Grüße vom Containerschiff

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Weihnachtsgrüße vom Leverkusen Express.

Felix Welzenbach verbringt sein Weihnachtsfest mit der Crew an Bord und grüßt seine Familie und Freunde in Aalen.

Schöne weihnachtliche Grüße wünsche ich allen Aalenern vom Südchinesischem Meer nahe Shanghai. Seit Ende des vergangenen Jahres bereise ich die Welt auf verschieden Containerschiffen der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd AG. Dabei kam ich bereits um die halbe Welt, war in Nord- und Südamerika, Asien, Südeuropa, Dubai und einige Male bereits durch den Suez Kanal unterwegs. Einmal um die Welt zu kommen, und einen abwechslungsreichen Beruf auszuführen, waren Gründe für mich, in die Schifffahrt zu gehen. Das Ziel: später Offizier eines solchen Schiffes zu werden. Deshalb absolviere ich im Moment eine Ausbildung zum Nautischen Offiziersassistenten (NOA), welche mich für das dreijährige Nautik-Studium und meine späteren Aufgaben als Schiffsoffizier vorbereitet. Die Aufgaben sind vielfältig vom Navigieren und Steuern des riesigen Schiffs, bis hin zu Decksaufgaben wie Ladungschecks, Malen, Entrosten und der Aufrechterhaltung der Sicherheitsausrüstung. Im Grunde lerne ich auf jeder Reise, welche in der Regel mehr als drei Monate dauert, jeden Meter des Schiffs kennen. Angefangen mit den Tanks, den riesigen Laderäumen, dem Maschinenraum, den Manöverstationen den Festmacher-/Ankerwinden bis zu meinem Hauptbereich, der Brücke, also der Kommandozentrale des Schiffs. Dort teilen sich drei Offiziere den Tag gleichmäßig in Wachen auf, damit jeder Offizier vier Stunden in der Nacht beziehungsweise bei Tag das Kommando über das Schiff hat. Der Kapitän übernimmt das Kommando heutzutage nur noch bei Manöverfahrten - wie der Hafeneinfahrt oder bei speziellen Passagen wie dem Suezkanal - und ist ansonsten mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt.

Mein jetziges Schiff, die „Leverkusen Express“ ist mit 13 200 TEU (bis zu 6 500 große LKW Containern) voll beladen. Trotz dieser enormen Größe haben wir nur 26 Mann Besatzung, die größtenteils von den Philippinen stammen und wirklich herzliche und vor allem entspannte Leute sind. Die Schiffsführung besteht währenddessen aus Deutschen und Polen, wodurch ich zumindest das Deutschsprechen nicht ganz verlerne.

Aufgrund der kleinen Besatzung wird jeder Mann an Bord gebraucht und deshalb wird sieben Tage die Woche gearbeitet, wobei an Wochenenden zum Glück etwas reduziert wird. Die Freizeit kann man dann für Kicker-Turniere, Sporteinheiten im Fitnessraum oder einfach entspanntem Lesen und Filmschauen nutzen. Hin und wieder findet ein Barbecue auf dem Außendeck satt. Außerdem werden Barabende mit den Offizieren veranstaltet und viele Geburtstage gefeiert. Sehr schade ist allerdings, dass aufgrund von Corona alle Landgänge gestrichen wurden, wodurch ich von Städten wie Hongkong, New York oder Miami nur die Skyline gesehen habe. Eine Ausnahme gab es aber auf meiner ersten Reise mit einem vierwöchigem Werftaufenthalt in Dubai. Das war einfach genial!

Zurück zu dieser Reise. Nach dem Wendepunkt der Reise in Korea heißt es endlich wieder Kurs West in Richtung Europa. Nun ist aber auch nicht mehr lange und Weihnachten steht bevor. Da es aufgrund voller Häfen viele Verspätungen gab, werde ich es leider nicht mehr reichzeitig nach Hause schaffen, mit Sicherheit aber ein schönes Weihnachtsfest mit der Crew an Bord verbringen. Aus letztjähriger Erfahrung weiß ich, alle Crewmitglieder werden in die schicke Offiziersmesse eingeladen. Dort wird unser Kapitän dann das vielfältige Buffet eröffnen. Anschließend gibt es ein kleines Geschenk für jeden, mindestens ein Weihnachtsfilm und internationale Weihnachtslieder. Während das Meer draußen vorbeirauscht, endet der Abend meistens mit einer Party, bevor es bald wieder heißt: an die Arbeit im vorletzten Hafen, Ashdod (Israel). Von dort aus wünsche ich euch allen schöne besinnliche Weihnachtstage und grüße ganz herzlich all meine Freunde, Familie und Bekannte. Bis bald Aalen, Felix Welzenbach.

Felix Welzenbach.

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