Interview

VfR-Kapitän Abruscia: "Der Physio ist der wichtigste Neuzugang"

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Aölessandro Abruscia, der Schussstarke.
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Kapitän und Leader: Alessandro Abruscia war in der ersten Saisonhälfte der herausragende Spieler beim VfR Aalen. „Ich bin zwar 31 Jahre alt, fühle mich aber wie ein junger Hüpfer.“

Aalen

Nicht nur wegen seiner bislang 11 Treffer: Alessandro Abruscia (31) war in der Hinrunde der herausragende Spieler beim VfR Aalen. Und er soll auch nach der Winterpause vorangehen. Im Interview spricht der Kapitän über neue Stärken, die Trainerfrage und er sagt, auf welcher Position der größte Handlungsbedarf besteht.

Herr Abruscia, in zwei Wochen geht's in der Liga weiter. Wie weit ist der VfR Aalen?

Abruscia: Sportlich sind wir auf einem sehr guten Weg. Das zeigen die Testspiele. Und noch etwas ist erfreulich.

Was meinen Sie?

Dass sich Spieler, die in der Hinrunde in der zweiten Reihe standen, jetzt zeigen. Ich denke an Sergio Gucciardo oder die beiden A-Jugendlichen Mario Szabo und Anes Handanagic.

Trainer Uwe Wolf haben in der Hinrunde die vielen Gegentore geärgert. Darauf legt er in der Vorbereitung ein Hauptaugenmerk: dass das Team stabiler wird.

Wir haben vorne eine hohe Qualität, aber es müssen auch mal ein oder zwei Tore für einen Dreier reichen. Da nehme ich alle in die Pflicht. Wir müssen einfache Gegentore schon im Keim ersticken und vorne anders agieren. Und wir müssen den letzten Willen zeigen, das Tor verhindern zu wollen. Das machen wir inzwischen viel besser, und das zeigen auch die Testspielergebnisse.

Sind die vielen Gegentore nicht auch der Spielphilosophie geschuldet: mit dem hohen Anlaufen?

Ja, unser attraktiver Fußball bedeutet, dass wir auch Risiko eingehen. Aber wir spielen keinen Harakiri-Fußball. Unser Ziel ist es, aus einer soliden Grundformation heraus zu agieren.

Die Qualität in der Offensive hängt stark mit Ihnen zusammen. Mit 11 Treffern führen Sie die interne Torjägerliste klar an.

Ja, in der Hinrunde lief es ganz gut für mich. Aber es lag nicht nur an mir. Steffen Kienle hatte anfangs zwar Ladehemmungen, stand in der zweiten Hälfte aber voll im Saft und hat wichtige Tore gemacht. Sean Seitz ist immer gefährlich. Das gilt auch für Benjamin Kindsvater, der von einer Verletzung gestoppt wurde. Uns sind einige Spieler weggebrochen, deren Ausfall wir nicht so einfach kompensieren konnten.

Wie schwer war es für die Spieler, das Fehlen eines Physiotherapeuten zu kompensieren?

Das war keine optimale Situation, und ich denke, dass ein Physiotherapeut zum Profifußball einfach dazugehört. Wir haben in der Vorbereitung viele und harte Einheiten, die im Winter teils auf gefrorenen Böden stattfinden. Klar ist, dass es da muskuläre Probleme gibt. Und ohne Physio läuft man Gefahr, dass zum Saisonstart Spieler ausfallen, weil sie Blessuren oder Verletzungen mit sich herumtragen. Teilweise haben wir uns selbst behandelt, haben Tapes selbst gemacht. Es ist wichtig, dass der Verein für diese Stelle gekämpft hat. Dass der neue Physio jetzt Corona hat, ist eine blöde Situation.

Verzichtet hat der Verein auf einen Neuzugang im Winter.

Wir haben nicht unbedingt Handlungsbedarf nachzulegen. Der wichtigste Neuzugang war von Anfang an der Physiotherapeut. Klar, wenn sich bei einem Spieler etwas ergeben hätte, hätte uns auf der einen oder anderen Position ein Neuzugang gut getan - eben weil wir so viele Ausfälle haben.

Ihr Freund Sascha Mölders ist im Winter von 1860 München zur SG Sonnenhof Großaspach gewechselt. Hätten Sie ihn gerne beim VfR Aalen gehabt?

Wir waren natürlich im Austausch. Sascha ist aber überzeugt von diesem Schritt, und ich glaube, dass er dazu beiträgt, dass Großaspach die Liga hält.

Der VfR Aalen bastelt aktuell an der Mannschaft für die kommende Saison, obwohl unklar ist, ob Uwe Wolf Trainer bleibt. Ist das für einen Spieler nicht schwierig?

Ja, aus Sicht der Spieler ist diese Position wichtig. Das war bei mir in der Vergangenheit immer so und wird auch in der Zukunft so sein. Der Trainer ist der Taktgeber, und da möchte ich schon wissen, wer das ist.

Nach dieser Hinrunde, die Sie gespielt haben: Kommt da auch im Alter von 31 Jahren noch einmal der Wunsch auf, es höherklassig zu versuchen?

Wie Sie sagen, in meinem Alter gehört man im Fußball schon zu den alten Hasen. Aber so fühle ich mich nicht. Ich fühle mich stattdessen wie ein junger Hüpfer. Ich habe mich im vergangenen Sommer noch einmal bewusst für den VfR Aalen entschieden, weil ich der Überzeugung bin, dass das der richtige Weg ist. Aber als Fußballer will man immer einen Schritt nach vorne machen, deshalb ist nichts ausgeschlossen.

Meister wird ...

Ganz schwierig. Aber ich gönne es natürlich meinen Ex-Kollegen vom SSV Ulm 1846.

Der VfR Aalen wird ...

... mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Ich bin mir sicher, dass wir den siebten Platz schaffen, und das wäre dann eine sehr erfolgreiche Saison. Dieser siebte Platz ist aber das Maximum, die Vereine davor haben einfach ganz andere Möglichkeiten.

Wir spielen keinen Harakiri-Fußball.“

Alessandro Abruscia, Kapitän des VfR Aalen

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