Die wechselvolle Geschichte eines Sportvereins

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Die Spielermannschaft des VfR Aalen im Jahr 1923.

1921 wurde der Verein für Rasenspiele Aalen e. V. gegründet. In dieser Zeit hat er sich zum bekanntesten Aalener Fußballverein entwickelt und wäre sogar beinahe schon in den 1970er-Jahren in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Ein Rückblick über Höhen und Tiefen.

Aalen. Ein frostiges Klima herrscht Anfang des Jahres 1921 nicht nur aus meteorologischer Sicht, auch zwischenmenschlich gibt es zwischen Fußballern und Turnern des MTV Aalen einige Differenzen. Die zweijährigen Streitigkeiten um den Spielplatz sowie um Ausgliederungsbestrebungen der Fußballer gipfeln in einem unrühmlichen Höhepunkt: Der MTV Aalen schließt Fußball-Spielleiter Georg Uhl aus dem MTV aus und leitet damit die Geburtsstunde des VfR Aalen ein, denn Uhl will sich nicht beugen und eine Niederlage der Fußballer akzeptieren.

Die Gaststätte "Eintracht" ist am 8. März 1921 Schauplatz einer von Uhl konkret vorbereiteten Generalversammlung, der nach einem Zeitungsaufruf mehr als 100 fußballbegeisterte Männer folgen. Einstimmig wird die Gründung eines unabhängigen Fußballvereines mit dem Namen "Verein für Rasenspiele Aalen" beschlossen. Als Gründungstag des Vereins wird der 8. März 1921 festgelegt. 1939 feiert der VfR die Meisterschaft in der Bezirksliga und qualifiziert sich somit für die Aufstiegsrund. Am Ende gelingt sogar der Aufstieg in die Gauliga (damals die höchste deutsche Spielklasse). Der damalige Platz, die sogenannte "Wacht am Rhein" wird allerdings vom Verband als Austragungsort der Spiele abgelehnt und die "Schlageter-Kampfbahn" (heutiges SSV-Stadion) entsteht und wird als neue Spielstätte des VfR Aalen genutzt.

Fußball in Ruinen

Nach Kriegsende (1945) darf im Kreis Aalen wieder Fußball gespielt werden. Die Schlageter-Kampfbahn muss aufgrund der von den Besatzungsmächten erlassenen Wiedergutmachungsgesetzen an den von den Nationalsozialisten enteigneten Arbeiter-Turnverein Jahn (später SSV Aalen) zurückgegeben werden. Der VfR Aalen muss die ersten Spiele notgedrungen auswärts austragen. 4 Jahre später wird das VfR-Stadion im Rohrwang mit einem großen Festprogramm und dem Spiel des VfR (damals württembergische Landesliga) gegen Mainz 05 (französische Zonenliga) eingeweiht. Es bietet Platz für 15 000 Zuschauer.

Der frühe Ruf der 2. Liga

1951 sichern sich die Fußballer die Nordwürttembergische Amateurmeisterschaft und den Sprung in die 2. Oberliga Süd (damals zweithöchste Spielklasse) - es war der vorläufige Abschied, bereits ein Jahr später erfolgt ein erneuter Abstieg. Unter dem Trainergespann Albrecht/Hildner gelingt der Wiederaufstieg in die 1. Amateurliga. Nur ein Jahr später folgt der erneute Abstieg, der VfR droht zur "Fahrstuhlmannschaft" zu werden.

Große Zeiten

Der VfR schafft 1972 unter Coach Hansi Schiegl und mit Spielern wie Helmut Dietterle und Erwin Hadewicz wieder den Sprung in die 1. Amateurliga und gewinnt im gleichen Jahr den wfv-Pokal. 1974 elektrisiert der VfR eine ganze Region und holt die Meisterschaft in der 1. Amateurliga. Helmut Dietterle (25 Treffer) und Dieter Hoeneß (23) erzielen dabei fast die Hälfte aller VfR-Tore in der Erfolgssaison.

1975 wird der VfR Aalen erneut Meister. Torjäger Dieter Hoeneß ist nicht zu halten und wechselt zum VfB Stuttgart.

