Sand am Grund des Flusses

  • Weitere
    schließen

Kajak Die Soèa in Slowenien gilt unter Paddlern als der schönste Fluss in Europa. Jeder kann das smaragdgrüne Wasser vom Kajak aus erleben – sogar Familien. Frederik Jötten

ildwasser-Kajak, das ist doch eine der wenigen Sportarten für die ganze Familie", sagt Claus-Peter Voelckers, Familienvater aus der Pfalz, im Urlaub in einem Gasthaus in Szesoèa, Slowenien. An diesem Abend werden in der deutschsprachigen Soèa Kajakschule die Kurse für die kommende Woche eingeteilt. Anderthalb Jahre zuvor haben seine Frau und die beiden Kindern mit dem Wildwasser-Kajakfahren angefangen, jetzt sind sie zusammen angereist, um in einem Kurs ihre Paddeltechnik zu verbessern.

Die Soèa entspringt in Slowenien und mündet nach 140 Kilometern in den Golf von Triest. Wegen ihres kristallklaren Wassers, der naturbelassenen Landschaft, des warmen Klimas und Strecken in allen Schwierigkeitsgraden – von langsam strömend bis zum reißenden Wildwasser – gilt sie unter Paddlern als schönster Fluss Europas. Die gleichnamige Kajakschule bietet denn auch Kurse in allen Schwierigkeitsstufen. Die Voelckers haben einen Kurs für Fortgeschrittene gebucht. Tochter Annika, 17, und Sohn Philipp, 15, haben sich anderen Gruppen angeschlossen als ihre Eltern. "Ist besser so, es gibt sonst nur Stress auf dem Wasser", sagt Mutter Ute. "Es ist oft besser, wenn Eltern und Kinder getrennt Unterricht nehmen – dann lernen beide mehr", entgegnet Ana, die Kajaklehrerin. Am nächsten Morgen, nach einer kurzen theoretischen Einführung zur Kajak-Technik, geht es in die Boote. Ihr Wasser schimmert türkisgrün, am Grund weißer Sand. Für einen Moment fühlt man sich an die Karibik erinnert. Dieser Abschnitt der Soèa wird auch Panorama-Strecke genannt. Der Fluss fließt hier in einem weiten Tal, die Bergketten sind bewaldet bis zum Gipfel, vereinzelte Felsen schauen heraus. Die Julischen Alpen sind steil. Die Landschaft wirkt trotz hoher Niederschlagsmengen trocken, die Vegetation mediterran, denn das Wasser verschwindet in Karsthöhlen. Daraus speist sich die Soèa, die deshalb auch im Hochsommer genügend Wasser zum Paddeln hat. Der erste Kurstag geht zu Ende, ohne dass jemand kentert.

Für die Eltern steht eine Etappe flussaufwärts von Cezsoèa an. Auf ihr gibt es eine Stelle, die Frauenschlucker genannt wird, weil dort angeblich viele Frauen kenterten. "Ist überhaupt nicht gefährlich", sagt sie. "Schaut her, den kann man sogar küssen." Sie lässt sich von der Strömung auf die Wand zu treiben und berührt diese mit dem Mund. Claus-Peter fährt hinterher – an der Wand angekommen kippt er das Boot allerdings so, dass die Strömung ihn kentern lässt. "Der Frauenschlucker ist heute doch eher ein Männerspucker", sagt er.

Mehr zum Thema

Zurück zur Übersicht: Freizeit & Reisen

WEITERE ARTIKEL