Wort zum Sonntag

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Irmgard Wiest

Herzenshöflichkeit

Bei einer Besprechung hörte ich den Begriff der „Herzenshöflichkeit“, der mich sehr angesprochen hat. Die Philosophin Natalie Knapp versteht unter Herzenshöflichkeit eine Haltung, die uns so mit einem anderen Menschen verbindet, dass unsere eigene Würde und die Würde des anderen dabei gleichermaßen zum Vorschein kommen. Mit winzigen Gesten der Höflichkeit kann man sie praktisch einüben, indem man bemerkt, welchen Beitrag der oder die andere für das Gelingen eines guten Miteinanders in der Gesellschaft leistet und indem man ihm oder ihr zeigt, dass man sich dadurch beschenkt fühlt und das zu schätzen weiß. Gerade in diesem Sommer, wo uns vor Augen geführt wurde, wie schnell sich die Lebenssituation durch plötzliche Ereignisse verändern kann, wurde „Herzenshöflichkeit“ sichtbar durch viele Zeichen der Unterstützung – nicht nur materiell. Auch Jesus war von Herzenshöflichkeit geprägt. Ihm war die Würde jedes Menschen wichtig. Mit seinen Worten und Taten zeigte er, dass er mit dem Herzen unterwegs ist. „Alles, das du von anderen erwartest, das tu auch ihnen!“ – Mt 7,12. Diese goldene Regel ist die Grundlage für Herzenshöflichkeit: Ein Gespür für die Kostbarkeit des Lebens haben, mich leiten lassen von dem, was ich mir selbst für mein Leben wünsche: Ein wertschätzendes, einfühlsames, von Rücksicht geprägtes Miteinander, so dass spürbar und sichtbar wird, der oder die hat das Herz auf dem richtigen Fleck – hört, sieht und vor allem spürt, was Menschen brauchen. Mit Herzenshöflichkeit einander beschenken und dadurch selbst beschenkt werden, kann dem Alltag eine positive Blickrichtung geben.

Irmgard Wiest

Seelsorgerin bei Menschen mit Behinderung, Dekanat Ostalb

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