Zwei Tage nach der Insolvenz: VfR Aalen holt einen Punkt im Überlebenskampf

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Michael Schaupp (Aalen) erzielt mit diesem Schuss das Tor zum 1:1 fuer Aalen, zahlreiche Wormser Spieler schauen zu.
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Der Einsatz stimmt: Zwei Tage nach dem Schock erkämpft sich der VfR Aalen bei Wormatia Worms ein 1:1 (1:1). Banner am VfR-Fanblock sorgt für Aufsehen: „Präsidium, verpisst euch!“

Worms

Michael Weißkopf war nach dem Schlusspfiff enttäuscht. Nicht etwa wegen des Unentschiedens beim Aufsteiger Wormatia Worms. Das Präsidiumsmitglied ärgerte vielmehr die Botschaft der rund 100 mitgereisten Fans. „Präsidium, verpisst euch!“ stand in großen Buchstaben auf dem Banner am VfR-Fanblock. „Das tut wirklich extrem weh. Und ich hoffe, dass von diesen Jungs dann auch einer dasteht und es macht ...“

Die Jungs auf dem Rasen dagegen waren von Anfang an gewillt, den Schock der Insolvenz auszublenden und eine Reaktion zu zeigen. Das ist den Profis in den 90 Minuten auch gelungen, so sieht es jedenfalls Tobias Cramer. „Die Situation war sicherlich nicht einfach, deshalb bin ich mit dem Auftreten und dem Punkt sehr zufrieden, denn gefühlt haben wir von auswärts in den vergangenen drei Monaten keinen Punkt mitgenommen“, sagt der Trainer. Auch die Tatsache, dass der VfR Aalen 45 Minuten lang in Überzahl war und das Spiel trotzdem nicht gewonnen hat, relativiert Cramer: „Worms hat alles reingeschmissen. Es ist immer schwierig gegen Unterzahlmannschaften, Ballbesitzfußball zu spielen und Chancen zu kreieren. Das können wenige Mannschaften.“

Es waren die Wormers, die zunächst den Ton angaben. Keeper Michel Witte klärte vor dem heranstürmenden Melvyn Lorenzen (6.), Anil Gözütok zielte zu hoch (13.), und bei Gözütoks zweitem Versuch fehlten die berühmten Zentimeter zum Torerfolg. Als dann gleich vier Aalener im Strafraum viel zu lasch gegen Lennart Grimmer zu Werke gingen, sagte dieser Danke und schob den Ball an Witte vorbei - 1:0 (18.). Aber: Die Antwort des VfR Aalen nach dem kollektiven Tiefschlaf folgte nur 60 Sekunden später. Einen Eckball von Alessandro Abruscia verlängerte Holger Bux mit der Hacke, Michael Schaupp stand goldrichtig und staubte ab - 1:1 (19.). Jetzt waren die gebeutelten Ostälbler drin im Spiel und diktierten das Geschehen. Und der umtriebige Mark Müller wäre beinahe der Führungstreffer gelungen. Der 20-Jährige spazierte ungestört durchs Mittelfeld und hämmerten den Ball aus 20 Metern an die Latte. Die nächste Möglichkeit ließ Alessandro Abruscia liegen (32.). Zwei nennenswerte Aktionen gab's noch vor dem Halbzeitpfiff. Zunächst reagierte Keeper Witte im Eins-gegen-Eins herausragend gegen Alexander Shehada (32.).

Müller: „Er fasst mir ins Auge“

Dann kam es nach einem eigentlich harmlosen Foul an Mark Müller zu einem Gerangel zwischen dem Gefoulten und Jannik Marx. Weil der Wormser ins Gesicht des Aaleners fasste, zeigte Schiedsrichter Marius Ulbrich glatt Rot (45.). „Er hat mir ins Auge gefasst, deshalb ist es für mich auch Rot“, sagt Müller.

Wer dachte, der VfR Aalen könne aus der Überzahl Kapital schlagen, irrte. Denn die Cramer-Elf tat sich gegen den nun tief stehenden Aufsteiger extrem schwer. Letztendlich hatte sogar der Aufsteiger die klareren Chancen und war dem zweiten Treffer näher als der VfR. Nils Fischer war durchgebrochen und wurde in höchster Not von Sascha Korb gestoppt (73.). Und nach einer Unsicherheit von Witte drosch Ramzi Ferjani den Ball aus drei Metern übers leere Tor (87.). Eine überaus hektische und kampfbetonte Partie endete mit 1:1. Es ist ein Unentschieden, das bei den Profis trotz der angespannten Situation für Zufriedenheit sorgte. „Hut ab vor der Mannschaft nach den vergangenen Tagen“, sagt Kapitän Alessandro Abruscia und stellt klar, dass „wir mit dem 1:1 definitiv leben können, weil die Insolvenz ein Schlag ins Gesicht war.“

Worms - VfR Aalen⋌1:1 (1:1)Worms: Cymer - Grimmer, Ferjani, Ihrig, Oliveira Damaceno - Marx, Loechelt - Lorenzen (58. Köksal), Gözütok (90. Torres Farias), Sommer (46. Mvoto Owono) - Shehada (46. Fischer)

VfR-Auswechslungen: 63. Kundruweit (Note: -) für Meien, 63. Schmidt (-) für Bagci, 79. Volz (-) für Just, 85. Arcalean (-) für Bux, 85. Heckmann (-) für Wächter⋌Tore: 1:0 Lennart Grimmer (18.), 1:1 Michael Schaupp (19.)

Gelben Karten: Grimmer, Ferjani, Köksal - Bagci, Müller, Korb

Rote Karte: Marx (45./ Tätlicheit)

Zuschauer: 1035

Aalener Fans haben vor ihrem Block ein Banner mit der Aufschrift "Präsidium verpisst euch!" ausgerollt.
Aalener Spieler feiern das Tor von Michael Schaupp.
Lennart Grimmer (Worms, rechts) am Boden erzielt mit diesem Schuss das Tor zum 1:0 fuer Worms gegen Aalen.

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