VfR Aalen: Der Weg aus der Insolvenz

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Das Präsidium des VfR Aalen mit (von links) Walter Höffner, Michael Weißkopf und Charlotte Helzle hat in Zusammenarbeit mit Insolvenzverwalter Patrick Wahren einen Drei-Stufen-Plan zur Rettung des Traditionsvereins ausgearbeitet.
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Der VfR Aalen hat einen Drei-Stufen-Plan entwickelt, der den Traditionsverein vor dem Aus retten soll. Präsidiumssprecher Michael Weißkopf kündigt personelle Konsequenzen an.

Aalen. Michael Weißkopf präsentiert eine Excel-Tabelle. Die zeigt detailliert alle Ausgaben und Einnahmen des VfR Aalen - und aktuell ein Minus im mittleren sechsstelligen Bereich. Diese Summe wird bis Mitte April benötigt, um das Ende des insolventen Traditionsvereins zu verhindern. Was die Tabelle auch zeigt: Die Verantwortlichen haben 25 Prozent der Summe bereits eingetütet.

Michael Weißkopf hat tief in die Tasche gegriffen. Wieder einmal. Und mit einer „großzügigen Spende“, wie er es selbst nennt, für einen ersten Schritt zur Rettung seines VfR Aalen gesorgt. Dem Präsidiumsmitglied ist es mit zu verdanken, dass die erste der drei Stufen erfüllt wurde. Was aber bedeutet der Drei-Stufen-Plan?⋌Stufe 1: Es sind die Zahlen für den Zeitraum von Beginn der Insolvenz bis zum Ende des Jahres. „Wir mussten hier ein Minus im unteren sechsstelligen Bereich begleichen, das ist uns gelungen, und wir haben es sogar übertroffen“, sagt Weißkopf. Aus dem Grund war es überhaupt möglich, dass der VfR die Hinrunde zu enden spielen konnte.⋌

Stufe 2: Es ist der Zeitraum von Jahresanfang bis Saisonende am 30. Juni 2023. Diese Zahlen zeigen, dass die Verantwortlichen noch ein hartes Stück Arbeit vor sich haben, damit die Saison zu Ende gebracht werden kann. Zwar geht der zweite Teil der Sponsorengelder im Januar aufs Konto, doch die Ausgaben übersteigen diese Summe deutlich - um einen mittleren sechsstelligen Betrag, der aktuell fehlt und bis Mitte April gebracht werden muss. Wie aber wollen die Verantwortlichen diese Summe aufbringen? „Für uns gibt es drei Quellen: die bestehenden Sponsoren, neue Sponsoren und die Fans, Mitglieder und Ostälbler allgemein.“ Zu Letzteren zählt das Präsidiumsmitglied auch die Einnahmen aus der Kampagne „Alle für Aalen“, die Studenten aus Stuttgart gestartet haben, um den Club zu retten. Wobei Weißkopf weiß, dass „der größte Teil für diese sechsstellige Summe von den bereits bestehenden Unterstützern kommen müsse. „Die Erfahrung zeigt, dass das rund 80 Prozent sind.“ Dementsprechend wurden die ersten Gespräche mit den Firmen geführt, die Folgegespräche sollen im Januar folgen. „Die Signale sind sehr positiv“, sagt der Präsident, „alle wollen, dass der Profifußball in Aalen fortgeführt wird.“ Und auch in den Zahlen macht sich die Bereitschaft bemerkbar. Ein unterer sechsstelliger Betrag wurde dem VfR bereits zugesichert. „Das sind rund 25 Prozent in kurzer Zeit“, sagt Weißkopf und hofft auf weitere Zusagen. „Wir werden hart arbeiten.“

Die Spielergehälter kürzen?

Die Stufe 2 zeigt weitere mögliche Einnahmequellen. Beispielsweise ein Benefizspiel zur Rettung des VfR Aalen. „Wir sind auf der Suche nach einem richtig attraktiven Gegner, das ist aber nicht einfach.“ Und ein Thema sind auch weitere Einsparungen. Den größten Teil der Ausgaben machen die Spieler- und Trainergehälter aus. Doch da winkt das Präsidiumsmitglied ab. „Es ist immer schwierig, bestehende Verträge zu verändern.“ Und er stellt klar: „Es ist auch keineswegs so, dass unsere Spieler Tausende Euro im Moment verdienen.“ Außerdem sei nicht geplant, dass „wir im Winter einen Spieler abgeben. Wir brauchen unseren Kader für den Abstiegskampf“, sagt das Präsidiumsmitglied.

Stufe 3: Die Verantwortlichen blicken nach vorne und planen auch die Saison 2023/2024. Diese dritte Stufe ist in drei Unterkategorien aufgeteilt. Kategorie 1: eine Saison in der Regionalliga nach dem heutigen Standard. „Dazu bräuchten wir aber rund eine halbe Million mehr Etat“, sagt Weißkopf. Kategorie 2: eine Saison in der Regionalliga mit einem deutlich reduzierten Etat. „Das hätte zur Folge, dass wir künftig ein Halb-Profitum hätten und ein Großteil der Spieler einen anderen Beruf ausüben müsste. Dann wäre der Klassenerhalt das Höchste der Gefühle.“ Und schließlich Kategorie 3: „Sie sieht das Szenario vor, dass wir sportlich absteigen und künftig in der Oberliga antreten müssen.“ Es ist der Fall, auf den das Präsidiumsmitglied noch nicht eingehen will, weil „ich überzeugt bin, dass wir es in der Regionalliga schaffen“.

Erste personelle Konsequenzen

Und was passiert, wenn der VfR Aalen den derzeit noch fehlenden sechsstelligen Betrag bis April 2023 nicht aufbringt? „Dann wird der Insolvenzverwalter die Notbremse ziehen.“ Heißt: Es wäre das Ende des Traditionsvereins, der seit Jahren das Aushängeschild der Region ist und wie kein anderen Verein das Interesse weckt.

Daran will Michael Weißkopf aber gar nicht denken. „Wir werden kämpfen, kämpfen, kämpfen und alles für die Rettung des VfR Aalen tun. Und wir werden auch dem Ruf nach personellen Veränderungen nachkommen“, sagt das Präsidiumsmitglied.

Studenten starten VfR-Kampagne „Alle für Aalen“

Georg Wesch und seine Mitstudenten der Hochschule für Medien in Stuttgart haben eine Kampagne zur Rettung des insolventen VfR Aalen gestartet. Titel: Alle für Aalen.“

Die Startnext-Kampagne mit Shirts, Pullis und Evente gibt es unter startnext.com/allefueraalen

Alle Infos, Videos, und Kontaktmöglichkeiten gibt es unter AlleFuerAalen.de und über die Social-Media-Kanäle des Vereins. Mit dem dreiminütigen Video soll die Region zum Unterstützen animiert werden. alex

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Der VfR Aalen steht vor einer ungewissen Zukunft.

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