So gewinnen wir in der Liga kein Spiel

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Findet deutliche Worte: Kapitän Daniel Bernhardt vom VfR Aalen sagt nach dem Pokalspiel, dass "sich jeder Einzelne hinterfragen muss, ob das sein Anspruch ist".
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Der Kapitän des VfR Aalen schlägt nach dem Pokalspiel Alarm: "Das war ein Einstellungsproblem", sagt Daniel Bernhardt.

Der blamable Auftritt gegen die SG Bettringen wirkt nach. Kapitän Daniel Bernhardt, der 119 Minuten lang tatenlos zusehen musste und den VfR Aalen im Elfmeterschießen rettete, findet deutliche Worte: "Jeder Einzelne muss sich hinterfragen, ob das der Anspruch an sich selbst ist."

Herr Bernhardt, der VfR Aalen benötigt gegen die SG Bettringen das Elfmeterschießen zum Einzug in die zweite Pokalrunde ...

Bernhardt: Ich entschuldige mich als Kapitän bei allen Zuschauern für diese Leistung.

Sie saßen 119 Minuten lang auf der Bank. Was waren Ihre Gedanken?

Natürlich war ich enttäuscht. Ich bin auch in der Halbzeitpause extra nicht in die Kabine gegangen, sonst wäre auch ich sehr laut geworden ...

Wie kann es zu so einem Auftritt kommen?

Ich denke, dass das ein Einstellungsproblem war. Egal, wie heiß es ist, ich muss so ein Spiel annehmen und professionell abarbeiten. Heißt: Den Ball und Gegner laufen lassen und keine Fehler machen. Wenn man ehrlich ist: Die SG Bettringen hätte es ja verdient gehabt, das Spiel zu gewinnen. Sie haben das sehr, sehr gut gemacht.

Bei allem Respekt: Das ist ein Bezirksligist ...

Stimmt, deshalb ist das auch keine Ausrede. Da muss einfach ein Klassenunterschied zu erkennen sein. Es kann immer passieren, dass es bei so einer Konstellation ein Geduldsspiel wird und 20, 25 Minuten kein Tor fällt. Aber dann muss sich das Konditionelle bemerkbar machen. Wir trainieren unter Profibedingungen, die Bettringer zwei-, dreimal abends, nachdem sie zuvor arbeiten waren.

Kann man hinterher sagen: Hauptsache weitergekommen?

Nein, nach so einem Auftritt kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Und das tun wir auch nicht. Jeder Einzelne muss sich hinterfragen, ob das der Anspruch an sich selbst ist. Wir haben Spieler, die davon träumen, Drittligaspieler oder sehr gute Regionalligaspieler zu werden. So eine Leistung reicht da sicher nicht aus. Im Gegenteil: So gewinnen wir in der Liga kein einziges Spiel.

Trainer Roland Seitz ist nach dem Schlusspfiff sofort in den Katakomben verschwunden.

Unser Trainer sagt nach dem Abpfiff erstmal nichts, weil zu viele Emotionen im Spiel sind. Damit fährt er ganz gut. Am Sonntag gab's dann aber eine Besprechung. Jetzt werden wir sehen, wie die Woche so läuft.

Was hat der Trainer angesprochen?

Es geht nur um den Klassenerhalt.

Daniel Bernhardt Torwart und Kapitän des VfR Aalen

Das bleibt intern.

Was auffällt: Die Defensive ist plötzlich sehr anfällig, obwohl die zuletzt das Prunkstück des VfR war.

Man kann durchaus sagen, dass die Defensive gerade unsere Baustelle ist. Das belegen ja die Zahlen: Wir haben in den Testspielen und im Pokal im Schnitt 2,25 Tore pro Spiel kassiert. Das ist definitiv zu viel.

Obwohl der VfR mit Gino Windmüller und Marcel Appiah zwei erfahrene Innenverteidiger hat.

Tatsache ist: Die Erfahrenen müssen jetzt vorangehen. Das gilt für mich, und das gilt auch für meine zwei Kollegen.

Ist der VfR regionalligatauglich?

Abgesehen von Kolja Herrmann und Kai Merk stand die Mannschaft auf dem Feld, die vergangene Saison absolut regionalligatauglich war und teilweise eine sehr gute Rolle gespielt hat.

Der VfR Aalen hat weitere Verstärkungen angekündigt.

Das ist ja kein Geheimnis, dass noch neue Spieler kommen. Wir müssen uns in der Breite verstärken. Beim Pokalspiel hatten wir 17 Spieler zur Verfügung, vier davon waren A-Junioren.

Auf welchen Positionen fehlt es?

Wir brauchen einen Linksverteidiger, dazu einen Innenverteidiger oder Sechser als Backup. Und die restlichen drei Spieler für die Offensive. Es müssen Spieler sein, die ihre Regionalliga-Tauglichkeit bereits bewiesen haben.

Was ist drin in der neuen Saison?

Es geht nur um den Klassenerhalt, alles andere wäre Utopie. Bei uns wurde deutlich der Rotstift angesetzt und der Etat verringert. Aber wenn die vier, fünf Neuen kommen und die Einstellung stimmt, dann sind wir auch regionalligatauglich.

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