Riedlinger Krankenhaus nur noch Geschichte

Wieder macht ein Krankenhaus im Südwesten endgültig zu. Die Stadt sucht jetzt Investoren für ein Ärztehaus.
  • Demo 2012. Der Protest der Riedlinger war vergebens. Foto: Waltraud Wolf
An diesem Dienstag ist das Riedlinger Krankenhaus Geschichte. Die Sana Kliniken Landkreis Biberach GmbH verabschiedet sich mit ihrer stationären Versorgung.

Die Konzentration auf ein Zentralkrankenhaus in Biberach hat seit der Privatisierung der Kreiskliniken mit der Vergabe an die Sana 2012 über dem Ort geschwebt. Vergeblich protestierten die Riedlinger – mit 7200 Unterschriften, Trillerpfeifen, Menschenkette und Plakaten bei Abstimmungen.

Der Klinikverbund war mit der Option angetreten, dass auch nach Inbetriebnahme des Neubaus in Biberach Bettenstationen in Riedlingen und Laupheim bleiben könnten – „wenn es medizinisch geboten, medizinisch sinnvoll und wirtschaftlich tragbar sei“. Dass mit der Sana also eine Chance bestehe, erwies sich jedoch als eine trügerische Hoffnung.

Für Laupheim wurde ein Zentrum für Älterenmedizin auf den Weg gebracht. In Riedlingen aber begründete die Sana bereits auf 1. April 2020 mit dem Wegfall von Ärzten das Ende der stationären internistischen Versorgung.

Da war die Schließung auf 30. Juni längst beschlossen – und der Bruch der Zusage, das Haus wenigstens bis Fertigstellung der 370-Betten-Klinik in Biberach offen zu halten. Die Eröffnung wird, auch coronabedingt, für das Frühjahr 2021 avisiert. Ursprünglich war sie für Ende 2017 geplant gewesen.

Bemühungen um Sonderzulassungen für Facharztsitze scheiterten bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Sana bleibt mit einer internistischen Ambulanz mit einem Kardiologen und einem Gastroenterologen, jeweils mit einem halben Facharztsitz. Sie agieren im Rahmen des Medizinischen Versorgungszentrums Biberach in Riedlingen.

Weiter praktizieren – und in Riedlingen ambulant operieren – kann eine privat geführte chirurgische und orthopädische Praxisklinik. Darüber hinaus arbeiten eine Frauenarzt- und eine Hausarzt-Praxis im Krankenhausgebäude.

2014 hatte Alfons Runde, Professor an der Riedlinger SRH-Fern-Hochschule, ein Gesundheitszentrum für den Standort vorgestellt, das bei der damaligen Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) Gefallen fand. In wissenschaftlichen Studien wurde es als Zukunftsmodell für den ländlichen Raum gehandelt. Neben Arzt-Praxen und medizinischen Dienstleistern sah es einige stationäre Betten vor für Frisch-Operierte über Nacht.

Die Karten dafür standen bei Altpeters Nachfolger Manfred Lucha (Grüne) – auch wegen neuer Bettenbedarfsplanungen – schlecht. Das Interesse von Medizinern, Dienstleistern und der engagierten Bürgerinitiative an einem Ärztehaus aber blieb. Die Stadt hätte es gern im Altbau gesehen, 1958 vom Frankfurter Architekten Professor Johannes Kahn an Standort mit Blick auf den Bussen erbaut, dem „Heiligen Berg“ Oberschwabens. Der Landkreis als Eigner votierte für einen Neubau und trug Ende April der Kommune auf, sich auf die Suche nach potenziellen Investoren zu machen. Die Suche läuft. wad
© Südwest Presse 30.06.2020 07:45
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