Wo unbekannte Künstler begeistern

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Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
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Beim Ausräumen der einstigen Münsterdruckerei kommen Gemälde und andere Raritäten zutage. Demnächst stehen die Antiquitäten zum Kauf.

Schwäbisch Gmünd

Wer die Eingangstür der ehemaligen Münsterdruckerei öffnet, betritt eine andere, längst vergangene Welt. Es beginnt ein Spaziergang durch Epochen, Modestile und Jahrhunderte. Objekte aus Renaissance, Barock und Rokoko, von Empire bis Art Deko ziehen den Blick magisch an. Automatisch verlangsamt sich der Schritt. Fasziniert vom kunstvollen Handwerk, den Einlegearbeiten an einem Schrank. Würde man ihn heute in Auftrag geben, wäre er wohl unbezahlbar. Zudem gäbe es kaum mehr Möbelschreiner, die diese alte Kunst der Holzverarbeitung kennen. „Das ist ein Ulmer Brandschrank“, informiert Kurt Krockenberger. „Toll erhalten.“ Er datiert ihn auf 1666.

Auf die Frage, warum er das so genau weiß, lächelt der Antiquitätenspezialist vom Haus der Kunst in Remshalden-Grunbach und deutet auf die Leiste über den Schranktüren. Eingearbeitet in die aufwendige Ornamentik kann man beim genaueren Betrachten die Jahreszahlen entziffern.

Bei Feuer an den Griffen packen

Krockenberger erzählt, dass es diverse Stadtbrände in Ulm gegeben habe. Als Konsequenz wurden an schwere Möbelstücke außen Haltegriffe angebracht, damit man beim nächsten Brandereignis den kostbaren Schrank samt Inhalt vor den Flammen retten kann durch schnelles Hinausbefördern aus dem Haus. „Und dies ist ein Doppeladlerschrank von 1650“, deutet Krockenberger auf ein Möbelstück daneben. „Hier hat es wirklich Schätze“, blickt er sich begeistert um.

Momentan ist Krockenberger mit seinem Team damit befasst, das komplette Inventar aus der einstigen Münsterdruckerei, die vor sieben Jahren ihre Pforten schloss, zu sichten. Und aus allen Winkeln und Ecken nach unten ins Erdgeschoss zu bringen. Hier wird es in Kürze die Gelegenheit geben, die Antiquitäten zu kaufen. Den Auftrag der Räumung und Einschätzung der einzelnen Stücke erhielt er von den Nachkommen des Druckers Hans-Bernhard Kraus, einer Erbengemeinschaft.

Künstler auf Hundehalsband

Der Antiquitäten-Fachmann führt schließlich zu Gemälden in schweren Goldrahmen. „Die haben wir auf dem Dachboden gefunden“, informiert er. Es handelt sich um porträtierte Personen, auch Kinder. Die Gemälde stammen aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Meist nicht signiert. „Das war im 17. und 18. Jahrhundert nichts Ungewöhnliches“, sagt Krockenberger. Doch beim Blick auf einen ebenso gemalten Hund, deutet er auf das Halsband. Auf diesem hat sich der Künstler dann doch verewigt. Einige Ölgemälde stammen von Georg Strobel, der 1735 in Schwäbisch Gmünd auf die Welt kam. Er war Maler, Zeichner und Grafiker. Bei den abgebildeten Personen handelt es sich um Damen und Herren aus dem Patriziergeschlecht der Debler.

Und weiter geht’s zu einem Tisch, auf dem man sich in der Epoche des Art Deko um 1920 wiederfindet. Denn ein Tischaufsatz aus Silber grüßt. Oben wurden Blumen platziert, unten auf der Schale Obst oder Konfekt. Links davon ein Damen-Sekretär, auf dem Wiener Porzellan steht. Und eine „Schorndorfer Vase“, ein seltenes Stück.

„Das hab‘ ich noch nie gesehen“, strahlt Krockenberger dann angesichts eines Barocktisches um 1740, inklusive Ansetztischen zur Verlängerung der Tafel. Wenn keine Gesellschaft war, wurden sie als eine Art Sideboard separiert an die Wände gestellt. Um dann bei einer Festivität an den Tisch geschoben zu werden. Dieser steht übrigens auf „Geißfüßen“, ein lustiges Accessoire.

Frage des Stils und des Geldes

Keine Frage, die einstigen Hausbewohner hatten Stil und das nötige Kleingeld, das sie in Kunstschätze anlegten. Wohl auch in den Jakobspilger aus Lindenholz, gefasst mit Farbe, aus dem 17. Jahrhundert. Oder in die steinerne Madonna, die satte zwei Zentner auf die Waage bringt. Dazu allerlei Porzellan aus vielen Epochen, Kerzenleuchter, silberne Etuis, in denen die Dame des Hauses ihre Visiten- oder Tanzkarten aufbewahrte. Oder einen Trommelsekretär, in dem noch Briefbögen der Druckerei liegen, ein „Blindschrank“ aus der Zeit des Empire, Portraitmalerei auf Elfenbein und, und, und.

Dann steht Kurt Krockenberger vor einer alten Registrierkasse und dreht seitlich. „Die ist noch voll funktionsfähig“, beweist er. Und deutet schließlich an die Decke. Dort präsentiert sich ein großes, ovales Heiligenbild von keinem Geringeren als Johann Wannenmacher. Eins von insgesamt dreien, die sich an Decken im Erdgeschoss des Hauses zeigen. „Um die 1790er“, schätzt der Fachmann die Entstehungszeit. Diese Stücke sind natürlich untrennbar mit dem Haus verbunden und unverkäuflich.

Das habe ich noch nie gesehen.“

Kurt Krockenberger, Antiquitätenkenner
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
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Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei
Bislang unbekannte Gemälde aus drei Jahrhunderten auf dem Dachboden der einstigen Münsterdruckerei gefunden.
Gemälde aus 3 Jh. in der Münsterdruckerei

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