VfR-Trainer Uwe Wolf: „Bei mir wird genauer hingesehen“

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Uwe Wolf diskutiert im Spiel gegen Kickers Offenbach mit dem Linienrichter.
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Er hat das Image des bösen Buben: Trainer Uwe Wolf polarisiert an der Seitenlinie und riskiert Ärger und Strafen. Sportlich hat er den VfR Aalen damit auf Kurs gebracht.

Aalen

Kein anderer Trainer hat mehr gelbe Karten gesehen. Und aktuell läuft sogar noch ein Sportgerichtsverfahren wegen unsportlichen Verhaltens gegen ihn. Wenn Uwe Wolf an der Seitenlinie steht, ist er ein Vulkan: laut, unberechenbar und mitunter aggressiv. Was geht in dem 54-Jährigen während der 90 Minuten vor? Und wie ist er abseits der Stadien? Darüber spricht er im Interview. Ruhig und entspannt.

Herr Wolf, danke, dass Sie sich die Zeit fürs Interview genommen haben.
Uwe Wolf: Sehr gerne. Ich bin tiefenentspannt.
Können Sie das überhaupt?
Natürlich. Abseits des Platzes bin ich ein sehr ruhiger und ausgeglichener Mensch.
An der Seitenlinie ist das anders.
Das stimmt. Da bin ich ein sehr emotionaler Typ. Ich habe ja schon einmal gesagt, dass meine Eltern früher gesagt haben, dass sie eigentlich zwei Söhne haben: einen auf dem Fußballplatz und einen abseits davon.
Sind Sie später als Profi reifer und damit ruhiger geworden?
Nein, das war mein Spiel: aggressiv und leidenschaftlich. Ein großer Förderer war mein erster Trainer Hans-Günter Neues, der mir diese Tugenden beigebracht hat. Und später hießen meine Trainer Hermann Gerland und Werner Lorant. Mehr muss ich wohl nicht sagen.
Jetzt sind Sie selbst Trainer des VfR Aalen und haben in der Liga das Image des „bösen Buben“.
Ich sehe das nicht so. Oft wird viel zu viel hinein interpretiert. Klar, während eines Spiels braucht mich niemand zu mögen. Hinterher aber kann ich jedem die Hand geben. Da kann man sich auf mich verlassen und mit mir Pferde stehlen.
Verlangen Sie dieses Verhalten auch von Ihren Spielern?
Natürlich erwarte ich, dass sie auf dem Platz zu 100 Prozent alles umsetzen. Ich erwarte von meinen Jungs, dass sie für mich durchs Feuer gehen. Umgekehrt gehe ich für sie durchs Feuer. Bei mir gilt aber auch: hart arbeiten und dabei Spaß haben. Und: Ich habe zu allen Spielern, die durch meine Hände gegangen sind, ein sehr gutes zwischenmenschliches Verhältnis. Ich habe noch heute Kontakt zu ihnen, und es sind Freundschaften entstanden.
Beim VfB Stuttgart II haben Sie sich mit den gegnerischen Fans angelegt und diese provoziert. Es gab wüste Beschimpfungen - und hinterher eine Drei-Spiele-Sperre für Sie wegen unsportlichen Verhaltens. Bereuen Sie das?
Nein, überhaupt nicht. Weil ich nichts getan habe, das ich nicht hätte tun dürfen. Ich habe mich mit niemandem angelegt, ich habe mich lediglich für meine Mannschaft gefreut. Ich lebe die Emotionen, und ich lasse meinen Gefühlen freien Lauf.
Ist die Spielsperre aus Ihrer Sicht ungerechtfertigt?
Die Sperre verstehe ich bis heute nicht. Man muss ehrlich bleiben, aber ich will nicht mehr sagen, weil das Verfahren noch läuft. Wir haben Berufung eingelegt.
Wissen Sie, wie viele gelbe Karten Sie in dieser Saison schon gesehen haben?
Nein, aber es sind weniger als wir Punkte haben. Und solange das so ist, ist alles gut.
Befürchten Sie, dass Sie durch Ihr Verhalten die Schiedsrichter gegen sich haben?
Das hoffe ich nicht, und Schiedsrichter müssen ja stets objektiv sein. Ich habe aber festgestellt, dass man mit den Schiedsrichtern nicht mehr so kommunizieren kann wie früher. Da sind auch mal härtere Sprüche gefallen. Da muss ich umdenken und mich etwas zurücknehmen. Was ich allerdings glaube: dass bei mir genauer hingesehen wird. Sonst hätte ich die eine oder andere gelbe Karte nicht bekommen.
Mit fünf Niederlagen aus sieben Spielen standen Sie zu Saisonbeginn unter Druck. Kritik blieb nicht aus. Es folgten vier Siege in Folge und aktuell Platz zehn. Fühlen Sie sich bestätigt?
Die Jungs dürfen sich bestätigt fühlen, sie sind die Protagonisten. Sie setzen meinen Plan um, arbeiten akribisch und haben Step by Step dazugelernt. Wichtig ist mir, dass die Jungs über allem stehen. Aber natürlich fühle auch ich mich bestätigt. Und es freut mich, dass auch junge Spieler unserem Spiel den Stempel aufdrücken.
Aktuell vertrauen Sie dem erst 19-jährigen Tim Schmidt in der Abwehrkette.
Ja, und er ist weit mehr als eine Notlösung für den erkrankten Daniel Stanese. Tim hatte anfangs Umstellungsprobleme vom Junioren- in den Seniorenbereich. Aber inzwischen macht er es sehr gut.
Seit der Coronaerkrankung von Torwart Tim Paterok müssen Sie wieder auf Matthias Layer setzen. Den haben Sie zuerst zur Nummer eins gemacht und dann wieder ins zweite Glied versetzt. Hatten Sie jetzt keine Bedenken?
Ganz und gar nicht. Matze muss jetzt performen, bis Tim wieder zurück ist. Und er macht das sehr ordentlich.
Machen Sie sich Sorgen um den Klassenerhalt?
Die Liga ist sehr eng, und es kann bis zu sechs Absteiger geben. Ich habe deshalb den Kampf um den Klassenerhalt im Hinterkopf, aber ich schaue lieber nach vorne. Und ich bin mir sicher, dass man belohnt wird, wenn man im Umfeld die Ruhe bewahrt.
Anfangs haben Sie Platz sieben als Saisonziel ausgegeben. Bleibt es dabei?
Wenn wir das erreichen, wäre es eine Topleistung. Vorne sehe ich die top Drei der Liga: den SSV Ulm 1846, Kickers Offenbach und Elversberg. Es folgt die Überraschungsmannschaft FSV Mainz 05 II sowie die ambitionierten Teams aus Homburg und Steinbach Haiger. Wenn wir uns dahinter einreihen könnten, wäre das großartig.
Uwe Wolf.

Die Sperre verstehe ich bis heute nicht.“

Uwe Wolf, Trainer des VfR Aalen
Uwe Wolf brüllt an der Seitenlinie.

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