VfR Aalen nur 1:1 in Gießen: Nach dem Blitzstart fehlt der Mut

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Steffen Kienle feiert seinen Treffer zum 1:0.
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Ein Punkt zum Einstand: Der VfR Aalen kommt unter Christian Demirtas zu einem glücklichen 1:1 (1:1) beim FC Gießen. Der neue Trainer kritisiert den Auftritt seiner Profis.

Gießen

Glücklich sieht anders aus. Christian Demirtas musste sich bei seiner Premiere als Cheftrainer des VfR Aalen mit einem schmeichelhaften 1:1 (1:1) beim abstiegsbedrohten FC Gießen zufrieden geben. Mit dem einen Punkt könne er leben, nicht aber mit der Art und Weise, wie seine Profis aufgetreten sind.

Es war ein Spielzug fürs Fußball-Lehrbuch: Den Eckball von Alessandro Abruscia verlängert Kristjan Arh Cesen sehenswert mit der Hacke, und am zweiten Pfosten köpft Steffen Kienle mit großer Entschlossenheit den Ball ins Tor - 1:0. Zu dem Zeitpunkt waren gerade einmal 6:23 Minuten gespielt. Besser hätte es für den neuen Trainer des VfR Aalen nicht beginnen können. „Wir haben gedacht, dass uns das in die Karten spielt“, sagt Debütant Demirtas und kann dann nur schwer erklären, was danach passiert ist. Teilweise „zu mutlos“ sei gewesen, was seine Profis nach der frühen Führung abgeliefert haben. „Es war nicht mehr kompakt, unser Zweikampfverhalten war nicht mehr gut, und wir sind immer den berühmten Schritt zu spät gekommen.“

Auf dem Platz sah das so aus, dass der FC Gießen nun die Initiative ergriff. Die Hessen attackierten früh, zwangen den VfR nicht nur zu zahlreichen Fehlern, sondern ließen ihn auch nicht mehr ins Spiel kommen. Als Leon Volz mit viel Tempo im eigenen Strafraum zur Sache ging, warteten alle auf den Elfmeterpfiff - dieser blieb jedoch aus (12.). Jubeln durften die Gießener kurz danach trotzdem: Kein Aalener störte Nikola Trkulja, so dass der Mittelfeldspieler einen 22-Meter-Schuss in den Winkel abfeuerte - 1:1 (18.). „Ein Traumtor“, wie VfR-Keeper Tim Paterok hinterher sagte. Die Gastgeber blieben auch danach am Drücker, allerdings kam auf dem schwer bespielbaren Boden kaum Spielfluss auf. Stattdessen war's teilweise ein übles Gebolze mit Fehlern auf beiden Seiten. Und doch gab's noch Chancen: Leon Volz zielte bei einem Volleyschuss zu ungenau (25.), und auf der anderen Seite klärte Paterok gegen Takero Itoi (35.). Aalen war mit dem 1:1 zur Pause gut bedient.

Wenig spielerische Klasse

Christian Demirtas schien in der Halbzeitpause die richtigen Worte gefunden zu haben, denn die Ostälbler kamen stark verbessert aus der Halbzeit. Und sie versuchten nun endlich, ihr Spiel aufzuziehen. Gelungen ist das nur bedingt. Denn der nun hektischen und teilweise ruppigen Partie fehlte es weiter an spielerischer Klasse. Und an klaren Aalener Torchancen. FC-Keeper Frederic Löhe musste nicht einmal ernsthaft eingreifen. Dennoch ging es in der Schlussphase Hin und Her, weil beide Mannschaften um den Lucky Punch bemüht waren. Deutlich näher dran am entscheidenden zweiten Treffer waren allerdings die Gießener. Donny Bogicevic scheiterte mit einer Direktabnahme an Paterok (73.), erneut Bogicevic verfehlte in aussichtsreicher Position den Ball (80.). Dann stockte der Aalener Bank der Atem. Nach einer Flanke von rechts kam Tobias Reithmeir aus kurzer Distanz völlig frei zum Abschluss, der Ball verfehlte das Tor nur um Zentimeter (84.).

