1. Startseite
  2. Themenwelten
  3. Soziales & Gesundheit

Unterschätztes Heilmittel

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Wolfgang Maurer

Kommentare

Prof. Dr. med. M. Heinrich Seegenschmiedt erklärt Chefredakteur Lars Reckermann, wie eine Strahlentherapie zur Heilung von Gelenkerkrankungen eingesetzt werden kann.
Prof. Dr. med. M. Heinrich Seegenschmiedt erklärt Chefredakteur Lars Reckermann, wie eine Strahlentherapie zur Heilung von Gelenkerkrankungen eingesetzt werden kann. © Oliver Giers

Strahlen werden als Tumorkiller eingesetzt. Weit weniger bekannt: Eine Strahlentherapie kann auch bei gutartigen Erkrankungen eingesetzt werden. Prof. Dr. med. M. Heinrich Seegenschmiedt erläutert die erstaunlichen Möglichkeiten.

Strahlentherapie zur Heilung und Schmerzlinderung bei Tennisarm und Fersensporn? Geläufig ist die Strahlentherapie als eine der drei Säulen bei der Behandlung von Krebs – im Verbund mit der Chirurgie und der Chemotherapie. Aber der gezielte Einsatz von Strahlung bietet weit umfangreichere Möglichkeiten, erklärt Prof. Dr. med. M. Heinrich Seegenschmiedt. Der Facharzt für Strahlentherapie und Radioonkologie erklärt, dass die Ziele bei gutartigen Erkrankungen die gleichen sind, wie bei bösartigen Erkrankungen: Schmerzen lindern, Funktionen verbessern und erhalten, Lebensqualität verbessern. 

Keine Angst vor der Strahlung

Nehmen wir das Beispiel Fersensporn. Seegenschmiedt erklärt anschaulich die Ursache der Erkrankung und wie eine Bestrahlung als Therapie eingesetzt werden kann. Aber sich dafür freiwillig einer erhöhten Strahlendosis aussetzen? Seit Anbeginn ist die Erde permanenter Strahlung ausgesetzt – und alles, was auf ihr lebt. Vor diesem Hintergrund erläutert der Strahlentherapeut die Risiken und Einschränkungen. Aber auch die Vorzüge: „Wir haben die Chance, einen sehr natürlichen Stoff durch technisch hoch qualifizierte Leute kontrolliert auf Menschen einwirken zu lassen, an Stellen, die sonst nicht zugänglich sind.“

Über 125 Jahre Erfahrung

Die positiven Effekte einer Strahlentherapie wurden früh entdeckt. Bereits zwei Jahre nach der Entdeckung der Röntgenstrahlung wurde sie ab 1897 angewandt und weiterentwickelt. Zur Behandlung gutartiger Erkrankungen wird sie schon länger eingesetzt als zur Therapie gegen Tumore. Seegenschmiedt, Vorsitzender der nationalen DEGRO Arbeitsgemeinschaft Radiotherapie von gutartigen Erkrankungen, ist es ein Anliegen, die Anwendungsmöglichkeiten einer Strahlentherapie darzulegen. Bedingt durch die Inhalte eines Medizinstudiums sei selbst vielen Fachärzten wie Orthopäden und Internisten nicht geläufig, was heute machbar ist. Mit hoher Erfolgsquote, wissenschaftlich fundiert.

Individuelle Therapie

Für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch dringend die Expertise des Strahlentherapeuten nötig. Es wird nicht einfach die Maschine angeschaltet. An erster Stelle steht die genaue und individuelle Analyse der Erkrankung. Hohe Qualitätsstandards und fachlichen Austausch garantieren dabei Netzwerke, wie das RadioOnkologoienetzwerk. Und die Kosten? Eine Strahlentherapie ist nicht Privatpatienten und -patientinnen vorbehalten. Seit über 50 Jahren können die Leistungen über die Krankenkassen abgerechnet werden. Im Gegensatz zu Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL).Prof. Dr. med. M. Heinrich Seegenschmiedt versteht es, ohne Fachchinesisch, die verschiedenen Aspekte einer Strahlentherapie zu beleuchten. Vor allem liegt ihm daran, anschaulich den Vorurteilen bei dieser Therapieform entgegenzutreten. Wird die Strahlung als Tumorkiller eingesetzt, ist sie bis zu 20 Mal höher dosiert als bei den sogenannten gutartigen Erkrankungen. Nebenwirkungen wie Hautirritationen sind nahezu ausgeschlossen. Aber die Möglichkeiten und die Erfolgsaussichten: schlicht erstaunlich! 

Der digitale Fachvortrag Strahlentherapie bei gutartigen Erkrankungen ist kostenlos abrufbar unter schwaebische-post.de/digitale-vortragsreihe und gmuender-tagespost.de/digitale-vortragsreihe. Der Referent Prof. Dr. med. M. Heinrich Seegenschmiedt ist seit 1990 Facharzt für Strahlentherapie und Radioonkologie. Seit 2019 ist er für den Praxisverbund RadioOnkologoienetzwerk (RNO) tätig, zu dem die Kooperationspartner dieser Vortragsreihe zählen, die Strahlentherapie Ostalb und die Strahlentherapie Schwäbisch Gmünd. Moderator ist Chefredakteur Lars Reckermann.

Auch interessant

Kommentare