Der Strukturwandel im Ländle

+
Der Strukturwandel durch die weltweite Digitalisierung hat schon heute erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg. Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren noch verstärken wird.

Die Agentur für Arbeit mahnt zum Handeln, um negativen Auswirkungen des Strukturwandels in Baden-Württemberg vorzubeugen. Auch mit Blick auf die Wahl eines Ausbildungsplatzes sollten die kommenden Veränderungen beachtet werden.

Schon seit einigen Jahren verändern strukturelle Einflüsse den baden-württembergischen Arbeitsmarkt. Dies hat das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit Baden-Württemberg zum Anlass genommen, die Folgen dieses Strukturwandels für den Arbeitsmarkt aufzuzeigen und notwendige Konsequenzen daraus abzuleiten.

Im Fokus des Diskussionspapiers stehen die vier wichtigsten strukturellen Trends: Digitalisierung, Elektromobilität, zunehmende Bedeutung des Umweltschutzes und demografische Veränderungen.

Bereits seit einigen Jahren zeigen diese Trends ihre Wirkung am Arbeitsmarkt, zum Beispiel anhand steigender Bedarfe an Höherqualifizierten und an spezifischen Kompetenzen oder anhand der Alterung der Beschäftigten. Die Folgen der Digitalisierung werden anhand von zwei Fragen dargestellt: Welches Potenzial haben digitale Technologien, Tätigkeiten in Berufen zu ersetzen aktuell, und inwieweit verändert Digitalisierung Umfang und Struktur des Arbeitskräftebedarfs langfristig? So beträgt zum Beispiel der Anteil der Beschäftigten in Baden-Württemberg, deren Tätigkeiten überwiegend digital erledigt werden könnten, in 2019 36,8 Prozent. Es wird erwartet, dass der digitalisierungsbedingte Auf- und Abbau von Arbeitsplätzen bis 2040 über eine halbe Million Stellen umfassen könnte.

Als Auswirkung der zunehmenden Elektromobilität werden überwiegend negative Effekte erwartet, insbesondere im Raum Stuttgart. Hier könnten bis zu 26 000 Arbeitsplätze, 17 000 direkt im Fahrzeugbau, verloren gehen.

Für die Zunahme von Umwelt- und Klimaschutz beschreibt das IAB sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf den Arbeitskräftebedarf. So wird es voraussichtlich einige Branchen geben, deren Arbeitskräftebedarf schrumpfen wird (zum Beispiel Kfz-Handel und Reparatur und Instandhaltung von Kfz) und andere Branchen (zum Beispiel Dienstleistungen für den Verkehr oder das Baugewerbe), die einen steigenden Bedarf an Arbeitskräften haben werden.

Aufgrund der demografischen Veränderungen wird das Erwerbspersonenpotenzial in Baden-Württemberg laut Erwartung der Arbeitsmarktexperten nach 2025 spürbar sinken. Der Rückgang der Erwerbspersonenzahl bis 2030 wird mit circa 50 000 beziffert.

Silke Hamann, wissenschaftliche Mitarbeiterin vom IAB ergänzt: „Insgesamt wird es auch in Berufen, die schon gegenwärtig Engpässe an Fachkräften verzeichnen, voraussichtlich zukünftig noch weiter steigende Bedarfe an Arbeitskräften geben.“ Um Fachkräfte zu sichern und den Strukturwandel in Baden-Württemberg erfolgreich zu gestalten, beschreibt die Regionaldirektion Baden-Württemberg folgende Handlungsfelder:

Potenzial der Schulabgänger nutzen

In Baden-Württemberg haben 32 Prozent der unter 25-jährigen Beschäftigten keine Berufsausbildung beziehungsweise keinen qualifizierten Abschluss. Um zukünftig genügend Fachkräfte zu gewinnen, soll für alle Jugendlichen ein qualifizierter Ausbildungsabschluss angestrebt werden.

Ausbau der beruflichen Weiterbildung

Weil sich im Zuge des Wandels die Anforderungen an die Kompetenzen auch von Fachkräften schnell ändern, sollten sich der Umfang und die Inanspruchnahme von Weiterbildungsangeboten erhöhen. Nur so kann zukünftig ein Mismatch zwischen benötigten und angebotenen Qualifikationen vermieden werden.

Erhöhung der Arbeitszeit von Frauen

Potenzial zur Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte bietet insbesondere die Erhöhung der Arbeitszeit von Frauen. In Baden-Württemberg liegt die Erwerbstätigenquote von Frauen bei 74,8 Prozent. Im Vergleich zu den Männern (8,2 Prozent) arbeitet jedoch mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen (51,8 Prozent) in Teilzeit.

Zuwanderung

Zudem sei eine gesteuerte Zuwanderung notwendig, um den Fachkräftebedarf zu decken. Akzeptanz, umfassende Willkommensstrukturen und finanzielle Unterstützung der Deutschsprachförderung bereits im Ausland sind dazu unerlässlich.

Berufliche Chancen für Langzeitarbeitslose

Auch für Langzeitarbeitslose ist Qualifikation ein wichtiger Schlüssel zur Arbeitsmarktteilhabe. Notwendig dazu sind Unterstützung von geförderter Teilhabe bis hin zu einer dauerhaften Integration in den Arbeitsmarkt.

Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, bilanziert: „Ziel soll es sein, dass es unter den Beschäftigten und Betrieben möglichst viele Gewinner und wenige Verlierer als Folge des Strukturwandels gibt. Ein Missverhältnis zwischen struktureller Arbeitslosigkeit und gleichzeitigen Fachkräftebedarf gilt es zu verhindern.“

Agentur für Arbeit

Zurück zur Übersicht: Beruf & Ausbildung

WEITERE ARTIKEL

Kommentare