VfR Aalen: Dickes Ausrufezeichen nach hartem Fight

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Nach großem Kampf gewinnt der VfR Aalen mit 2:1 gegen den FSV Frankfurt und meldet sich nach dem Neun-Punkte-Abzug mit zwei Siegen zurück.
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Ein enorm wichtiger Schritt Richtung sportlichem Klassenerhalt: Der VfR Aalen gewinnt verdient mit 2:1 gegen den Tabellenneunten FSV Frankfurt und mischt den Abstiegskampf ordentlich auf.

Aalen

Nichts für schwache Nerven war das Duell zwischen dem VfR Aalen und dem FSV Frankfurt. Auch VfR-Trainer Tobias Cramer sagte nach dem knappen, aber verdienten 2:1-Sieg: „Ich habe mich darauf eingestellt, dass ich mal in 90 Minuten ein bisschen älter werde.“

Denn obwohl der VfR bis zur 65. Minute alles im Griff hatte, wurde es nach dem Anschlusstreffer der Frankfurter in der Schlussphase - trotz Überzahl - extrem spannend.

Doch der Reihe nach: Die Gäste starteten zunächst mutiger, erarbeiteten sich jedoch keine nennenswerten Torchancen. „Die ersten zehn, fünfzehn Minuten waren wir nicht so richtig griffig“, sagt VfR-Trainer Cramer, doch dann „haben wir uns reingebissen“.

Und wie: Aalens Kapitän Alessandro Abruscia flankte den zweiten VfR-Eckball der Partie in den Strafraum der Frankfurter, Vico Meien stieg am höchsten und nickte per Kopf Richtung FSV-Tor in die lange Ecke. Der Rettungsversuch des hessischen Verteidigers Tim Weißmann landete in den eigenen Maschen (27.).

VfR nimmt den Kampf an

In der Folge fuhren die zwei Teams die Intensität der Zweikämpfe hoch. Keine Mannschaft wollte zurückstecken, daher hatte der Unparteiische Mika Forster alle Hände voll zu tun und zog mehrfach die gelbe Karte. Fußball wurde aber auch noch gespielt: Sascha Korbs eher harmloser Versuch aus der Distanz stellte FSV-Keeper Hanin vor keine Probleme (35.). Anders sah es bei Abruscias Hammer aus der Ferne aus, den Hanin noch leicht touchierte und so an die Latte lenken und zur Ecke klären konnte (41.). Diese blieb ertraglos und der VfR konnte durchaus zufrieden in die Halbzeitpause gehen. „Wir konnten uns gut positionieren“, so Cramer über den ersten Durchgang. „Wir haben in den Zweikämpfen gut agiert, gute Ballgewinne gehabt und auch Torchancen herausgespielt.“

In der zweiten Hälfte übernahmen die Hausherren vollends das Spielgeschehen. Stefan Wächter probierte es aus der Ferne (49.), Holger Bux, der durchweg ein starkes Spiel machte, verzog per Direktabnahme (50.) und Kristjan Arh Cesens scharfgetretener Schuss ging anschließend knapp am Pfosten vorbei (52.). Der VfR drückte weiter und so war das 2:0 in der 60. Minute nur folgerichtig. Bux bekam ein Zuspiel im Sechzehner der Gäste. Trotz gegnerischer Bedrängnis setzte er sich stark durch und legte auf den heranpreschenden Abruscia ab. Aus spitzem Winkel zirkelte er den Ball per Außenrist ins Netz.

Trügerische Führung

Die vermeintlich beruhigende 2:0-Führung brachte jedoch die Frankfurter aus dem Nichts zurück ins Spiel. Eine Flanke über die rechte FSV-Seite fand Top-Torjäger Cas Peters, der mit einem Hacken-Kontakt den Ball an VfR-Torhüter Michel Witte vorbeibugsierte (66.). Die Gäste witterten ihre Chance und versuchten nachzusetzen. Mit einem sehenswerten Chip wollte FSV-Stürmer Jihad Boutakhrit Witte überlisten - die Kugel segelte denkbar knapp vorbei. „In der zweiten Hälfte haben wir hinten raus nicht mehr gut gestaffelt verteidigt“, so Cramer.

