Faszination Bauen

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Bauingenieurin Cornelia Schwarz (l.) bei einer Besprechung auf der Baustelle.

Spannende Herausforderungen und gute Perspektiven bietet die Ausbildung zum Bauingenieur. Ein anspruchsvoller Beruf, der längst keine Männerdomäne mehr ist.

Anspruchsvolle Bauprojekte planen und umsetzen und sich dabei immer neuen Herausforderungen stellen: Die Tätigkeit von Bauingenieuren ist äußerst abwechslungsreich, vielseitig und erfordert großes Verantwortungsbewusstsein. Wegen des hohen Baubedarfs in den kommenden Jahren bieten sich zudem hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten. Als junge Bauführungskraft hat Cornelia Schwarz erste Projekterfahrungen gesammelt.

Telefonate mit dem Bauherrn, Verhandlungen mit Lieferanten, Absprachen mit dem Polier auf der Baustelle: Die Bauingenieurin Cornelia Schwarz ist voller Elan im Einsatz, um das von ihr betreute Bauprojekt zu koordinieren und voranzutreiben. Seit Februar dieses Jahres organisiert sie für ihren Arbeitgeber, die Implenia Regiobau GmbH, den Bau eines Parkhauses mit Aussichtsturm und besonderer Stampfbetonfassade für die Landesgartenschau in Neuenburg am Rhein. „Die Arbeit an einem solchen Bauvorhaben verläuft in mehreren Phasen“, erläutert die Bauleiterin. „Zuerst geht es vor allem um die Arbeitsvorbereitung, das Erstellen der Baustelleneinrichtungs-, Termin- und Personalpläne sowie die Auftragsvergabe an Nachunternehmer und Lieferanten. Wenn die Bauarbeiten einmal begonnen haben, steht das Baustellenmanagement im Vordergrund. Dabei ist es wichtig, die Terminvorgaben immer im Auge zu behalten.“ Neben ihrem Fachwissen und organisatorischen Fähigkeiten ist für Schwarz vor allem die gute Zusammenarbeit mit ihren Kontaktpersonen wichtig.

Seit acht Jahren ist Cornelia Schwarz für ihren Arbeitgeber tätig. Schon früh hatte sie als Kind die Welt des Bauens intensiv kennengelernt, da ihr Vater Bauunternehmer war. Nach ihrem Abitur begann sie im Sommer 2013 den kooperativen Studiengang Bauingenieurin Plus an der Hochschule Biberach. Neben dem akademischen Bachelorabschluss erwarb sie im Rahmen ihres Studiums zusätzlich die Qualifikation als Beton- und Stahlbetonbauerin. „Besonders gereizt hat mich an dem fünfjährigen kooperativen Ausbildungsmodell die enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis“, erklärt sie. Wertvolle Baustellenerfahrung sammelte Cornelia Schwarz bei einem Auslandsaufenthalt in Norwegen – hier war sie am Bau einer anspruchsvollen Schrägkabelbrücke beteiligt. Ein weiteres sechswöchiges Praktikum absolvierte die angehende Bauingenieurin in Berlin, wo sie am Tunnelbau für die neue U-Bahnlinie 5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor mitgewirkt hat.

Nach erfolgreichem Studienabschluss übernahm Cornelia Schwarz 2019 erstmals als Bauleiterin ein größeres Projekt: In Albbruck war in einem aufwendigen Verfahren eine schadhafte Eisenbahnbrücke durch einen Neubau zu ersetzen. Das neue Bauwerk wurde unter sehr beengten Platzverhältnissen zwischen dem zu erneuernden Brückenbogen aus dem Jahr 1856 und einer bestehenden Straßenbrücke errichtet. „Die größte Herausforderung bestand darin, während einer vorgegebenen Sperrpause der Bahngleise von sieben Wochen im 24-Stunden-Betrieb und unter größtem Zeitdruck die alte Natursteinbrücke abzubrechen und den für den Verschub benötigten Querbau herzustellen. In weniger als zwei Stunden wurde der 6.500 Tonnen schwere Halbrahmen der neuen Eisenbahnüberführung in seine Endlage passgenau hydraulisch eingezogen. Da waren umfassendes Know-how, hundertprozentige Präzision sowie perfektes Zeitmanagement gefragt“, erinnert sich die Bauleiterin noch heute voller Begeisterung.

Seit Februar 2021 ist Cornelia Schwarz bei ihrem zweiten großen Projekt in Neuenburg im Einsatz. Probleme, sich in der nach wie vor männlich geprägten Berufswelt Bau durchzusetzen, hat die junge Frau nicht: „Meine Doppelqualifikation als Bauingenieurin und Betonbauerin bringt mir bei den Kollegen viel Respekt ein. Da spüre ich keine Vorbehalte.“ Hinzu kommt, dass der verstärkte Einsatz von Maschinen und technischen Hilfsmitteln die körperliche Belastung auf den Baustellen minimiert. Mit Blick auf ihre berufliche Zukunft ist die dynamische junge Frau äußerst optimistisch: „In unserer Branche gibt es auch in den kommenden Jahrzehnten viel zu tun – da sind engagierte Ingenieure immer gefragt.“ Außerdem ist sich Schwarz sicher, dass die Digitalisierung der Bauwirtschaft ein großes Entwicklungspotenzial bereithält.

Bauingenieur/in

Der Bedarf an qualifizierten Bau-Führungskräften ist hoch. Daher gibt es für junge Bauingenieure ausgezeichnete Karrierechancen. Ein Studium des Bauingenieurwesens ist an Universitäten sowie an Hochschulen für angewandte Wissenschaften möglich. Darüber hinaus bietet die Bauwirtschaft Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit den Hochschulen in Biberach, Karlsruhe und Stuttgart kooperative Bauingenieur-Studiengänge an. Dabei absolviert man parallel zum Bachelorstudium eine Ausbildung in einem Bauberuf, inklusive Gesellenbrief. Derzeit sind in Deutschland rund 70 000 Bauingenieure sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter 18 500 Frauen. Der Frauenanteil ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. pm

www.werde-bauingenieur.de
www.bau-dein-ding.de
www.bildung.bauwirtschaft-bw.de

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