VfR-Mitglieder üben scharfe Kritik an der Vereinsspitze: Die Perspektiven fehlen

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VfR Hauptversammlung 2022
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Die Mitglieder kritisieren die Verantwortlichen wegen fehlender Visionen, ernüchternder Zahlen und der Freistellung von Trainer Uwe Wolf die „einer „Anklageschrift“ gleichkommt.

Aalen

Über zweieinhalb Stunden waren sie still. Als dann Präsidiumsmitglied Michael Weißkopf die Hauptversammlung des VfR Aalen offiziell beenden wollte, gab's Handzeichen aus der Fanszene. „Wir haben jetzt viel Schönes gehört, aber ich sehe mich in der Pflicht, nachzuhaken“, sagte Robert Daiss, Vorsänger der Ultras. Damit war es vorbei mit dem bis dahin harmonischen Abend.

Der vorgetragene Bericht von Jugendleiter Martin Steidle sei kein Indiz dafür, dass die Jugendarbeit erfolgreich sei. Außerdem seien die Zahlen in den Bilanzen ernüchternd. Und das negative Eigenkapital habe sich in den vergangenen zwei Jahren fast verdoppelt. „Ich erkenne keine Visionen und keine Perspektiven“, warf Daiss der Vereinsführung vor. Und: „Ich wünsche mir eine konkrete Aussage was die Zukunft des VfR Aalen betrifft. Wird die Oberliga dabei ausgeschlossen?“

Zumindest auf die letzte Frage, die auch von Mitglied Hubert Sauter aufgegriffen wurde, hatte Weißkopf eine Antwort parat: „Konkret laufen unsere Planungen für die Regionalliga. Dafür haben wir eine Lizenz beantragt, weil wir zu 100 Prozent davon ausgehen, dass wir den Klassenerhalt schaffen“, sagte das Präsidiumsmitglied - und fügte hinzu: „Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden wir uns auch mit der Oberliga beschäftigen.“

Ein weiterer Kritikpunkt von Sauter: die fragwürdige Trennung von Trainer Uwe Wolf samt massiver Vorwürfe in der Öffentlichkeit. „So etwas hat es noch nie gegeben. Das klang wie eine Anklageschrift für einen Schwerverbrecher. So geht man nicht mit Menschen um.“ Weißkopf wollte auf dieses Thema nicht näher eingehen, weil „es ein schwebendes Verfahren ist“. Nur soviel: „Wir stehen dazu, und ich würde es wieder so machen.“

Ein dicker Geldbeutel nötig?

Obwohl Martin Steidle bereits Fehler eingeräumt hatte, war das misslungene Catering beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart II noch einmal das Thema. Weil der VfR Aalen 1000 Freikarten verteilt hatte, kam es am Verpflegungsstand zu langen Wartezeiten, außerdem waren die Würste frühzeitig ausverkauft. „Das war unser Tag der offenen Tür. Da repräsentieren wir den Verein, und da muss es funktionieren“, warf ein Mitglied der Vereinsspitze vor und fügte süffisant, dass der VfR die Leute damit zum 1. FC Heidenheim jage. Weil die VfR-Jugend das Catering an diesem Abend übernommen hatte, ergriff Steidle noch einmal das Wort, entschuldigte sich für den holprigen Ablauf, sagte aber auch, dass ein Einzelner 50 Würste bestellt habe und deshalb Wartezeiten die logische Konsequenz seien. „Normalerweise bestellen 30, 40 Prozent unserer Gäste Würste. An diesem Abend waren es 70 Prozent. Da waren wir überfahren.“ Mit dieser Antwort waren die Mitglieder nur bedingt zufrieden.

Dem Aufruf von Michael Weißkopf, jeder sei zum Mitarbeiten im Verein willkommen, entgegnete die Fanszene: „Die Fanbasis wollte sich einbringen und einen Vertreter für den Aufsichtsrat abstellen, aber das wurde kategorisch abgelehnt. Braucht man dafür einen dicken Geldbeutel? Reichen Herzblut und Engagement nicht aus?“ Robert Daiss: „Mir ist das vom Präsidium und Aufsichtsrat zu wenig.“

Nachdem sowohl das Präsidium als auch der Aufsichtsrat entlastet wurden, appellierte Peter Peschel an die Mitglieder, „mit der üblen Nachrede in den Sozialen Medien aufzuhören“. Der VfR Aalen müsse sich wieder als eine große Vereinsfamilie sehen. „Wir dürfen uns nicht selbst kaputt machen.“

Nach drei Stunden war dann endgültig Schluss. Weitere kritische Fragen wurden nicht mehr zugelassen.

Info: Die Versammlung hat mit großer Mehrheit beschlossen, den Beitrag pauschal um 10 Euro anzuheben. Erwachsene bezahlen künftig 85 Euro pro Jahr.

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  • Verzichten muss der VfR Aalen auf einen weiteren Leistungsträger. Neben Kapitän Alessandro Abruscia (Corona) fehlt kurzfristig auch Offensivspieler Benjamin Kindsvater. „Er war nochmal beim Arzt, weil er immer noch Schmerzen am Sprunggelenk hat“, sagt Trainer Christian Demirtas.
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Zum Schluss gab's bei der Hauptversammlung des VfR Aalen noch massive Kritik von einigen Mitgliedern.
Zum Schluss gab's bei der Hauptversammlung des VfR Aalen noch massive Kritik von einigen Mitgliedern.
Hatte zum Schluss keinen einfachen Stand: Präsidiumsmitglied Michael Weißkopf (rechts) musste sich bei der Hauptversammlung auf die Kritik einiger Mitglieder reagieren. Nicht alle Fragen waren am Ende beantwortet.

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