Valentin kämpft sich zurück ins Leben

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Valentin Lang aus Donzdorf ist eine Kämpfernatur: Der junge Mann begegnet der Krankheit "Krebs" seit rund vier Jahren mit viel Lebensmut und Lebenswillen.

Im Mai 2015 kehrte dann bei Valentin Lang der Krebs erneut zurück. Prof. Dr. Hebart versuchte eine Antikörper-Therapie, bei Valentin als einer der ersten Patienten mit dieser Erkrankung eingesetzt. Tatsächlich bekam er die erneute Krankheit in den Griff, es wurden keine Krebszellen mehr festgestellt. Er führte sie wöchentlich weiter, bis Valentin mehrere Lungenentzündungen davon bekam. Daraufhin wurde die Antikörper-Therapie abgesetzt.

Das Jahr 2016 ließ sich gut an, Valentin lief viel, suchte sich einen Nebenjob bei ZF. Kaum hatte er dort angefangen, ging es wieder bergab. Also zurück ins Stauferklinikum. Es folgten erneut dramatische Momente. "Ich hatte Fieber. Ich zitterte so heftig, dass mich vier Leute heben mussten. Dank des Antikörpers ging es mir nach einer Woche wieder relativ gut. Der Prof meinte, es sei kurz vor knapp gewesen. Seit diesem Tag im Juni 2016 bin ich krebsfrei. Jetzt gehe ich alle zwei Wochen zur Behandlung", lächelt Valentin erleichtert.

Start in die Ausbildung

Mit neuem Mut kümmerte sich Valentin um einen Ausbildungsplatz als Automobilkaufmann. Nach etlichen Absagen endlich die Zusage. Diese zieht der potenzielle Arbeitgeber jedoch zurück, als er von Valentins Diagnose Knochensterben erfährt. Danach fragte er nochmals bei einem anderen Unternehmen nach und dort wagt man mit ihm den Schritt, worüber er sehr glücklich ist. "Aber es ist wie verhext. Ich hatte gerade angefangen, da bekam ich massive Probleme beim Laufen und in den Ellenbogen. Das Knochensterben ging richtig los", fährt Valentin fort.

Eine Stammzellentherapie

Stoßwellen- und Elektrotherapie schlugen nicht an, Bohren zur Anregung des Knochenwachstums durch die Orthopädie in Tübingen wollte Valentin aufgrund seiner gerade angefangenen Ausbildung nicht. Man einigte sich auf eine Stammzellentherapie mit Umwandlung in Knochen. Doch die abgestorbenen Knochen waren schon gebrochen. Seit August 2016 ist Valentin deshalb auf Krücken unterwegs. Im Mai 2017 operierten die Ärzte sein rechtes Knie, im Oktober 2017 dann das linke. "Rechts lief es prima, links geht es so, da hakt's immer. Mal zwei Monate abwarten, vielleicht schleift es sich ab", meint Valentin voller Optimismus.

In diesen Irrungen und Wirrungen musste Valentin einen weiteren Schicksalsschlag verdauen. Cedric, einer seiner besten Freunde, der auch im Auslandsjahr dabei war, erkrankte 2016 ebenfalls an einem sehr aggressiven Krebs. Auch bei ihm zog sich die Diagnose hin.

Schlimme Komplikationen

Ich bin echt froh, dass ich so tolle Eltern habe.

Valentin Lang

Sehr schlimme Nebenkomplikationen begleiteten sein Leiden. Sein Vater spendete Stammzellen für eine rasche Transplantation. Anfangs schien noch alles den Umständen entsprechend zu verlaufen. Doch dann kam es plötzlich ganz anders und Cedric verstarb noch vor Ostern. Konnte das reiner Zufall sein?

Drei Vermutungen kamen den jungen Männern vom Neuseeland-Abenteuer in den Sinn: Während des Auslandsaufenthalts hatten alle eine Entzündung im Gesicht gehabt, Valentin und Cedric am längsten. Eventuell hatte das Immunsystem schlappgemacht. Damit waren sie angreifbarer für diese seltenen, sehr aggressiven Krebsarten. Oder hatte die Nähe zu Fukushima etwas damit zu tun? Oder könnten die früheren Atomtests der Engländer in diesem Gebiet schuld sein? Sofort wurden die beiden anderen untersucht. Bei ihnen fanden die Ärzte nichts.

Große Dankbarkeit

Valentin Lang und seine Eltern sind Prof. Dr. Hebart unendlich dankbar für seine Hilfe. "Er und sein Team kümmern sich unglaublich. Valentin verdankt ihm sein Leben. Er hat immer alles für Valentin getan. Wenn ich alles Geld der Welt hätte, würde ich Valentin trotzdem bei ihm lassen, denn da ist er bestens aufgehoben. Wir haben viel Menschlichkeit in diesem kleinen Klinikum erfahren", schwärmt Valentins Mama. "Ich glaube, ich war manchmal ein ziemlicher Ärzteschreck. In Tübingen warf ich sogar mal einen Arzt aus dem Zimmer. Dabei haben die sich dort auch immer sehr gut um mich gekümmert", schmunzelt Valentin.