„Mit dem Punkt bin ich zufrieden“, sagt Christian Demirtas. Allerdings: „Die Art und Weise hat mir nicht gefallen. Das war vor allem in der ersten Halbzeit zu wenig.“ Unterm Strich steht das fünfte sieglose Spiel in Folge. Auch das hat den neuen Trainer so schnell nicht zur Ruhe kommen lassen. „Nach den Spielen schlafe ich nie gut. Da geht mir zu viel im Kopf herum.“

Wohl auch, dass der nächste Gegner TSV Steinbach Haiger heißt.

Stenogramm:

Gießen: Löhe - Fisher (61. Gaudermann), Fink, Sarr, Takehara (46. Reithmeir) - Trkulja, Sawada - Owusu, Bogicevic, Itoi (61. Burgio) - Öztürk (77. Tiliudis)

VfR: Paterok - Windmüller, Stanese, Odabas - Volz (77. Knipfer), M. Müller (69. Botic), Elfadli, Abruscia, Cesen (69. Heckmann) - Kienle (87. Bux), Kindsvater

Tore: 0:1 Steffen Kienle (7.), 1:1 Nikola Trkulja (18.)

Gelbe Karten: Itoi, Trkulja, Öztürk - Stanese, Heckmann

Schiedsrichter: Philipp Hofheinz (Niefern)

Zuschauer: 650

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Christian Demirtas macht's wie sein Vorgänger Uwe Wolf

Nach den Spielen schlafe ich nie gut.“

Christian Demirtas, Trainer des VfR Aalen

Stimmen zum Spiel: „Es gab Zeiten, da haben wir solche Spiele verloren“

  • Alessandro Abruscia, VfR-Kapitän: „Wir sind gut reingekommen, aber danach müssen wir cleverer sein. Wir waren in den Zweikämpfen immer einen Tick zu langsam. Zum Schluss war's ein Harakiri-Spiel, da waren unsere Abstände zum Gegner viel zu groß. Da müssen wir beim Angreifen sofort nachschieben, um bei Ballverlusten da zu sein. Es gab aber auch Zeiten, da haben wir solche Spiele verloren.“
  • Giuseppe Lepore, VfR-Geschäftsführer: „Das war ein guter Start für Christian Demirtas. Allerdings haben wir uns nach dem 1:0 den Schneid abkaufen lassen. Letzten Endes haben wir mit dem 1:1 einen direkten Kontrahenten auf Distanz gehalten.“
  • Steffen Kienle, VfR-Angreifer: „Wir haben nach dem 1:0 ganz anders gespielt, waren nicht mutig genug, und hinten hat es immer gebrannt. Wir haben es nach der Führung einfach schlecht gemacht. Christian Demirtas ist natürlich ein bisschen ruhiger als sein Vorgänger Uwe Wolf, aber er hat es sehr gut gemacht. Wir haben umgestellt auf zwei Spitzen, das ist gut für mich.“
  • Tim Paterok, VfR-Keeper: „Das war ein sehr zerfahrenes Spiel, es war schwierig, auf dem Geläuf einen guten Ball zu spielen. In Ansätzen waren für beide Chancen da, aber es ist immer etwas dazwischen gekommen. Warum nach der Führung ein Bruch da war, kann ich gerade nicht erklären.“
  • Michael Weißkopf, VfR-Präsidiumsmitglied: „Unterm Strich ist es ein glücklicher Punkt, aber den nehmen wir gerne mit. Wir haben aus den beiden Spielen gegen Gießen vier Punkte geholt. Das ist ok.“⋌alex
Der neue Trainer Christian Demirtas bei der Ansprache vor dem Spiel.
Viel Kampf, wenig Glanz: Mark Müller und Leon Volz (rechts) hatten es in Gießen nicht einfach.
Neue Rolle: Benjamin Kindsvater (am Ball) bildete mit Steffen Kienle eine Doppelspitze im 3-5-2-System.
Daumen hoch vor der Premiere beim FC Gießen: der neue VfR-Trainer Christian Demirtas.

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