Sauberer durch den Schlamm kommen

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Für Geländewagen soll es mit der Extreme E eine eigene Offroad-Rennserie nach dem Vorbild der Formel E geben.

Inzwischen präsentieren die Fahrzeughersteller die ersten elektrisch angetriebenen Allradmodelle.

Der Staub steht in der Luft wie dichter Nebel, im hohen Bogen fliegt der Kies aus der Grube und der Schlamm spritzt meterweit. Auf den ersten Blick ist alles wie immer, wenn Jürgen Eberle durch den Offroad-Park im schwäbischen Geisingen pflügt. Doch statt des üblichen Brüllens hochdrehender Motoren liegt gespenstische Stille über dem Abenteuerspielplatz für große Jungs. Nur das Prasseln der aufgewühlten Steine ist zu hören.

Der Grund: Der dreckstarrende Dienstwagen des Mercedes-Ingenieurs ist ein E-Auto. Dass dieser EQC mit seinen Portalachsen und breiten Kotflügeln trotzdem aussieht wie aus einem Endzeitfilm entsprungen und hier im Gelände jeder G-Klasse die Schau stiehlt, hat einen einfachen Grund: «Wir wollten beweisen, dass der Spaß mit dem Elektroauto dort nicht aufhören muss, wo der Asphalt zu Ende ist», sagt der Entwickler, bevor er den Wagen die nächste Senke hinunter stürzen und noch einmal tief im Schlamm wühlen lässt.

Zwar denkt Mercedes nicht einmal im Traum daran, ein Auto wie diesen 4x4² getauften EQC in Serie zu bauen. Doch will Eberle den Prototypen auch als Wegbereiter für eine elektrische G-Klasse verstanden wissen, die Firmenchef Ola Källenius gerade angekündigt hat.

Viele rollen künftig elektrisch

Auch andere Geländegänger wollen unter Strom fahren. Jeep hat bereits einen reinen E-Geländewagen angekündigt. Bei Land Rover macht man keinen Hehl aus den Planungen für einen Batterie-Bruder von Defender & Co. General Motors will Ende 2021 sogar den legendären GMC Hummer reanimieren. Drei E-Motoren setzen ihn mit bis zu geschätzten 1000 PS unter Strom. Seine Vierradlenkung lässt ihn zudem bei Bedarf wie eine Krabbe auch diagonal fahren.

Am weitesten geht aktuell Alejandro Agag. Der Sportpromoter hat bereits die Formel E aus der Taufe gehoben und will den Gedanken mit der Serie Extreme E nun vom Rundkurs in die Wildnis übertragen. Dafür hat er als Einheitsauto für alle Teams eine Art Batterie-Buggy mit 400 kW/550 PS und riesigen Federwegen entwickeln lassen.

Elektrisch auf allen vieren auch im Alltag

Man muss aber gar nicht so weit ins Extrem gehen. Schon jetzt ist die neue Technik für viele Hersteller erste Wahl, wenn es um bessere Traktion geht. Insbesondere bei den so beliebten SUVs in der Kompaktklasse. Denn wo Modelle wie der Opel Grandland X als Verbrenner mittlerweile nur noch mit Frontantrieb ausgeliefert werden, fahren sie als Plug-in-Hybride mit einem E-Motor an der Hinterachse doch auf allen Vieren. Jeep hat sogar die konventionellen Allradvarianten bei Renegade und Compass komplett aus dem Programm gestrichen. Stattdessen haben die Ingenieure den Antrieb so konfiguriert, dass der Benziner selbst bei leerem Akku immer genügend Strom produziert, damit den E-Maschinen im Schlamm oder Schnee nie der Saft ausgeht.

Wo unsere Diesel bislang oft die Wildtiere verscheucht haben, nähern wir uns künftig so leise, dass die Löwen einfach völlig unbeeindruckt liegen bleiben.

Entwickler

Neue Möglichkeiten für Fahrdynamiker

Der elektrische Allradantrieb dient nicht nur dem Durchkommen bei widrigen Bedingungen, sondern eröffnet auch den Fahrdynamikern ganz neue Möglichkeiten. Das beweist Audi im E-Tron S, bei dem zum Motor an der Vorderachse gleich zwei E-Maschinen im Heck montiert sind.

Das Ergebnis ist nicht nur ein Sprung von 300 auf 320 kW Systemleistung ohne und 370 kW mit Boost, teilt Audi mit. Sondern beide Motoren an der Hinterachse haben keine mechanische Verbindung und können einzeln angesteuert werden.

Mit leisen Autos auf Safari

Wo das so genannte Torque-Vectoring sonst nur über das das Abbremsen eines Rades gelingt, bringt der E-Tron S einfach mehr Kraft auf das äußere Rad und kommt so spürbar schneller ums Eck. Während die Elektronik vorne das Untersteuern einbremst, dreht sie das Heck so mit Nachdruck in die Kurve, erläutert der Hersteller aus Bayern.

Hightech und grüne Energie, das mag für manche allerdings überhaupt nicht zu den dreckigen Abenteurern passen. "Doch streng genommen ist der Elektroantrieb gerade im Gelände ideal", meint Dag Rogge, Chef einer Agentur, die sowohl Offroad-Expeditionen ans Ende der Welt sowie PR- und Kundenevents für E-Autos veranstaltet.

Das sofort verfügbare Drehmoment und die vergleichsweise einfache Verteilung der Kraft auf jedes einzelne Rad, im besten Fall noch ohne mechanische Systeme wie Differenzialsperren, machten aus einem Stromer den perfekten Wühler in unwegsamem Gelände, argumentiert Rogge. dpa

Ab Ende 2021 soll der elektrische GMC Hummer in einem Spezialmodus ähnlich einer Krabbe auch diagonal fahren können.

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