Saisonabbruchs in die WhatsApp-Gruppe gestellt. Dass die Runde vorbei ist, "das denke ich, ist die richtige Entscheidung", sagt der Kapitän des Fußball-Regionalligisten VfR Aalen. Verein und Spieler wissen endlich, woran sie sind und können jetzt für die neue Saison planen.

Und dennoch verheimlicht der VfR-Keeper nicht ein komisches Gefühl, das in beschleicht, wenn er an dieses Saisonende denkt. "So etwas hat's ja noch nie gegeben. Dass wir Spieler keinen gemeinsamen Saisonabschluss haben und uns nicht direkt voneinander verabschieden können, das ist schon etwas Seltsames." Und: "Bis jetzt weiß keiner, wann es wieder weitergehen wird."

Wie lange braucht der Körper?

Seit elf Wochen sind fast alle Angestellten des VfR Aalen in Kurzarbeit. Auch der komplette Spielerkader samt Trainer- und Betreuerstab ist davon betroffen. "Wir halten uns seit zehn Wochen selbst fit. Aber Waldläufe und Krafttraining zuhause kann ein richtiges Training auf dem Platz nicht ersetzen", weiß der langjährige Profikeeper. Und versucht, gleich einmal voraus zu denken. "Wenn wir vielleicht mitte Juli wieder anfangen können mit dem Mannschaftstraining, dann sind wir 17 Wochen weg vom Fußball. Das ist schon eine verdammt lange Zeit. So etwas habe ich noch nie erlebt." Ganz unwillkürlich kommen Fragen auf: Wie lange braucht der Körper, um wieder voll fit zu sein? Was verkraftet der Körper überhaupt nach einer solch langen Zeit? Was muss der Trainer dabei beachten, um das Training sinnvoll aufzubauen? Wird es überhaupt möglich sein, Vorbereitungsspiele vor dem Saisonbeginn zu machen? Oder gibt es einen Kaltstart wie vor zwei Wochen in der 1. und 2. Bundesliga? Keiner weiß es momentan.

Viele Englische Wochen

Solange keine Zuschauer erlaubt sind, darf's keine Regionalligaspiele geben.

Daniel Bernhardt Kapitän des VfR Aalen

Nur soviel ist sicher: Die Regionalliga Südwest wird in der nächsten Spielzeit wesentlich mehr Mannschaften umfassen. "Ich gehe von 22 Mannschaften aus. Wenn Kaiserslautern noch reinkommt, können es sogar 23 sein", sagt Daniel Bernhardt. Der Saisonbeginn, dies hat die Spielkommission der Liga am Dienstagabend gleich festgelegt, wird - um den Vereinen Planungssicherheit zu ermöglichen – frühestens am 1. September sein. "Wenn wir die Verbandspokalspiele noch hinzunehmen, und außerdem damit rechnen müssen, dass wir wegen der EM im kommenden Jahr frühzeitig fertig sein sollten, dann wird es ein Spieljahr mit vielen Englischen Wochen geben. Darauf müssen wir uns wahrscheinlich einstellen." Und am Ende der Saison steht womöglich ein verschärfter Abstieg.

Wie die Saison 20/21 organisiert und durchgeführt werden soll, das will die Spielkommission der Regionalliga Südwest in den kommenden Wochen beraten und verschiedene Modelle ausarbeiten, um auf die möglichen Verfügungslagen der Bundesländer reagieren zu können. Dass die Verordnungen der Bundesländer nicht einheitlich erfolgen, ist ein Faktum, das auch den Profifußball trifft. Je nach Bundesland dürfen Mannschaften gemeinsam trainieren oder nicht. "Fairplay geht anders", sagt Daniel Bernhardt dazu.

Wenn es nach der Meinung des Keepers und Kapitäns des VfR Aalen geht, dann muss eines feststehen: "Solange keine Zuschauer erlaubt sind, darf's keine Regionalligaspiele geben." Denn: "Unsere Zuschauer haben nicht die Möglichkeit, unsere Spiele im Fernsehen zu verfolgen."

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