Schwäbische Tracht: Traditionelle Mode erlebt einen Aufschwung

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Schwäbische Trachtenmode – einzigartig und beliebt

In vielen Regionen des deutschsprachigen Raums lässt sich eine erstarkende Erinnerungskultur bezogen auf alte Werte und Traditionen beobachten. Visuell zeigt sich dies vor allem durch das Tragen von Trachtenmode – insbesondere von jungen Generationen. Zu entsprechenden Volksfesten und anderen Gelegenheiten haben sie zwar immer dazugehört, doch auch als Arbeits- und Freizeitoutfits erfreuen sich die Kleidungsstücke wachsender Beliebtheit – im klassischen wie auch zeitgenössischen Stil.

Warum die schwäbische Trachtenmode so einzigartig ist, welche Bedeutung dahintersteckt und wie die Träger und Trägerinnen diese neu interpretieren, beleuchten wir im Folgenden.

Warum die schwäbische „Drachdenmod“ so einzigartig ist

Die Trachtenmode aus Schwaben ist so vielfältig wie schwäbische Dialekte. Eine typische Tracht gibt es demnach nicht. Von Region zu Region unterscheiden sich die Dirndl und Lederhosen – mal eindeutiger, mal versteckter in kleinen Details. Diese besonderen Akzente sind es übrigens auch, die die schwäbische von der berühmten bayerischen Tracht deutlich abgrenzen. Während insbesondere Letztere stark durch den modernen Zeitgeist beeinflusst wurde und noch wird, setzen Trägerinnen und Träger der altschwäbischen Trachtenmode eher die ursprünglichen Kleidungsarten und deren Bedeutung für die Gesellschaft in den Fokus. 

Die Bedeutung der Trachtenmode – früher und heute

Allem voran galt die Tracht einst vorrangig als Arbeitskluft: Leder ist leicht zu reinigen, sehr robust, wasserabweisend und warm. An den Schürzen der Dirndl ließen sich die Hände schnell abwischen und im Nachhinein konnte diese separat gewaschen werden. Gleichzeitig gab sie auf den ersten Blick Auskunft über Religion, Herkunft oder Familienstand.

Heute steht die Tracht vor allem für eines: die Rückbesinnung auf alte Traditionen und Werte, die insbesondere in schwierigen Zeiten das Gefühl von Halt schenken können.

Moderne Mädla und Kerle tragen Tracht im zeitgenössischen Gewand

Die klassische schwäbische Tracht weist spezifische Stilmerkmale auf: Dirndl und Bluse tragen die Damen hochgeschlossen und der Rock reicht bis zu den Waden. Bezeichnend ist zudem das Halstuch, das den Hals wie ein Collier umschließt. Üblicherweise sind die Kanten von Muschelspitze umsäumt und die Zipfel zieren den Rücken. Früher durfte außerdem eine der besonderen Kopfbedeckungen nicht fehlen. Bei den Herren reichen die sorgsam gemusterten Lederhosen ebenfalls bis weit über das Knie, gesäumt von einem Bündchen, dessen Fäden oft locker hinabhängen. Dazu gehören ein weißes Leinenhemd und eine Weste mit eng aneinanderliegenden Münzaufnähern.

Während sich die Garderobe historisch eher geschlossen und dunkel präsentierte, haben die Trägerinnen und Träger heute deutlich mehr Spielraum. Konventionelle Schnitte, Farben und Muster lassen sich daher immer wieder neu interpretieren – wie zum Beispiel die Trachtenmode vom Ausstatter Wirkes.

Geprägt wird dieser Wandel vor allem durch die jungen Generationen, die den Wunsch hegen, traditionelle Werte mit zeitgenössischen Stilen zu verbinden. So zeigen sich Dirndl und Lederhosen nun in unterschiedlichen Längen, mit bunten Mustern und verspielten Accessoires. Auffällig sind vor allem die farbenfrohen Westen der Herren und die geringelten Strümpfe der Damen. Für spezielle Anlässe wie Hochzeiten darf es gern auch etwas edler sein.

Darüber hinaus greifen junge Leute im Alltag immer häufiger zu einzelnen Kleidungsstücken. Die Trachtenbluse, das gebräuchliche Hemd oder die aufwendig gestaltete Weste tragen sie dann kurzerhand zu einem luftigen Rock oder zur Jeans.

Autor: Sabrina Flügge

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