Lebendige Gärten

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Landschaftsarchitekt Bernd Franzen.

Landschaftsarchitekt Bernd Franzen über den Trend zu lebendigen Gärten.

Bernd Franzen ist als Landschaftsarchitekt spezialisiert auf Privatgärten. Die Philosophie seines Planungsbüros lautet: „Aus einem Gartentraum soll ein Traumgarten werden.“

Wie gehen Sie als Fachmann damit um, wenn unrealistische Wünsche geäußert werden, zum Beispiel, weil die Standortbedingungen Grenzen setzen?

Bernd Franzen: Der Ausgangspunkt eines jeden guten kreativen Prozesses ist das „Wünsch Dir was“-Gespräch. Jeder soll alles in den Ring schmeißen dürfen: Funktionales, Ästhetisches, gerne auch Spinnertes, einfach alles - denn nur dann können wir und ich unsere Qualitäten ausspielen. So lernen wir, den Garten mit den Augen seiner Besitzer zu lesen und natürlich auch dabei zu helfen, Gewohntes aufzubrechen, Prioritäten zu setzen, von Holzwegen abzubringen. Kurz gesagt: auf empathische Weise kritisch zu sein, denn häufig ist weniger mehr! Bezogen auf Pflanzen bedeutet das: Ausgehend von den Wünschen verstehen wir: Was brauchen die Menschen, um sich wohl zu fühlen in ihrem grünen Wohn- und Esszimmer? Welche Lösungen funktionieren in der Praxis?

Stichwort Pflanzenverwendung in Privatgärten: Gehölze, Stauden, Gräser, Zwiebelblumen ... welches Spektrum ist hier zeitgemäß, auch mit Blick auf die Veränderungen infolge des Klimawandels?

Das lässt sich natürlich kaum konkret zusammenfassen. Allgemein kann ich sagen, dass Aussagen wie „Wir wollen Leben im Garten spüren!“ oder Fragen wie „Wie können wir der Natur was zurückgeben?“ häufiger über den Küchentisch kommen als früher. Von daher sind blühende, einfach zu handhabende Pflanzen immer noch sehr wichtig. Schmetterlingsflieder, die Mini-Züchtung ‚Buzz‘ beispielsweise, kommt mit wenig Wasser aus, schenkt aber vielen Blüten und Insekten Lebensraum und Nahrung.

Andererseits sind aufgeastete Gehölze als natürlich-skulpturaler Sonnenschirm aus ästhetischen Motiven gefragt. Auch hier spannt sich schnell der Bogen zur Natur, denn über Zierapfel, Hahnendorn, Kornelkirsche, Blasenstrauch etc. freuen sich nicht nur die Designer, sondern auch Biene und Heckenbraunelle! Letztlich spielt das gesamte Spektrum, also auch Gräser, Stauden und Zwiebelpflanzen in schlichten Kombinationen eine große Rolle. Ein dynamisches Gräserband aus Rutenhirse vor einer statischen Hecke wirkt wie ein Hauch Natur, und wenn sich dann noch die spanischen Gänseblümchen „Blütenmeer“ den Gräsern zu Füßen legen, geht dem Gartenfreund das Herz auf.

Sicher kennen Sie auch den Kundenwunsch nach einem „pflegeleichten Garten“. Steht das nicht im Widerspruch zu dem Bedürfnis nach Vielfalt und Abwechslung in den Beeten?

Tatsächlich ist der Begriff „pflegeleicht“ immer noch allgegenwärtig. Eigentlich ist das Vielfältigste ja das Pflegeleichteste: nämlich die gut angelegte Wildwiese. Absolut „en vogue“, aber noch nicht zu 100 Prozent akzeptiert in der Designwelt. Hier ist schon eher das schlichte Arrangement mit ausgesuchten Pflanzen angesagt, weil eben etwas organisierter als die Wildheit der Wiese. Aber der Hang zu leblosen Gärten, die zu jeder Jahreszeit gleich tot aussehen, ist vorbei. Ein erfreulicher Trend! Vielfalt bietet einerseits die Möglichkeit, ganzjährig unterschiedliche Gartenbilder zu schaffen. BGL

Mehr Infos auch unter: www.gartenplus.com und www.mein-traumgarten.de

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