VfR kassiert zu Zehnt späten Ausgleich 

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Tim Grupp (Zweiter von links) kann nicht glauben, was er da sieht. Anstatt der gelben zeigt Schiedsrichter Elias Tiedeken dem VfR-Verteidiger die rote Karte. Der VfR Aalen, der anschließend dennoch mit 1:0 in Führung gegangen war, musste in der letzten Minute der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich hinnehmen. 
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Der VfR Aalen muss gegen Homburg in der fünften Minute der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich hinnehmen. Unverständlicher Platzverweis für Tim Grupp. 

Aalen. Nur wenige Sekunden fehlten dem VfR Aalen in seinem bislang besten Saisonspiel zum Sieg gegen den FC Homburg. In der fünften Minute der Nachspielzeit gelang den Gästen am Samstag in der Aalener Ostalb-Arena der glückliche Ausgleichstreffer zum 1:1-Endstand. Der VfR Aalen verlor damit nicht nur zwei Punkte, sondern auch Tim Grupp durch eine unberechtigte rote Karte.

„Wir hätten den Sieg verdient gehabt“, lobte Aalen neuer Cheftrainer Uwe Wolf seine Mannschaft für eine kämpferische und engagierte Leistung, mit der der VfR von Beginn an das Kommando auf dem Spielfeld übernahm und die Saarländer nicht zur Entfaltung kommen ließ.

Keine fünf Minuten waren gespielt, da musste sich FCH-Keeper David Salfeld bereits einen Kopfball von VfR-Goalgetter Steffen Kienle fischen. Zwei Minuten später hätte Kienles Sturmpartner Mark Müller die Aalener Führung markieren müssen. Doch der 19-Jährige vergab freistehend vor dem Homburger Schlussmann.

Engagiert am Spielfeldrand. VfR Aalens Cheftrainer Uwe Wolf gibt Kevin Hoffmann konkrete Anweisungen. 

Was folgte, war ein hochklassiges Regionalligaspiel, bei dem die Zuschauer - wären sie im Stadion gewesen - ihre Mannschaft hätten begeistert anfeuern und sie vielleicht dazu antreiben können, weitere echte Torchancen in der ersten Halbzeit zu kreieren. Daran mangelte es nämlich in der Folgezeit, obwohl die Wolf-Elf die klar dominierende Mannschaft war und Homburg nicht ins Spiel kommen ließ.

Wir hätten den Sieg verdient gehabt“

Uwe Wolf, Cheftrainer des VfR Aalen

Bester Mann auf dem Platz war der Aalener Tim Grupp. Der 26-Jährige stand erstmals im Zentrum der Dreier-Abwehrkette und fühlte sich dort sichtlich wohl. Er verstand es glänzend, von hinten seine Vorderleute lautstark zu managen, und überzeugte mit einem hervorragenden Stellungsspiel.

Ausgerechnet er musste gleich nach Seitenwechsel das Spielfeld verlassen. Im Bemühen, den Homburger Damjan Marceta an der Außenlinie nicht davoneilen zu lassen, hielt er ihn energisch am Trikot fest. „Mir war klar, dass mir der Schiedsrichter die gelbe Karte zeigen würde“, sagte er später. In der Tat war es aber die rote, die im der Unparteiische zum Erschrecken und Verwunderung vor die Nase hielt. Die Erklärung, dass sein Assistent von der gegenüberliegenden Seitenlinie ihm diese Aktion als Notbremse als letzter Mann anzeigt habe, war die einzige Äußerung, die die Aalener vom anschließend recht unsicher wirkenden Referee zur Auskunft erhielten. Marcel Appiah und Gino Windmüller standen aber noch näher zum Tor.

Es nutzte nichts. Tim Grupp musste das Feld verlassen. Uwe Wolf beorderte zunächst Daniel Stanese ins Abwehrzentrum. Grupps Teamkameraden zeigten die richtige Trotzreaktion und ließen es sich nicht anmerken, dass sie fortan einen Mann weniger auf dem Platz hatten. Die Homburger konnten zwar den Druck etwas verschärfen. Wirklich etwas erreichen konnten sie gegen eine diszipliniert agierende VfR-Elf nicht.

Steffen Kienle macht's

Im Gegenteil. 70 Minuten waren gespielt, da nutzte Steffen Kienle eine Unaufmerksamkeit in der Homburger Hintermannschaft, schnappte sich das Leder, umkurvte zwei Gegenspieler und schob zur längst verdienten 1:0-Führung ein.

