VfR-Trainer Christian Demirtas: Der Kumpeltyp auf dem Chefsessel

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Der neue Trainer mit seinem Kapitän: Christian Demirtas (rechts) steht in engem Kontakt mit Alessandro Abruscia, der auch an diesem Samstag als Spielführer beim VfR Aalen vorangehen wird.
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Erst hat ihn das Coronavirus zweimal erwischt, dann kam die unerwartete Beförderung: Der neue Trainer des VfR Aalen ist kein Lautsprecher, aber einer mit klaren Zielen.

Aalen

Plötzlich ist er Chef. Christian Demirtas steht an diesem Samstag im Auswärtsspiel beim FC Gießen erstmals als Trainer des VfR Aalen in der Verantwortung. Sachlich und ruhig will er es angehen - und damit komplett anders als sein emotionaler Vorgänger Uwe Wolf. Wie tickt der Neue, der bisher im Hintergrund agiert hat und plötzlich in der Verantwortung steht?

Christian Demirtas war zuletzt lange von der Bildfläche verschwunden. Gleich zweimal hat ihn Corona flachgelegt. Zuerst im November. Dann Anfang Januar wieder. Und ganz ausgestanden ist es bis heute nicht. „Bei ersten Mal ging es auf die Lunge, dann hat es auf die Nebenhöhle geschlagen, es war alles entzündet, ich musste Cortison und Antibiotika nehmen und habe immer noch leichte Probleme“, sagt der 37-Jährige. Auf seine Arbeit wirke sich die Krankheit aber nicht aus. Der Ex-Profi kann sich voll auf die neue Aufgabe konzentrieren, eine Aufgabe, die „mir sehr viel Spaß macht“. Wobei der Deutsch-Türke auch sagt, dass sich der Job nach der Beförderung enorm verändert habe. „Es steckt sehr viel Arbeit dahinter. Mit Gegneranalyse, Trainingsvorbereitung und allem was dazu gehört.“

Demirtas geht das akribisch an. Demütig. Und leise. „Ich bin generell ein ruhiger Typ“, sagt er über sich selbst. Seine Ansprachen an die Mannschaft seien deshalb „sachlich“. „Ich kann aber auch sehr impulsiv sein, wenn ich auf dem Platz bin. Allerdings nicht so sehr wie Uwe bislang ...“ Die Tatsache, dass er aus der Position des Co-Trainers kommt, mache die Sache nicht schwieriger. „Ich weiß auch, dass ich bisher das Bindeglied zwischen Spieler und Trainer war und damit der Kumpeltyp. Daran hat sich nicht viel verändert, und trotzdem nehmen die Spieler alles an und respektieren meine Entscheidungen.“

53 Spiele in der 1. Bundesliga

Auch, weil Christian Demirtas in seiner aktiven Zeit mehr erlebt hat als alle anderen Spieler im aktuellen Kader. Der ehemalige Rechtsverteidiger hat bis zu seinem Karriereende im Jahr 2016 53 Bundesliga-, 52 Zweitliga- und ein Spiel im UEFA-Cup absolviert. Und wie gut Christian Demirtas heute noch als Fußballer ist, wissen die VfR-Profis. In der Hinrunde hat er regelmäßig mitgespielt und ist eingesprungen, wenn beim Elf gegen Elf einer gefehlt hat. „Das hat mir immer großen Spaß gemacht“, sagt er. Allerdings habe er auch gemerkt, dass „das Tempo und Zweikampfverhalten nicht mehr so da ist wie früher“. Obwohl er noch immer topfit ist. „Bis zu meiner Coronaerkrankung habe ich sehr viel Sport gemacht, und das will ich jetzt auch wieder tun.“

Was er außerdem vor hat: die Fußballlehrer-Lizenz erwerben. Die A-Lizenz hat er 2018 mit Bravour abgelegt. Im Jahr 2020 hat er sich für die Ausbildung zum Fußballlehrer beworben, hat aber keinen der 25 begehrten Plätze erhalten. Im vergangenen Jahr hat ihm dann die Coronainfektion einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Aktuell gilt die volle Konzentration aber dem neuen Job beim VfR Aalen. Und dem ersten Spiel in Gießen. Denn nach vier sieglosen Partien in Folge soll an diesem Samstag der lang ersehnte Dreier eingefahren werden.

Für Christian Demirtas wäre das der perfekte Einstand in den Job, den er auch nach dieser Saison weiter ausüben möchte. Auch wenn er als Cheftrainer nicht mehr mit seinen Jungs gegen den Ball treten kann.

Ich bin generell ein ruhiger Typ.“

Christian Demirtas, Trainer des VfR Aalen

Nächster Ausfall: Michael Schaupp ist krank

  • Verzicht. Der VfR Aalen muss beim Auswärtsspiel in Gießen an diesem Samstag (Anpfiff: 14 Uhr) einen weiteren Spieler ersetzen: Michael Schaupp hat sich eine Magen-Darm-Erkrankung zugezogen und liegt flach.
  • Position. Im Testspiel gegen den VfB Eichstätt (2:1) hat der 19-Jährige rechts in der Dreierkette gespielt. Und auch fürs Spiel in Gießen wäre er eine Option für die Startelf gewesen. Das sagte Trainer Christian Demirtas.
  • Ausfälle. Damit fehlen dem VfR Aalen in Gießen sechs Profis. Die drei Langzeitverletzten Daniel Bernhardt, Jonas Arcalean und Sascha Korb, der rotgesperrte Tim Schmidt, der verletzte Sean Seitz und Michael Schaupp.⋌alex

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