Fünf Testamente – und jetzt?

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Nicht immer sind Testamente eindeutig.

Manchmal gibt es gar keines, meistens eines, in seltenen Fällen mehrere. Aber das muss kein Problem sein.

Ein Testament: Viele haben eins, andere auch nicht. Und dann gibt es noch Fälle, bei denen ein Verstorbener gleich mehrere Testamente hinterlässt. Letzteres muss aber nicht zwangsläufig zu Problemen führen.

"Grundsätzlich ist es machbar, dass jemand mehrere Testamente aufsetzt, die, falls sie formwirksam sind, dann nebeneinander existieren", sagt Paul Grötsch, Fachanwalt für Erbrecht in München.

Ein Beispiel: Ein Vater setzt in einem Testament seinen Sohn als Alleinerben ein. Später ordnet er in einem weiteren Testament ein Vermächtnis zugunsten seiner Tochter an, die im Fall seines Todes einen Betrag X bekommen soll. "Beide Testamente gelten", so Grötsch.

Denkbar ist auch, dass ein Erblasser mehrere Testamente gleichen Inhalts verfasst und sie an unterschiedlichen Orten hinterlegt – um so auf Nummer sicher zu gehen, dass die Hinterbliebenen eine dieser Urkunden im Fall eines Falles tatsächlich finden. "Existieren mehrere formwirksame Testamente, dann gilt grundsätzlich die zuletzt datierte Urkunde", erläutert Grötsch, der Geschäftsführer des Deutschen Forums für Erbrecht ist.

Selbst wenn das Testament vom Februar 2002 notariell beurkundet wurde und das Testament vom September 2007 lediglich handschriftlich vom Testator verfasst ist, ist immer das zuletzt datierte Testament gültig, erklärt Eberhard Rott, Fachanwalt für Erbrecht in Bonn.

So weit, so gut. Aber mitunter kann die Existenz von mehreren Testamenten für massiven Streit sorgen. Der ist wahrscheinlich, wenn es in dem einen Testament heißt: "Mein Sohn ist Alleinerbe" – und in einem weiteren Testament steht: "Meine Tochter ist Alleinerbin". Sind dann noch beide Testamente ohne ein Datum versehen, stehen die Hinterbliebenen vor einem Rätsel: Wer ist denn nun Alleinerbe?

Im Zweifel muss Gericht prüfen

"Solche Fälle landen zumeist vor Gericht", sagt Rott. Dann muss ein Richter oder eine Richterin entscheiden. Um herauszufinden, welches der undatierten und sich widersprechenden Testamente nun das jüngste und damit das gültige ist, kann das Gericht Zeugen befragen. "Oder der Richter lässt das verwendete Papier von Gutachtern daraufhin überprüfen, wann es jeweils im Umlauf war", erklärt Rott.

Sollten die Testamente mit Tinte verfasst oder unterschrieben worden sein, können Gutachter die Tinte in einem chemischen Verfahren daraufhin analysieren, wann sie im Handel erhältlich waren.

Ähnlich geht ein Gericht auch dann vor, wenn es ein datiertes und ein undatiertes Testament gibt und es ausloten muss, welches der Urkunden das frühere und welches das zeitlich spätere ist. Was auch möglich ist: Bei undatierten und sich widersprechenden Testamenten schalten die Hinterbliebenen zunächst einen Fachanwalt für Erbrecht oder einen Mediator ein. Mit seiner Hilfe machen sie einen Auslegungsvergleich – einigen sich also untereinander, wie sie mit dem Erbe umgehen wollen.

Keine Zweifel entstehen lassen

Erblasser können einen solchen Aufwand aber verhindern: "Das A & O ist, sich im Testament klar und unmissverständlich auszudrücken", sagt Rott. Damit Klarheit herrscht, sollte im zeitlich späteren zum ersten Testament erwähnt werden, was mit früheren letztwilligen Verfügungen geschehen soll – zum Beispiel, ob das zeitlich spätere Testament eine Ergänzung zum ersten Testament sein soll oder ob die ältere Verfügung durch das neue Dokument unwirksam werden soll. dpa

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