20, genau gesagt 25 bange Minuten standen noch vor dem VfR Aalen. Denn der Schiedsrichter legte noch fünf Minuten oben drauf. Es waren 25 Minuten, in denen Leon Volz nach einem Doppelpass mit dem später verletzt ausgeschiedenen Kienle in der 82. Minute durchaus hätte auf 2:0 erhöhen können. Aber auch Gästestürmer Marceta köpfte einmal nur knapp übers Aalener Dreiangel (74.) und Daniel Bernhardt parierte einen Schuss aus spitzem Winkel des eingewechselten Thomas Gösweiner.

Michael „Flex“ Flechsler, Mitglied der Kultband „Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle“, ist treuer Fan des VfR Aalen. Seit dem Weggang von Sebastian Gehring nach Großaspach beobachtet er das Spielgeschehen interessiert aus der Sprecherkabine in der Rolle des Stadionssprechers.

Jener Gösweiner war es dann auch, der in der fünften Minute der Nachspielzeit einen von Marcel Appiah unnötig verursachten Freitstoß zum glücklichen 1:1-Ausgleichstreffer für die Homburger einnickte.

Beide Teams bleiben damit im sechsten Spiel in Folge ungeschlagen. Der FC Homburg auf Platz 8, der VfR Aalen auf Rang 13. Der Vorsprung der Ostäbler auf die Abstiegszone beträgt weiterhin sechs Zähler. „Wenn wir gewonnen hätten, hätten wir den Klassenerhalt fast schon sicher“, ärgerte sich VfR-Cheftrainer Wolf über am Ende dennoch verschenkte zwei Punkte.

Stimmen zum Spiel

Michael Weißkopf (Präsidiumssprecher): Die Mannschaft hat ein richtig gutes Spiel gemacht. Schade, dass wir uns nicht mit einem Sieg belohnt haben. Wenn wir so weiterspielen, muss uns nicht Angst und Bange sein. Die rote Karte war einfach keine.

Uwe Wolf (VfR-Cheftrainer): Meine Mannschaft hat gezeigt, was sie kann. Das war eine klasse Leistung. Ein Sieg wäre hochverdient gewesen. Jeder ist für den anderen durchs Feuer gegangen. Wenn wir uns am Ende cleverer verhalten, dann bekommen wir das Spiel auch über die Zeit. Tim hat das im Abwehrzentrum sehr gut gemacht. Er ist ein Chef der Kompaktheit und hat gut gecoacht. Die rote Karte ist eine harte Entscheidung.

Tim Grupp (VfR-Abwehrspieler): Die rote Karte ist eine riesen Frechheit. Ich ziehe ihn am Trikot. Dass das gelb gibt, ist klar. Aber doch nicht rot. In der Rolle als Innenverteidiger habe ich mich wohlgefühlt.

Leon Volz (Mittelfeldspieler): Wir waren gut im Spiel und haben gut nach vorne verteidigt. Jeder hat sich reingeschmissen. Und dann bekommst du in der letzten Sekunde den Ausgleich. Natürlich sind wir enttäuscht, nach einer solchen Leistung nur mit einem Punkt dazustehen. Man hat gesehen, dass wir gut drauf sind. Jetzt werden wir am Mittwoch in Elversberg um den Sieg kämpfen. Die rote Karte für Tim ist wirklich nicht nachvollziehbar.

Zahl des Tages

Sechs Ligaspiele in Folge ist der VfR Aalen nach dem 1:1 gegen den FC Homburg ungeschlagen. 

Spielstatistik

VfR-Einwechslungen: 69. Oschkenat (-) für Hoffmann, 74. Merk (-) für Müller, 90. Sakai (-) für Kienle.

FC Homburg: Salfeld - Plattenhardt, St. Maier, Sachanenko, Schuck - Di Gregorio - Hingerl (69. Sommer), Lienhard - Ph. Hoffmann (74. Gösweiner), Marceta, Carl (83. L. Weiss)

Tore: 1:0 Kienle (71.), 1:1 Gösweiner (90.+5)

Schiedsrichter: Elias Tiedeken (Neusäß)

Gelbe Karten: M. Müller, Merk - Lienhard

Rote Karte: Grupp

Zuschauer: -

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