Im Moment ist Valentin krankgeschrieben. Wahrscheinlich wiederholt er das zweite Ausbildungsjahr, weil er zu viel verpasst hat. "Es ist einfach Kacke gelaufen. Denn es macht richtig Spaß und es ist schön, was zu tun zu haben. Ich will erst mal wieder gehen können und dann sofort zurück", freut sich Valentin Lang auf seine berufliche Zukunft.

Ganz viele Pläne

Außerdem will er mit seinem E-Bike losziehen, mit Aaron laufen, mit dem Motorrad durch die Kurven der Schwäbischen Alb düsen und Auto fahren. Zu Hause herumsitzen deprimiert ihn, weil er nichts machen kann. "Meine Eltern mussten und müssen viel ertragen und mitmachen. Ich bin echt froh, dass ich so tolle Eltern habe. Es hat uns zusammengeschweißt, denn vorher war ich ja doch schon recht flügge. Jetzt bin ich auf ihre Hilfe angewiesen. Selbst in den übelsten Zeiten hat mich meine Mama gepflegt", lächelt Valentin seine Mutter an. Sie ist gerührt von den lieben Worten, die aus tiefstem Herzen kommen.

Wir haben viel Menschlichkeit in diesem Klinikum erfahren.

Mutter von Valentin Lang

"Selbstheilungskräfte können viel bewirken. Aber jetzt langt es langsam. Mit einer anderen Einstellung wäre es bestimmt anders gelaufen, immerhin hatten mich die Ärzte schon mehrfach aufgegeben. Aber ich wollte nicht. In meinem Universum gibt's das nicht, dass DER gewinnt", äußert Valentin sich deutlich. Er komme ganz gut selbst klar, sagt er. Psychologische Helfer waren für ihn nicht hilfreich. "Die sitzen auch nur geflasht da und sagen, man müsse die Situation akzeptieren", ergänzt er frustriert.

Vergangenes Jahr waren Valentin und seine Mutter "auf dem esoterischen Trip". Eine Kinesiologin empfand seine Kette aus Neuseeland als böse und verbot ihm das Tragen. Eine Heilerin sah ihn mit Seelen sowie Geistern aus früheren Leben beziehungsweise Neuseeland behaftet und trieb sie ihm aus. "Chakren und solche Dinge kann ich noch akzeptieren. Aber der Rest war schon seltsam", grinst Valentin.

Das Umfeld bricht weg

Eine Sache stimmt Valentin und seine Eltern allerdings sehr traurig: der Umgang seines Umfelds mit der Krankheit. "Die Gesellschaft erlaubt keine Anteilnahme. Anfangs hieß es noch ‚Ach wie schlimm'. Doch das Interesse sinkt. Auf Arbeit oder bei Verwandten und Freunden will man nichts mehr über die Krankheit hören. Es meldet sich niemand mehr in der Überzeugung, man könne eh nicht helfen. Es herrscht Überforderung. Somit sortieren sich die Freunde mit der Zeit aus", bedauert seine Mutter. Dabei wäre Hilfe und Unterstützung so einfach. Valentins Freunde rasierten sich aus Anteilnahme die Haare ab, als Valentin seine verlor. "Ab und zu mal eine Taxifahrt für Valentin oder ein netter Gruß oder ein Abend auf einem Konzert oder in der Bar würde schon genügen", gibt seine Mutter dabei zu bedenken.

Keine Zeit für Social Media

Abschließend zeigt Valentin Bilder der Behandlungen auf seinem Smartphone. Manche sind grausam anzuschauen. Auf die Posting-Wut mancher zu ihrer Krankheitsgeschichte angesprochen, zuckt Valentin mit den Achseln. "Ich war so mit dem Überleben beschäftigt, dass ich keine Zeit zum Posten auf Facebook und Instagram hatte. Die meisten sind ein dreiviertel Jahr krank und dann krebsfrei. Da hatte ich andere Sorgen. Die Zeit zieht vorbei, jeder Tag ist gleich, das Zeitgefühl kommt abhanden. Im Nachhinein erwische ich mich manchmal beim Gedanken, man hätte auch alles als Erinnerung dokumentieren können. Aber will man sich an das Ganze erinnern?"

Teil 1 des Beitrags ist in der Vorwoche bei inSchwaben erschienen. Wer ihn verpasst hat, kann ihn nachlesen unter: www.gmuender-tagespost.de/1655614/

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Gemeinsame Stunden genießt die Familie Lang aus der Stadt Donzdorf besonders intensiv.
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