Damit Menschen in Würde leben können

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Die ersten Gebäude der Stiftung Haus Lindenhof in den 70er Jahren.

„selbst.bestimmt.leben“ - das ist das Motto der Stiftung Haus Lindenhof. Am 30. April 1971 wurde die Stiftung gegründet und hat sich zu einem Unternehmen mit heute 67 Standorten im Ostalbkreis sowie den Landkreisen Heidenheim und Göppingen entwickelt.

Schwäbisch Gmünd. „Wir feiern 50 Jahre Menschlichkeit und selbstbestimmt Leben.“ So äußerte sich Professor Wolfgang Wasel, Vorstand der Stiftung Haus Lindenhof, vor wenigen Tagen bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen. Die Stiftung sei ein „sorgendes Gesamtwerk mit einer großen Zahl an Menschen, die sinnstiftend sein wollten und wollen“. Die Motivation: gelebte Nächstenliebe.

Und so hat alles begonnen: 1968 sah das Land einen Bedarf von 2500 Heimplätzen für geistig behinderte Menschen. Deshalb war das Sozialministerium auf der Suche nach Standort und Träger für eine neue Großeinrichtung in der nördlichen Landeshälfte. „Bei der Suche nach einem geeigneten Standort wurde man nicht überall mit offenen Armen empfangen“, erinnert sich der ehemalige Vorstand Georg Letzgus. So lehnte beispielsweise der Bürgermeister einer Gemeinde auf den Fildern das Vorhaben mit unschönen Worten ab. Auch der Gemeinderat der damals selbstständigen Gemeinde Großdeinbach votierte fast komplett gegen einen Standort im Ortsteil Waldau. Dann fand sich schließlich das Areal zwischen Schwäbisch Gmünd-Bettringen und Weiler für dieses Vorhaben zum Bau einer großen Einrichtung.

Die Pionierphase der ersten Jahre

Am 30. April 1971 wurde das „Haus Lindenhof“ gegründet, dann 1986 zur kirchlichen „Stiftung Haus Lindenhof“ umgewandelt. 1976 zogen die ersten Bewohner auf dem Lindenhof – damals noch als Großeinrichtung geplant – ein. Gleichzeitig gingen die Vinzenz-von-Paul-Werkstatt und die Martinus Schule in Betrieb. Die 80er-Jahre waren geprägt von einer rigorosen Sparpolitik. Dennoch gelang der Stiftung die geplante Erweiterung: Vergrößerung von Schule und Werkstatt, das Haus Raphael, der Förder- und Betreuungsbereich im Haus Luise von Marillac. Schließlich wurde auch das Konzept „Anstalt“ aufgegeben, es folgten kleinere Wohnhäuser in Ellwangen, Heubach und Gmünd. „Schon in den 70er-Jahre begann sich ein gesellschaftliches Umdenken von der Fürsorge zur Selbstbestimmung abzuzeichnen“, so Letzgus. Nach einer Zukunftswerkstatt im Jahr 2000 gründete die Stiftung Haus Lindenhof zahlreiche kleine dezentrale Wohngemeinschaften und entwickelte viele neue Wohnangebote.

Der Einstieg in die Altenhilfe

Das große zweite Standbein der Stiftung folgt auf dem Fuß: 1990 übernahm sie auch die Trägerschaft von Altenhilfeeinrichtungen. St. Ludwig in Schwäbisch Gmünd war die Erste. Das Haus wurde am 1. Januar 1990 von der Kongregation der Franziskanerinnen von Sießen zugestiftet. Noch im selben Jahr begann der Umbau des Spitals zum Heiligen Geist in Schwäbisch Gmünd zur Einrichtung für alte Menschen.

