Die Zukunft der Pflege

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Der Neubau der Villa Rosenstein bietet seinen Bewohnern ein harmonisches Umfeld mit großen Freiräumen im Innen- sowie im Außenbereich.

Die Villa Rosenstein, ein Pflegeheim mit Spezialisierung auf Demenz, verwirklicht neue und innovative Konzepte der Pflege.

Heubach. In diesen Tagen wird in Heubach der große Erweiterungsbau der Villa Rosenstein eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. In nur wenig mehr als einem Jahr wurde das Fachzentrum für Demenz durch einen hochmodernen Anbau erweitert. Die Eigentümer und Geschäftsführer der Villa Rosenstein, Marisol Pohl-Catalan und Bernd Winkler freuen sich, wenn sie Gäste durch den innovativen Bau führen dürfen, "denn wir haben nicht nur einfach vergrößert, wir haben uns konzeptionell völlig neu aufgestellt und wurden zu einem richtigen Haus der Emotionen".

Erstmals wurden hier in Deutschland virtuelle Räume in den Neubau einer Pflegeeinrichtung integriert, die den Bewohnern ein emotionales Erleben ermöglichen.

Mit dem Wissen, dass bei Demenzerkrankten die geistigen Kräfte schwinden, die emotionale Wahrnehmung aber bleibt, haben sich die Verantwortlichen der Villa Rosenstein auch im Ausland umgesehen. In Holland zum Beispiel machten zahlreiche Heime die Erfahrung, dass bei moderner Betreuung sehr viel weniger Medikamente eingesetzt werden müssen.

Emotionales Leben bereichern

Bei moderner Betreuung werden sehr viel weniger Medikamente verabreicht.

Marisol Pohl-Catalan, Heimleitung

Zum Vergleich: In Deutschland werden laut einer Untersuchung aus dem Jahre 2017 mehr als 43 Prozent der Demenzkranken dauerhaft mit starken Psychopharmaka behandelt. In der Schweiz, wo die Pflege der Alten und Demenzkranken einen hohen Stellenwert hat, stieß man auf Konzepte, die das emotionale Leben der Bewohner bereichern und das Wohlbefinden deutlich fördern.

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Individuelle Konzepte

Diese Konzepte wurden individuell auf die Villa Rosenstein zugeschnitten. Es wurden zahlreiche Erlebnisräume etabliert, die den Bewohnern über Computersimulationen emotionale Ansprache und vertraute Gefühle vermitteln. So gibt es knisternde virtuelle Kaminfeuer mit beheizten wohnlichen Sitzbänken, es werden Zugfahrten im virtuellen Bahnabteil mit Original-Bahnsitzen angeboten. In den großzügigen Fluren gibt es zahlreiche Ruheoasen mit integrierten Großbildschirmen, den sogenannten "Fenstern nach Draußen".

Marisol Pohl-Catalan, Heimleiterin: "Diese ‚Fenster nach Draußen' sind für uns ein ganz wichtiges Instrument. Denn Menschen mit Demenz sind keine Kranken, sondern individuelle Persönlichkeiten, die sich vom Verstand wegentwickeln und auf dieser Reise eine Begleiterin oder einen Begleiter benötigen. Wir sind bei den Menschen, wenn sie Ruhe brauchen, wenn sie Abwechslung brauchen, wenn sie Stimulation brauchen. Unsere ‚Fenster nach Draußen' werden begleitend eingesetzt, um Stimmungen zu vermitteln, um Atmosphäre zu schaffen. Wir können aber auch genauso gut bewegte Aquarienbilder zeigen oder eine sogenannte ‚Persönliche Biografiebildsammlung' des jeweiligen Bewohners. Wir haben mit unseren Ruheoasen Orte der Kommunikation und Orte der Zuwendung geschaffen."

Innovatives Lichtkonzept

Das Lichtkonzept des ganzen Hauses wurde farblich auf den Biorhythmus abgestimmt. Der Sonnenaufgang geht stufenlos in die Mittagssonne über, abends kündigt das Mondlicht vom Ende des Tages. Das innovative Lichtkonzept wird auch therapeutisch eingesetzt, sogenannte individuell gefärbte "Lichtduschen" können appetitanregende Wirkung haben, Stimmungen aufhellen, Ruhe vermitteln, gegebenenfalls auch aktivierend wirken.

Marisol Pohl-Catalan: "Diese Lichtduschen haben auf unsere Bewohner eine ausgleichende Wirkung, sie reduzieren unter anderem Aggressionen und Depressionen. Wir holen mit dem individuellen Einsatz unserer ‚Fenster nach Draußen' und mit unserem Lichtkonzept die Bewohner aus ihren gedanklichen Sackgassen, steigern so deren Wohlbefinden und reduzieren ganz erheblich den Medikamenteneinsatz."

Wir sind stolz, einen Beitrag zur ‚Zukunft der Pflege' formuliert zu haben.

Bernd Winkler, Geschäftsführung

Kombiniert wird dieses Lichtkonzept mit dem Einsatz von Düften, die zwar das Wohlbefinden der Bewohner positiv beeinflussen, aber unterhalb der bewussten Wahrnehmungsschwelle positioniert wurden. Aktuell dürfte hier von Belang sein, dass diesen Düften eine antivirale Note zur Senkung der Virenbelastung beigemischt wird, "ein neuer Weg", wie Bernd Winkler formuliert, "aber es gibt hier vielversprechende Berichte von Heimen in der Schweiz, die schon mit dieser Beduftung arbeiten".

Wohnraum für 90 Bewohner

"Mit unserem Betreuungskonzept, mit unseren Erlebniswelten und mit der großzügigen Ausstattung der Flure, die wir als Wohnraum und Begegnungsstätten sehen, haben wir tatsächlich eine Alleinstellung. Unser Demenzzentrum bietet nun Wohnraum für 90 Bewohner. Und wir sind eines der wenigen Pflegeheime mit Spezialisierung auf Demenz in Baden-Württemberg, das keinerlei geschlossene Abteilung hat", führt Bernd Winkler weiter aus.

"Derzeit gibt es circa 1,7 Million Demenzkranke in Deutschland. Experten erwarten, dass sich diese Zahl bis 2050 verdoppelt. Es bleibt zu hoffen, dass noch viele weitere Heime mit innovativen Konzepten folgen, um der Aufgabe gewachsen zu sein. Wir sind wirklich stolz, hier in der Villa Rosenstein einen Beitrag zur ‚Zukunft der Pflege' formuliert zu haben, denn die Schwerpunktsetzung auf geschlossene Heime und Psychopharmaka ist ein unguter Weg."

Dass derart innovatives und zielorientiertes Vorgehen seinen Preis hat, versteht sich von selbst: Rund sieben Millionen Euro wurden in den Um- und Neubau und in die parkähnlichen Außenanlagen der Villa Rosenstein investiert. pm

Herbstlicher Blick in Richtung des Heubacher Fernsehturms, links der Bestandsbau der Villa Rosenstein, rechts der Neubau.

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