Freiberufler – nicht für immer

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Ehemalige Selbstständige müssen einiges an Überzeugungsarbeit leisten, um während eines Bewerbungsgesprächs für eine Festanstellung Vorurteile zu entkräften.

Ehemalige Freiberufler müssen Personalchefs anders überzeugen.

Sein eigener Chef zu sein, bietet viele Freiheiten. Die Pflichten der Selbstständigkeit können jedoch auch so belastend werden, dass man sich eine Festanstellung zurückwünscht. Nicht umsonst eilt Selbstständigen der Ruf voraus, "selbst und ständig" zu arbeiten.

Es kann verschiedene Gründe geben, warum ein Wechsel zurück in die Festanstellung sinnvoll oder vielleicht sogar nötig ist. Oft seien es veränderte Lebensumstände wie die Gründung einer Familie oder die Pflege von Angehörigen, die zu der Entscheidung führen, erklärt die Wirtschaftspsychologin Eva Schulte-Austum aus Münster.

Auch eine Verschiebung der Prioritäten kann den Ausschlag geben: Vielleicht wünscht man sich mehr Sicherheit, weniger Verantwortung, oder einfach geregelte Arbeitszeiten.

Nicht zuletzt können Marktveränderungen, wie während der Corona-Krise, einen Effekt haben. Die Wirtschaftspsychologin betont, dass die Entscheidung nicht für immer sein muss: Man könne jederzeit in die Selbstständigkeit zurück, das sei heute viel üblicher als früher. Sogar eine selbstständige Tätigkeit neben der Festanstellung sei denkbar.

Aus Panik das Freiberufler-Leben hinzuwerfen, ist der falsche Weg: "Angst ist kein guter Berater", warnt Schulte-Austum. Rationales Denken und Entscheiden funktionierten im verängstigten Zustand nicht gut. Besser sei es, mit etwas Abstand zu überprüfen, warum der Wechsel in Frage kommt.

Der Weg in die Festanstellung gestaltet sich dann jedoch für viele schwierig. "Ein zentraler Grund hierfür ist die Skepsis, mit der Personalentscheider Selbstständigen mitunter begegnen", sagt David Reinhaus.

Selbstständige können sich anpassen

Jedoch seien diese Vorurteile nicht unbedingt gerechtfertigt, sagt der Experte mit Verweis auf eine Studie des Deutsches Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) von 2011. Im Vergleich der Persönlichkeitsmerkmale zeigte sich darin, dass Selbstständige kreativer und origineller, kommunikativer und emotional stabiler als Angestellte seien. dpa

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