VfR Aalen: Die Reifeprüfung für die Rasselbande

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Der VfR Aalen in der Saison 2022/2023.
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Der VfR Aalen setzt verstärkt auf den Nachwuchs. Der muss beweisen, dass er mit den etablierten Konkurrenten mithalten kann. Das Ziel: ein gesicherter Mittelfeldplatz.

Aalen

Selten zuvor war der Kader so jung. 22,92 Jahre beträgt der Altersdurchschnitt des VfR Aalen in der neuen Saison. Und die Jungspunde von der Ostalb müssen sich nicht nur gegen etablierte Konkurrenten durchsetzen, sondern auch den nächsten Umbruch in den eigenen Reihen meistern. Trainer Tobias Cramer will seinen Nachwuchs nicht unter Druck setzen. Die Frage ist: Gelingt das im Ligaalltag?

TSV Schott Mainz und Bayern Alzenau, das sind die beiden Mannschaften, die in der vergangenen Saison sang- und klanglos abgestiegen sind. Solche Teams sieht Cramer in der neuen Runde nicht. „Die Liga ist brutal ausgeglichen. Das macht es natürlich noch schwieriger“, sagt der Trainer. Die wichtigste Frage daher vorab: Welche Platzierung hat sich der VfR als Saisonziel gesteckt? „Mit einem Platz im gesicherten Mittelfeld wäre ich zufrieden“, sagt der 47-Jährige. Denn eines wolle er unbedingt vermeiden: dass die Aalener in den Abstiegsstrudel reinrutschen.

Der A-Lizenz-Inhaber ist sich sicher, dass „wir die Qualität dazu haben“. Allerdings nur dann, „wenn wir in jedem Spiel 90 bis 95 Prozent unserer Leistungsfähigkeit auf den Platz bringen“. Denn: Cramer geht davon aus, dass viele Spiele aufgrund der Tagesform entschieden werden. „Wenn da ein Mannschaftsteil nicht funktioniert, sind die Gegner schlau genug, auf diesen Stress auszuüben.“ Das wiederum ist der Grund, weshalb der Trainer einen hohen Wert auf Körperlichkeit legt. Er will fitte Profis auf dem Platz haben.

Was die Startelf am ersten Spieltag betrifft, lässt sich Cramer nicht in die Karten schauen. Auch nicht, was das System betrifft. Klar bevorzuge er das 4-1-4-1-System, aber „wir wollen flexibel sein“. 4-2-3-1 oder 4-4-2, auch diese Formationen seien denkbar. Immerhin: Einige personelle Fixpunkte hat er jetzt gesetzt. Beispielsweise im Tor. Dort ist Neuzugang Michel Witte die Nummer eins. Auch unter den Feldspielern nennt Cramer Leitwölfe, die das Team führen sollen. Ali Odabas, Sascha Korb, Alessandro Abruscia und die beiden Neuzugänge Vico Meien und Stefan Wächter. „Sie sollen nicht nur, sie müssen Verantwortung übernehmen“, sagt Cramer.

Und er macht deutlich, dass der VfR Aalen nicht nur namhafte Spieler wie Daniel Bernhardt, Tim Paterok, Gino Windmüller, Daniel Elfadli oder Daniel Stanese verloren, sondern auch Qualität dazugewonnen hat: allen voran die bereits erwähnten Meien und Wächter. Aber auch Jan Just vom Drittligisten Waldhof Mannheim. Was der 47-Jährige dabei klarstellt: Einen Freibrief haben auch die vermeintlichen Topspieler nicht. Denn: Der VfR Aalen setzt mehr denn je auf den Nachwuchs.

Kaltschnäuzigkeit fehlt noch

Vor allem in der Sturmspitze sind die Jungspunde gefragt: Holger Bux (19) und Levin Kundruweit (20) - weil Top-Stürmer Steffen Kienle (Achillessehnenriss) erst zur Rückrunde wieder dabei ist. Und sie sind nicht die einzigen: Eduard Heckmann, Sean Seitz, Mark Müller, Tim Schmidt - sie alle sind erst 20 Jahre alt, und trotzdem sollen sie als Leistungsträger auf dem Platz stehen. Cramer warnt aber vor zu hohen Erwartungen, und er stellt klar, dass „wir nicht einfordern, dass diese Spieler dauerhaft funktionieren und mit dieser Last umgehen müssen“. Wobei der Trainer auch weiß, dass das Umfeld das früher oder später tun wird, wenn sich nicht gleich Erfolge einstellen. „Wir brauchen dann viel Geduld und Einfühlungsvermögen.“

Und wo sieht Tobias Cramer eine Woche vor dem Ligastart die größten Defizite? „Die Mannschaft ist noch nicht kaltschnäuzig genug.“ Seine Spieler würden es zunächst sehr gut machen, aber „beim finalen Ball sind wir zu inkonsequent“. Doch genau diese Konsequenz wird gleich am ersten Spieltag nötig sein. Denn der SGV Freiberg ist für Cramer kein gewöhnlicher Aufsteiger, sondern gleich eine Hausnummer. „Rein von den Namen gehört der Verein unter die ersten Sechs. Da stehen gefühlt die Erfahrung von 800 Regionalliga- und 250 bis 300 Drittligaspielen auf dem Platz.“

Es ist gleich die erste echte Bewährungsprobe für die Rasselbande von Tobias Cramer.

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Kader des VfR Aalen für die Saison 2022/2023

VfR Aalen:

Tor: Rückennummer:Michel Witte (N) 1,Maurice Brauns (N) 18,Tom Österle (N) 25

Abwehr:Mario Szabo (N) 2,Eduard Heckmann 3,Kristjan Arh Cesen 4,Jan Just (N) 22,Ali Odabas 17,Michael Schaupp 15,Loris Portella (N) 20,Tim Schmidt  36,Mehmet Bagci (N) 33

Mittelfeld:Vico Meien (N) 6,Paolo Maiella (N) 29,Stefan Wächter (N) 34,Alessandro Abruscia 10,Benjamin Kindsvater 11,Mark Müller 19,Sascha Korb 8,Leon Volz 27

Angriff:Jonas Arcalean 9,Steffen Kienle 23,Sean Seitz 7,Holger Bux 12,Levin Kundruweit (N) 14

N: Neuzugang

Benjamin Kindsvater wird zu Saisonbeginn schmerzlich vermisst.
Tobias Cramer bei seiner offiziellen Vorstellung als VfR-Trainer. Rechts Geschäftsführer Giuseppe Lepore, in der Mitte Stadionssprecher Michael "Flex" Flechsler.
Eduard Heckmann: Der erst 20-Jährige ist ein Mann für die linke defensive Seite.

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