Zugute kam dem VfR aber, dass der in Minute 79 eingewechselte Frankfurter Lukas Hupfauf nur ein kurzes Intermezzo auf dem Platz gab. Seitz startete bei einem Konter durch, Hupfauf senste ihn mit einer heftigen Grätsche um und sah dafür glatt Rot (81.). Die Situation spielte sich zwar in einiger Entfernung des FSV-Strafraums ab, jedoch war die rote Karte wegen der Schwere des Fouls nachvollziehbar. Offen blieb, ob Seitz, der daraufhin länger behandelt und ausgewechselt wurde, länger fehlen wird. FSV-Trainer Tim Görner sagte zum Platzverweis: „In der ersten Halbzeit haben wir schon ein bisschen Glück gehabt, in der Zweiten dann weniger. Das ist dann ausgleichende Gerechtigkeit.“ Doch sein Team habe nach dem Platzverweis „eine gute Reaktion gezeigt“.

Tatsächlich blieben die Frankfurter in Unterzahl druckvoll im Spiel, ein Tor sollte jedoch nicht mehr fallen. Eine wilde Achterbahnfahrt fand für den VfR Aalen das glücklichere Ende. „Wir sind da, wir sind aktiv und präsent - als Mannschaft, als Verein“, so Cramer nach Spielende.

Stimmen zum Spiel:

Ali Odabas, VfR-Verteidiger: „Es ist Abstiegskampf pur. Wir wollten uns in jeden Ball reinhauen. Das haben wir gut gemacht. Hinten raus ist es ein bisschen hektisch geworden, aber das ist völlig normal, wenn der Gegner den Anschlusstreffer macht. Chapeau an die Fans und die Mannschaft. Wir haben das gut über die Bühne gebracht und das ist das, was zählt. Wir brauchen dringend die Punkte, alles andere ist scheißegal. Ob wir schönen Fußball spielen oder hässlichen: Wichtig sind drei Punkte.“

Tim Schmidt, VfR-Verteidiger: „Es war eine super Atmosphäre. Klar ist die Null zu halten noch besser, aber Hauptsache, der Sieg ist da. Wir wissen, wo wir gerade stehen und wollen weg von dort - auch wenn wir nicht zu Recht da stehen. Wir haben es über die Zeit gebracht.“

Alessandro Abruscia, VfR-Kapitän: „Jetzt nach dem Spiel ist es eine überragende Stimmung. Wir haben heute alles reingehauen. Dass es kein einfaches Spiel wird, das war uns klar. Aber wir waren voll da. Die Mentalität hat unfassbar gestimmt. Wir haben alles reingeworfen. Das hat man von der ersten bis zur letzten Minute auch gesehen, deswegen geht der Sieg auch verdient an uns. Letztendlich ist es in der Situation egal, wer die Tore schießt. Ich bin froh, dass der Ball reingegangen ist, aber wichtig ist, dass wir die Punkte holen. Nach dem Sieg gegen Koblenz wollten wir da anknüpfen und das haben wir heute auch getan. Wir lassen uns von nichts und niemanden aufhalten und wollen die nötigen Punkte wieder aufholen, die uns weggenommen wurden.“ ⋌ag

VfR Aalen – FSV Frankfurt 2:1 (1:0)

 

VfR: Witte – Volz, Odabas, Schmidt, Cesen – Korb – Meien, Abruscia, Wächter (74. Heckmann) – Bux (90+2 Bagci), Seitz (84. Maiella).

FSV: Hanin – Reutter (79. Hirst), Awassi, Knothe, Weissmann – Azaouagh, Müller (84. Ünlücifci), Khan Agha (84. Kuhinja), Del Vecchio (63. Sannomiya) – Boutakhrit (79. Hupfauf), Peters.

Tore: 1:0 Weissmann (27./ET), 2:0 Abruscia (60.), 2:1 Peters (66.)

Gelbe Karten: Seitz, Bux, Wächter / Khan Agha, Azaouagh, Boutakhrit

Rote Karte: Lukas Hupfauf (81. / Notbremse / FSV) 

Zuschauer: 1055

Das Banner der VfR-Ultras: "Geschäftsführung raus - Neuanfang jetzt". VfR-Keeper Michel Witte hatte darauf den besten Blick.
VfR-Trainer Tobias Cramer bejubelte den 2:1-Sieg seiner Mannschaft.
Lukas Hupfauf sah für seine Notbremse gegen Sean Seit glatt Rot.
VfR-Verteidiger Ali Odabas (rechts) zeigte erneut ein starkes Spiel.

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