Krisen und Konsolidierung

1980 gelingt dem VfR der direkte Durchmarsch von der Landes- in die Oberliga. Dort heißt es allerdings nach einem Jahr schon wieder Abschied nehmen. Das Trainergespann Erwin Hadewicz und sein Co. Werner Müller führen die Aalener 1988 zurück ins Amateur-Oberhaus. Finanzielle Probleme verschärfen allerdings die Situation beim VfR. 3 Jahre später verabschiedet sich Werner Müller nach über 600 Spielen im VfR-Trikot und langen Jahren als Trainer aus dem Rohrwang.

Der Weg ins neue Jahrtausend

Mit einem Auswärtssieg in Rastatt und einem Remis im Waldstadion entscheidet der VfR Aalen 1993 die Aufstiegsspiele für sich und kehrt in die damals dritthöchste Spielklasse, die Amateuroberliga, zurück.

1999 liefert sich der VfR Aalen im Kampf um den Aufstieg in die Regionalliga ein heißes Fernduell mit dem SV Sandhausen. In der 86. Minute versetzt Slobodan Pajic mit seinem Freistoßtor zum Aalener 3:2-Sieg die mitgereisten Anhänger in einen Freudentaumel. Der VfR um Coach Walter Modick ist Regionalligist! 2003 löst Berndt-Ulrich Scholz Johannes Moser an der Vereinsspitze ab und wird neuer Präsident des VfR Aalen – der Beginn einer neuen Ära.

Tränen und Triumphe

2008 für die damals neu eingeführte 3. Liga qualifiziert und als Topfavorit auf den Aufstieg in die Saison der neuen 3. Liga gestartet, findet sich der VfR dann 2009 nach einer mehr als enttäuschenden Spielzeit in der Regionalliga wieder. Für einen VfR-Profi ist der Niedergang ganz besonders bitter: Nach elf Jahren beim VfR steigt Branko Okic zum Ende seiner Profikarriere ab.

Nach dem Abstieg baut Coach Rainer Scharinger eine ganz junge Mannschaft auf, die überwiegend aus Spielern besteht, die zuvor in der Regionalliga oder Oberliga aktiv waren. Am Ende steht der vorab kaum für möglich gehaltene direkte Wiederaufstieg in die 3. Liga.

2011 übernimmt Ralph Hasenhüttl die Nachfolge von Scharinger. Der Österreicher schafft mit seiner Mannschaft den Klassenerhalt, der VfR beschließt die Saison auf Rang 16.

Am Ziel aller Träume!

Der VfR sorgt für die Fußball-Sensation des Jahres: Das 2:2 am vorletzten Spieltag beim VfB Stuttgart II am 28. April 2012 ist gleichbedeutend mit dem lange ersehnten Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga. Rund 2000 mitgereiste Anhänger feiern ausgelassen im Gazi-Stadion auf der Waldau. In Aalen bereiten Tausende Fans auf dem Rathausplatz dem Team einen begeisternden Empfang, die Jubelfeierlichkeiten in den Bars und Kneipen dauern bis in die frühen Morgenstunden. Der VfR gehört zu den 36 besten Fußballteams in Deutschland!

Der VfR Aalen überrascht im Folgejahr alle Experten und beendet die erste Saison in der 2. Bundesliga als bester Aufsteiger auf Rang 9 – fernab jeglicher Abstiegssorgen. Nach der Saison erklärt Ralph Hasenhüttl seinen Rückzug, Stefan Ruthenbeck – bis dato U23-Coach und Leiter der TAAlentschmiede Ostalb – übernimmt den Cheftrainerposten.

Bitterer Abstieg in Liga 3

Von Beginn an verfolgen Cheftrainer Stefan Ruthenbeck und der Verein nur ein Ziel: Klassenerhalt. Für Furore sorgt die Ruthenbeck-Elf im DFB-Pokal. Ende Oktober wird Bundesligist Hannover 96 mit 2:0 geschlagen – erstmals in der Vereinsgeschichte stößt der VfR ins DFB-Pokal-Achtelfinale vor. Dort ist trotz starker Leistung gegen 1899 Hoffenheim Endstation. In der Liga hängt das Team am Tabellenende fest. Zwar punktet der VfR von allen Teams im Keller am konstantesten, unterm Strich stehen aber zu viele Unentschieden zu Buche. Verschärft wird die Situation durch den doppelten  Punktabzug aufgrund eines Fortsetzung auf Seite 21 »

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Spieler trösten sich nach dem Abstieg aus der 2. Liga.

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