VfR Aalen spielt 45 Minuten lang wie ein Absteiger

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Daniel Elfadli (VfR Aalen, #06) muss verletzt behandelt werden, SSV Ulm 1846 vs. VfR Aalen, Regionalliga Suedwest, Fussball, Herren, 16.04.2022 EIBNER/Michael Schmidt
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Desolat nach Wiederanpfiff: Der VfR Aalen bricht nach der Halbzeit ein und zeigt beim 1:4 (0:0) im Derby gegen den SSV Ulm 1846 keine Gegenwehr. Harte Kritik nach dem Abpfiff.

Ulm

Die Abstiegssorgen sind größer denn je. Der VfR Aalen hat im Derby 45 beschämende Minuten abgeliefert und deshalb verdient mit 1:4 (0:0) gegen den Titelaspiranten SSV Ulm 1846 verloren. „Wir haben alles vermissen lassen, was im Abstiegskampf nötig ist“, sagt Trainer Christian Demirtas und spricht von vier ausstehenden Endspielen um den Ligaverbleib.

Koblenz, Hoffenheim II, Kassel und Astoria Walldorf: Gegen diese vier Mannschaften muss der VfR Aalen im Saisonendspurt ein anderes Gesicht zeigen, wenn er den Absturz in die Fünftklassigkeit verhindern will. Denn: Nach dem Derby am Ostersamstag waren sich alle einig, dass es so nicht reichen wird. Was die Ostälbler nach der Halbzeitpause abgeliefert haben, war eines Regionalligisten nicht würdig: vorne ohne Torchance und hinten komplett ohne Gegenwehr. „Wir hatten keine Laufbereitschaft, keine Zweikampfhärte und keine Zweikampfführung“, stellt Demirtas klar. Geschäftsführer Giuseppe Lepore fügt hinzu, dass „unsere zweite Halbzeit mit einem Derby nichts zu tun hatte“.

Dabei hat es zunächst gar nicht so schlecht ausgesehen. Die Aalener, die wie der Gegner im 4-2-3-1-System angetreten sind, lieferten sich einen offenen Schlagabtausch und waren auf Augenhöhe mit dem Favoriten. Alessandro Abruscia hatte nach einem Solo sogar die erste Möglichkeit (4.). Die Ulmer dagegen benötigten fast eine halbe Stunde, ehe sie erstmals gefährlich zum Abschluss kamen. Phil Harres zielte aus 14 Metern einen Tick zu hoch (24.). Erst in der Schlussphase der ersten Hälfte erhöhten die „Spatzen“ das Tempo. Kolja Herrmann rettete in höchster Not (39.), der Ex-Aalener Thomas Geyer köpfte knapp vorbei (40.), und VfR-Keeper Tim Paterok machte sich beim Schuss von Jannik Rochelt lang und parierte (42.). Als Michael Heilig dann einen Elfmeter schinden wollte, gab's zurecht die gelbe Karte für den Ulmer (45.). Sollte der VfR Aalen tatsächlich für eine Überraschung sorgen? Das fragten sich einige Zuschauer angesichts des Spielstandes zur Pause.

Sergio Gucciardo trifft zum 1:4

Die Frage war nach Wiederanpfiff aber schnell beantwortet: Nein! Denn wieder einmal verpennten die Ostälbler den Start.
49. Minute: Gino Windmüllers Klärungsversuch landet bei Adrian Beck, der fackelt aus 12 Metern nicht lange - 1:0.
52. Minute: Bastian Allgeier spaziert durchs gesamte Mittelfeld ohne gestört zu werden. Nicolas Jann passt nach innen, Phil Harres staubt ab - 2:0.

Es war bereits die Entscheidung, weil der VfR Aalen nun völlig verunsichert war und sich kampflos seinem Schicksal ergab. Vor über 3600 Zuschauern im Donaustadion spielt jetzt nur noch ein Team: der SSV Ulm 1846. Beim 3:0 durch Beck profitierten die „Spatzen“ erneut von einem einfachen Fehler der Aalener (71.), und vor dem 4:0 patzte Herrmann, der unfreiwillig Jann bediente. Dessen Vorlage musste Harres nur einschieben (73.). Nicht mehr als eine Randnotiz: der 1:4-Anschlusstreffer unmittelbar vor dem Schlusspfiff durch Sergio Gucciardo (90.+1).

Immerhin: Die vielen mitgereisten Anhänger des VfR Aalen feierten trotzdem ihre Verlierer und sprachen ihnen Trost im Abstiegskampf zu. „Wir haben die besten Fans der Liga“, schwärmt Giuseppe Lepore.

Seine Mannschaft war davon am Samstag weit entfernt.

Wir haben alles vermissen lassen.“

Christian Demirtas, Trainer des VfR Aalen

Stimmen zum Spiel: „Wir haben uns verarschen lassen und uns aufgegeben“

Tim Paterok, VfR-Keeper: „Wir waren nicht gierig genug, wir sind nur mitgelaufen anstatt zuzupacken, und dann kriegst du zurecht in Ulm auf die Fresse. Ich habe mich teilweise alleine gefühlt. Da muss sich jeder mal an die eigene Nase fassen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns verarschen lassen, haben uns aufgegeben. Das ist eine Mentalität, die ich nicht unterstützen kann. Das ist zu schwach, das geht so nicht.“

Steffen Kienle, VfR-Angreifer: „Man muss das mal klar ansprechen: Über unsere Außenspieler kommt gar nichts. Wenn ich da Nico Jann bei Ulm sehe, das ist einfach eine Qualitätssache. Dennoch: Wir haben noch vier Spiele, und da müssen wir die Punkte mitnehmen und den Abstieg noch verhindern.“

Alessandro Abruscia, VfR-Kapitän: „In der ersten Halbzeit haben wir fast nichts zugelassen und waren drin im Spiel. Dann fressen wirt wieder direkt nach der Halbzeit das Gegentor. Was dann passiert, dass wir uns komplett abschließen lassen, das kann nicht sein. Das waren wieder so viele individuelle Fehler. Jetzt ist das eingetroffen, was wir nicht wollten: dass wir jetzt nur noch Endspiele haben.“ alex

Alessandro Abruscia im Zweikampf mit Milan Petrovic.
Daniel Elfadli: Diagnose Nasenbeinbruch.
Torschütze Adrian Beck jubelt mit Nicolas Jann und Cedric Guarino.
Tim Paterok frustriert: "Wir haben uns verarschen lassen."
Robin Heußer läuft Holger Bux weg.
Michael Heilig im Zweikampf mit Gino Windmüller.

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