Ausbildungsmarkt stark von Pandemie geprägt

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Die Ausbildungsbilanz zeigt, dass die Pandemie starke Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt hat.

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele appelliert an alle künftigen Auszubildenden sich weiter zu bewerben.

„Die Lage am Ausbildungsmarkt war 2020/21 weiter stark von der Corona-Krise geprägt. Die Ergebnisse bleiben trotz einer Aufhellung noch sehr deutlich hinter denen vor der Corona-Pandemie zurück und wir stehen weiterhin vor großen Herausforderungen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, bei der Vorstellung der Bilanz des Berufsberatungsjahres 2020/21 und appellierte: „Bewerberinnen und Bewerber sollten nicht aufgeben, sich weiter zu bewerben und sich dabei auch für Ausbildungsberufe jenseits ihres Traumberufes öffnen.“

Außerdem sollten die Betriebe ihren Blick auf die Kandidatinnen und Kandidaten erweitern, die zunächst vielleicht nicht einhundert Prozent der Anforderungen erfüllen. „Wir unterstützen im Rahmen der Nachvermittlungsaktivitäten weiterhin aktiv, dass noch möglichst viele Betriebe und Bewerberinnen und Bewerber zusammenfinden“, so Detlef Scheele.

Weniger Ausbildungsstellen

Von Oktober 2020 bis September 2021 wurden den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern in gemeinsamen Einrichtungen insgesamt 511 300 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das waren 19 000 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Der überwiegende Teil sind betriebliche Ausbildungsstellen; sie verzeichnen ein Minus von 17 700 auf 496 800. Seit Beginn des Beratungsjahres am 1. Oktober 2020 haben insgesamt 433 500 Bewerberinnen und Bewerber die Ausbildungsvermittlung der Agenturen und der Jobcenter bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle in Anspruch genommen. Das waren 39 400 weniger als im Vorjahr. Das deutliche Minus auf der Bewerberseite ist vor allem durch die eingeschränkten Zugangswege zur Berufsberatung zu erklären, die durch digitale Angebote nicht vollständig ersetzt werden konnten. Deshalb dürfte die gemeldete Bewerberzahl das tatsächliche Ausbildungsinteresse nur unzureichend widerspiegeln.

Mehr Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber

In der Bilanz gab es auch in diesem Beratungsjahr rechnerisch mehr gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen als gemeldete Bewerberinnen und Bewerber. Bundesweit kamen auf 100 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen, rein rechnerisch 87 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber.

Da sich jedoch viele Bewerberinnen und Bewerber aufgrund der Pandemiemaßnahmen nicht gemeldet haben, dürfte diese Gegenüberstellung die Marktlage aus Bewerbersicht etwas günstiger zeichnen, als sie tatsächlich war.

Auswirkungen der Pandemie

Neben den bereits aus den Vorjahren bekannten regionalen, berufsfachlichen und qualifikatorischen Ungleichgewichten hat die Corona-Pandemie auch im Berichtsjahr 2020/21 den Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt deutlich beeinträchtigt. So sind sowohl die Anteile der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber als auch die der unbesetzten Ausbildungsstellen deutlich ungünstiger ausgefallen als vor der Pandemie.

Insgesamt waren am 30. September 2021 noch 63 200 unbesetzte Ausbildungsstellen zu vermitteln. Gegenüber dem Vorjahr waren das 3 200 mehr. Besetzungsschwierigkeiten traten insbesondere in Hotel- und Gaststättenberufen, in Berufen in Lebensmittelherstellung und verkauf, in der Gesundheitstechnik sowie in Bauberufen auf. Zeitgleich waren 24 600 Bewerber noch unversorgt. Damit blieben sechs Prozent der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber ohne Ausbildungsstelle oder alternativem Angebot.

Weniger Bewerber haben eine Berufsausbildung begonnen

Bis Ende September 2021 haben 199 500 Bewerberinnen und Bewerber eine Berufsausbildung begonnen, 16 600 weniger als im Vorjahr. Das entsprach einem Anteil von 46 Prozent. 16 Prozent wichen auf einen weiteren Schulbesuch, ein Praktikum oder ein Studium aus und zwei Prozent auf eine geförderte Qualifizierung wie eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme oder eine Einstiegsqualifizierung.

Weitere acht Prozent haben eine Arbeit aufgenommen, zwei Prozent engagieren sich in gemeinnützigen sozialen Diensten, und fünf Prozent haben sich arbeitslos gemeldet. Von 13 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber liegt keine Rückmeldung zum Verbleib vor.

Neben den unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern sind 43 200 junge Menschen zum 30. September dieses Jahres zwar in eine berufliche Alternative eingemündet, haben aber ihren Vermittlungswunsch in eine duale Ausbildung dennoch aufrechterhalten. Ihre Zahl liegt im Vergleich zum Vorjahr um 5 700 niedriger.

Vermittlung wird fortgesetzt

Um diese und die noch unversorgten Bewerberinnen und Bewerber mit den noch unbesetzten Ausbildungsstellen zusammenzubringen, werden die Vermittlungsaktivitäten bis mindestens Ende des Jahres fortgesetzt.

Außerdem werden sich in den nächsten Wochen erfahrungsgemäß noch junge Menschen melden, die aus unterschiedlichen Gründen wieder auf der Suche nach einer Ausbildung sind. Auch Betriebe melden Ausbildungsstellen, die frei geworden sind. pm

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