Erholung am Rande des Hotzenwaldes

Der Aufenthalt des Kreml-Kritikers bringt Ibach in die Schlagzeilen. Einwohner wollen ihn schon gesehen haben.
  • Alexej Nawalny erholt sich im 400-Seelen-Dorf Ibach. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Jede Menge Polizei und Personenschutz, Hubschrauber und viel Geraune – der kleine Schwarzwald-Ort Ibach (Kreis Waldshut) ist in einer Art Belagerungszustand. Grund: Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hat sich hier, am Rande des Hotzenwaldes, mit seiner Familie einquartiert. Nach seiner Behandlung in der Berliner Charité wegen eines Giftanschlags sucht der russische Oppositionelle zwischen Wiesen, Wald und Kühen Erholung. Der beschauliche 400-Seelen-Ort ist damit unverhofft in die Schlagzeilen geraten.

Dass es tatsächlich Nawalny ist, wird offiziell nicht bestätigt. Das Stuttgarter Innenministerium teilt auf Nachfrage lediglich mit, dass sich eine Schutzperson in Baden-Württemberg befinde. Das Polizeipräsidium Freiburg habe mit anderen Dienststellen der Landespolizei umfangreiche Maßnahmen getroffen.

„Seit dieser Woche weilt ein Gast, eine Person öffentlichen Lebens und des öffentlichen Interesses, mit seiner Familie in Ibach. Diese benötigen einen sehr hohen Personenschutz“, heißt es nun auf der Homepage von Ibach. Bürgermeister Helmut Kaiser (CDU) wirbt dort um Verständnis für Einschränkungen. Schließlich berichte die Presse ja, „dass es sich um den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny handeln soll“. Er selbst habe ihn noch nicht gesehen. Doch es hat sich unter den Einwohnern herumgesprochen. Mancher will Nawalny auch schon beim Spaziergang mit Sicherheitsleuten gesehen haben.

Polizei und Sicherheitsleute haben Teile des Rathauses und der Gemeindehalle besetzt. Die Vereine können dort nun nicht mehr proben, es gibt viele Kontrollen, die Ibacher müssen die Ausweise parat halten. Seit Montag sei „Remmidemmi“ berichtet eine Anwohnerin. Die einen finden es unheimlich, andere schimpfen, und wieder andere heißen den Gast ausdrücklich willkommen, berichtet Kaiser.

Doch so viel Polizei hat auch Kaiser noch nie in seinem Ort gesehen. „Wir sind ein kleines, beschauliches Dorf.“ Der Alltag habe sich sehr verändert. Doch, so Kaiser: „Alles geht vorbei.“ Er will dafür sorgen, dass Nawalny und seine Familie sich in Ibach in Ruhe erholen können. dpa
© Südwest Presse 16.10.2020 07:45
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