Anders planen, bauen und wohnen

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Versetzte Balkone lockern die Fassade an der Rückseite des Neubaus auf.

Hier wurde gemeinsam geplant, gemeinsam gebaut und nun wird gemeinsam gewohnt. Dieses Mehrgenerationen- und Mehrkulturenhaus ist ein außergewöhnliches Projekt.

Schwäbisch Gmünd. Nach eineinhalbjähriger Bauzeit sind im März die ersten Bewohner in den Neubau der "Baugruppe Sonnenhügel" eingezogen. In der Oberbettringer Straße 176 auf dem Hardt wurde ein Mehrgenerationen- und Mehrkulturenhaus geschaffen, geplant vom Gmünder Architekten und Grünen-Stadtrat Karl Miller. Es ist sein zweites Projekt in Schwäbisch Gmünd, bereits in der Weißensteiner Straße hat er ein Baugemeinschaftsprojekt verwirklicht.

Bezahlbarer Wohnraum

Das Besondere: Die Häuser werden von den Wohnungseigentümern gemeinschaftlich gebaut, jeder ist Bauherr. "Der Bedarf an dieser Art zu wohnen ist groß", sagt Karl Miller. Jeder kann sich einbringen, Entscheidungen werden dann auch gemeinsam getroffen.

Der Neubau der Baugruppe Sonnenhügel war von Anfang an gedacht für Menschen vom Hardt, die hier weiterhin leben und wohnen wollen. Bezahlbarer Wohnraum konnte in der Oberbettringer Straße geschaffen werden: 2900 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche inklusive Grunderwerbssteuer kostete eine Wohnung. Durch Maßnahmen wie zum Beispiel den Verzicht auf Unterkellerung wurden Kosten gespart.

Gemeinschaftlich und zukunftsorientiert gebaut

Energetisch zukunftsorientiertes Bauen war ein weiteres Ziel des Projekts. Der Neubau entspricht dem KfW 40+ Standard, der höhere Zuschüsse pro Wohnung möglich machte. Eine Fotovoltaik-Anlage erzeugt rund 45.000 Kilowattstunden pro Jahr, geheizt wird mit Erdwärme. Dreifach-verglaste Fenster und eine 40 Zentimeter dicke Wärmedämmung – auf dem Dach aus Altpapier – sowie zwei Zisternen mit 40 Kubikmeter Fassungsvermögen waren weitere Maßnahmen.

Die 23 Wohnungen und zwei Einzimmer-Appartements zwischen 30 und 140 Quadratmeter sind mittlerweile alle bezogen. "Wir als Baugruppe haben das Haus gemeinschaftlich gebaut", sagt Bauherr und Bewohner Ingo Treuter. Das Grundstück sei gemeinsam gekauft worden, Grunderwerbssteuer sei deshalb nur auf das Grundstück fällig gewesen.

Gemeinsam wohnen, gemeinsam planen und gemeinsam an der Gestaltung mitwirken: Das schweißt zusammen. "Wir haben viel diskutiert und jeder hat seine Fähigkeiten eingebracht", sagt Uwe Fritsch. Es sei eine gute Mischung in der Hausgemeinschaft entstanden und die Chemie stimme. "Gerade durch die zahlreichen Treffen hat man sich gut kennengelernt", findet Georg Schwarz.

Zahlreiche Besonderheiten wurden am Neubau umgesetzt: Kästen für Fledermäuse und Mauersegler wurden angebracht, farbige Glasmosaiksteine von der Gmünder Künstlerin Alkie Osterland zieren die Hauswand über dem Eingang, die versetzten Balkone lockern die Fassade auf und auch das großzügige Treppenhaus mit offenem Blick von unten nach oben soll mit einem großen Pflanztrog im Eingangsbereich den Bewohner nicht nur als Durchgang, sondern auch als Ort der Kommunikation dienen.

Auf eine Tiefgarage wurde verzichtet, stattdessen ist vor dem Haus ein großer und leicht zugänglicher Fahrradabstellplatz. "Wir haben für die Zukunft geplant und da wird sich die Mobilität verändern", ist Karl Miller überzeugt. Eine E-Auto-Ladestation sei geplant, der Stellplatz schon vorhanden. ub

In der Oberbettringer Straße 176 wurde ein Mehrgenerationen- und Mehrkulturenhaus verwirklicht, das gemeinschaftlich geplant und umgesetzt worden ist.

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