Es folgten weitere Einrichtungen im Ostalbkreis und im Kreis Heidenheim, später auch im Kreis Göppingen. Veränderungen zeichneten sich mit der Einführung der Pflegeversicherung ab. „Ökonomie wurde zum Gestaltungsprinzip der Politik, verbunden mit der Hoffnung, dass der Markt mehr Leistungen für Hilfesuchende generiert, bei möglichst niedriger Kostenbelastung“, so Jürgen Kunze, Vorstand der Stiftung Haus Lindenhof in den Jahren 2005 bis 2020.

Aus der Einrichtung, die 1971 zunächst im kleinen Rahmen gestartet ist, entwickelte sich in den vergangenen 50 Jahren ein Unternehmen mit nunmehr 67 Standorten.

Weitere Dienstleistungen

Weitere Dienstleistungen sind dazu gekommen. Mobile Dienste im Bereich ambulanter Pflege und Hilfe bei hauswirtschaftlichen Angelegenheiten und die Haus Lindenhof Service GmbH, ein Inklusionsbetrieb mit Diensten rund ums Haus. Heute betreuen, pflegen und begleiten 2100 Mitarbeitende rund 2200 ältere Menschen und Menschen mit Behinderung. 1000 Ehrenamtliche bereichern mit ihrem Engagement das Leben der Menschen in der Stiftung.

Die Fördergemeinschaft „Für Gutes Leben“

Die Fördergemeinschaft „Für Gutes Leben“ der Stiftung Haus Lindenhof setzt sich dafür ein, dass alle Menschen in Würde leben können. Sie ist seit über 40 Jahren aktiv und besteht sowohl aus Privatpersonen als auch aus Institutionen. Wer die Fördergemeinschaft unterstützen möchte, kann das bereits mit einem Jahresbeitrag von 30 Euro für Privatpersonen oder 100 Euro für juristische Personen tun. In den vergangenen Jahren wurden die Mittel der Fördergemeinschaft unter anderem für neue Trainingsgeräte für Menschen mit Behinderung, Malzubehör für die Kunstgruppe oder auch Theatervorführungen für Altenpflegeeinrichtungen verwendet.

Viele weitere Informationen zu den Angeboten der Stiftung Haus Lindenhof sowie zu den Feiern rund um das 50. Jubiläum der Gründung gibt es im Internet auf der Homepage www.haus-lindenhof.de. kust

  • Jubiläumsspendenprojekt zum Bau einer Kapelle
  • Im Rahmen des Jubiläums gibt es ein ehrgeiziges Spendenprojekt der Stiftung Haus Lindenhof: Der geplante Bau der Franziskus Kapelle auf dem Gelände des Lindenhofs, als neuer Ort des Glaubens und der Besinnung. Das bisherige Provisorium im Verwaltungsgebäude ist für viele Bewohner, aufgrund der Hanglage des Lindenhofs, nur schwer erreichbar. An einem der Glaubenswege gelegen kann sie auch ein Ort der Begegnung werden für Wanderer und Bewohnerinnen und Bewohnern des Lindenhofs. Im Rahmen eines Festgottesdienstes am 10. Oktober hat Bischof Dr. Gebhard Fürst den Grundstein für die Kapelle gelegt. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann das über die folgenden Spendenkonten tun: Kreissparkasse Ostalb, IBAN: DE62 6145 0050 1000 2748 97 und VR-Bank Ostalb eG, IBAN: DE92 6149 0150 1110 0100 01. Stichwort: Franziskus Kapelle.
Die Grundsteinlegung für das Behindertenzentrum in Schwäbisch Gmünd im Jahr 1974.
Bischof Dr. Gebhard Fürst (re.) bei der Grundsteinlegung der Franziskus Kapelle am 10. Oktober 2021.
Vielfältig sind heute die Dienstleistungen für ältere Menschen, die seit den 1990er Jahren von der Stiftung Haus Lindenhof angeboten werden.
Rund 2100 Mitarbeitende sowie rund 1000 Ehrenamtliche arbeiten heute in den mittlerweile 67 Standorten der Stiftung.

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